Autozulieferer
Höllenstimmung auf Conti-Hauptversammlung

Auf der Hauptversammlung von Continental könnte die Stimmung aufgeheizter kaum sein: Drinnen streitet sich die Conti-Führungsspitze mit dem Hauptaktionär Schaeffler. Draußen protestieren hunderte Mitarbeiter gegen die Schließung der Reifenwerke. Drinnen richtet Conti-Chef Neumann einen dramatischen Appell an die Familie Schaeffler.

HB HANNOVER. In einem dramatischen Appell an Großaktionär Schaeffler hat Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann ein rasches Konzept für die Zukunft der beiden angeschlagenen Konzerne gefordert. Ein weiteres Zuwarten in der extrem schwierigen wirtschaftlichen Lage berge das Risiko einer „unkontrollierten Entwicklung“, sagte Neumann am Donnerstag am Rande der Hauptversammlung. Schaeffler und Continental sind hoch verschuldet, die Branchenkrise hat die beiden Autozulieferer voll erwischt. Neumann kündigte an, innerhalb von maximal 100 Tagen selbst ein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen zu wollen.

Continental alleine könne die benötigten Antworten auf die grundlegenden Fragen aber nicht liefern, sagte Neumann mit Blick auf Schaeffler. Er warnte vor Egoismus und forderte den „guten Willen“ aller Beteiligten. Ohne grundlegende Weichenstellungen sei der Handlungsspielraum von Conti sehr eingeschränkt, bis hin zu „starken Lähmungserscheinungen“.

Neumann sagte, es sei etwa offen, ob sich Conti auf das Geschäft als Autozulieferer konzentrieren solle und was dann aus der Reifensparte werde. Offen sei zudem, wie das Automobilgeschäft alleine in der aktuellen Krise ohne die Beiträge der Reifensparte die Zukunftsthemen finanzieren solle.

Schaeffler und Conti hatten zwar vereinbart, über eine Zusammenlegung der Automobilsparten zu sprechen und die Conti- Reifensparte auszugliedern - ein Konzept und ein Zeitplan aber liegen bislang nicht vor. Schaeffler hatte sich bei der auf Pump finanzierten Übernahme des drei Mal größeren Continental-Konzerns im Zuge der Finanz- und Autokrise überhoben. Die hoch verschuldete Gruppe bittet um Staatshilfen und arbeitet seit Monaten an einem Zukunftskonzept. Auch Conti hat einen riesigen Schuldenberg, wegen der Milliarden-Übernahme von Siemens VDO.

Scharfe Kritik an Schaeffler äußerte Frank-Holger Lange von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Schaeffler versuche, eigene Interessen auf dem Rücken von Conti durchzusetzen. Das Vorgehen sei „egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos“, sagte Lange - mit denselben Worten hatte im vergangenen Sommer der damalige Vorstandschef Manfred Wennemer Schaeffler kritisiert. Heiko Barkemeyer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger forderte, Schaeffler dürfe nicht versuchen, Schulden auf Conti zu übertragen. Er sprach von einer „katastrophalen Entwicklung“ bei Conti.

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