Autozulieferer Grammer Chinesen sollen feindliche Übernahme verhindern

Der chinesische Autozulieferer Ningbo Jifeng steigt beim bayerischen Konkurrenten Grammer ein. Der neue Großaktionär könnte eine Übernahme der Firma durch die bosnische Hastor-Familie verhindern.
Update: 14.02.2017 - 16:19 Uhr Kommentieren
Grünes Licht für eine enge Kooperation. Chinesische Investoren wollen beim bayerischen Autozulieferer Grammer einsteigen. Quelle: dpa
Grammer AG

Grünes Licht für eine enge Kooperation. Chinesische Investoren wollen beim bayerischen Autozulieferer Grammer einsteigen.

(Foto: dpa)

BerlinDer bayerische Autozulieferer Grammer gewinnt einen neuen Partner aus China. Die ebenfalls auf die Innenraum-Ausstattung von Autos spezialisierte Ningbo Jifeng soll Grammer nicht nur den Zugang zum chinesischen Markt ebnen, wie das Unternehmen am Dienstag in Amberg mitteilte.

Als künftiger Großaktionär könnte Jifeng auch zum „weißen Ritter“ im Kampf gegen die unliebsame bosnische Unternehmerfamilie Hastor werden, die sich mit mehr als 20 Prozent bei Grammer eingekauft hat und von den großen Autoherstellern kritisch gesehen wird. Die großen Kunden begrüßten ausdrücklich die neue Partnerschaft, erklärte Grammer. Vorstandschef Hartmut Müller und Vertreter von Jifeng hatten die Pläne Insidern zufolge unter anderem bei Volkswagen und Daimler vorgestellt.

Jifeng steigt nicht über die Ausgabe neuer Aktien ein, sondern über eine Pflichtwandelanleihe, die Grammer 60 Millionen Euro bringt. Dieser Umweg wurde gewählt, weil der Hersteller von Kopfstützen, Armlehnen und Autositzen kein genehmigtes Kapital für eine direkte Kapitalerhöhung mehr hat. Auf die Hauptversammlung im Mai zu warten, wäre riskant gewesen, weil Hastor den Schritt dann möglicherweise hätte vereiteln können.

Die Anleihe wird spätestens in einem Jahr – voraussichtlich aber schon in wenigen Wochen - in 9,2 Prozent der Grammer-Anteile getauscht. Jifeng bekommt die neuen Papiere zu 56,47 Euro. Das ist ein Abschlag zum Kurs der Grammer-Aktie, die seit dem Einstieg der Hastors stark gestiegen ist und am Dienstag 1,6 Prozent auf 59,15 Euro zulegte. Ein Insider sagte, die Chinesen wären auch interessiert, weiter aufzustocken.

Für die Eigentümerfamilie des bosnischen Autozulieferers Prevent wird es damit schwerer, eine Mehrheit auf der Hauptversammlung für die geplante Abwahl von Vorstandschef Müller und den Einzug in den Aufsichtsrat zu gewinnen. Grammer hatte gewarnt, dass bei einer Machtübernahme durch die Bosnier wichtige Kunden abzuspringen drohten. Prevent hatte sich im vergangenen Jahr einen Streit mit VW geliefert, der zeitweise sogar die Produktion dort lahmlegte.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Die IG Metall schlug sich erneut auf die Seite von Grammer: „Unsere Position ist klar: Wir wollen eine feindliche Übernahme verhindern“, sagte ein Sprecher. Die Aktionärsschützer der DSW forderten die übrigen Anteilseigner auf, sich gegen eine „kalte Übernahme“ durch Hastor zu wehren. „Es darf nicht sein, dass eine Minderheit hier derart ungeniert durchregiert“, sagte DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Strategisch verspricht sich Grammer von Jifeng besseren Zugang zum chinesischen Automarkt und vor allem zu den lokalen Herstellern und Lieferanten. "Wir sehen hier noch erhebliches Wachstumspotenzial", sagte Müller. Beider Produkte ergänzten sich. In China erwirtschaften die Oberpfälzer 15 Prozent ihres Umsatzes mit der Autoindustrie von 1,2 Milliarden Euro. Jifeng ist mit 2500 Mitarbeitern kleiner als Grammer (12.000), aber an der Börse Schanghai mit einer Milliarde Euro höher bewertet als Grammer, die auf einen Börsenwert von 650 Millionen Euro kommt.

  • rtr
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