Autozulieferer in den Knien
Honsel geht im Aufschwung das Geld aus

Gut ein Jahr nach seiner Umschuldung ist der Autozulieferer Honsel aus Meschede endgültig in die Knie gegangen. Der 1908 gegründete Spezialist für Leichtmetallteile, der rund 4 000 Mitarbeiter beschäftigt, meldete Insolvenz an.
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FRANKFURT. Es habe kein Einvernehmen über ein neues Restrukturierungskonzept erzielt werden können, sagte Stefan Eck, Sprecher des Honsel-Vorstands. Dringend benötigte Finanzmittel hätten deshalb nicht zur Verfügung gestanden. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus eingesetzt.

Honsel gießt Zylinderköpfe, Motorblöcke, Getriebegehäuse und Karosserie- und Fahrwerksteile aus Leichtmetall für die großen Automobilhersteller. Honsel ist eine der ersten Firmen, die offenbar an der raschen Rückkehr der Nachfrage gescheitert sind. Der Investitionsstau, der durch das fehlende Geld ausgelöst worden sei, habe laufende Projekte und Serienanläufe behindert, erklärte Eck. Die IG Metall weist aber auch dem Haupteigentümer, der Private-Equity-Gesellschaft RHJ International, eine Mitschuld zu. "Der Haupteigner hat die Belegschaft immer im Regen stehen lassen und kein wirtschaftliches Konzept gehabt, sondern immer nur auf das Geld von Kunden und Beschäftigten geschielt", kritisierte der IG-Metall-Bevollmächtigte Wolfgang Werth aus Arnsberg. RHJ erklärte, das Unternehmen habe auch nach der operativen und bilanziellen Sanierung beträchtliche Verluste geschrieben. "Wir bedauern, dass dem Unternehmen trotz aller Bemühungen die Wende nicht gelungen ist", sagte RHJ-Chef Leonhard Fischer.

Bereits 2009 war Honsel erst in letzter Minute durch einen Schuldenerlass vor der Pleite bewahrt worden. Honsel gehörte seitdem zu 51 Prozent RHJ und zu 49 Prozent einer Gruppe von Gläubigern. Doch als Honsel-Vorstandschef Peter Harbig vor wenigen Wochen seinen Posten räumte, war Insidern klar, dass es bei Honsel erneut brannte.

Die Probleme von Honsel werfen damit ein Schlaglicht auf die engen finanziellen Strukturen bei einer Übernahme durch Finanzinvestoren. Das frühere Familienunternehmen Honsel war 1999 an den US-Fonds Carlyle gegangen, der es 2004 für gut 600 Mio. Euro an RHJ International weiterreichte. Weil die Übernahme größtenteils kreditfinanziert war, litt Honsel unter einer immensen Schuldenlast. Erst im vergangenen Jahr hatten die Gläubiger im Gegenzug für die Beteiligung dem Unternehmen 370 Mio. Euro Schulden erlassen. RHJ schoss zudem 50 Mio. Euro Eigenkapital zu. Doch diesmal war RHJ, das 2009 noch den Autohersteller Opel kaufen wollte, nicht mehr bereit, neues Geld nachzuschießen.

Das Honsel-Management hofft, die Sanierung nun im Rahmen des Insolvenzrechts voranzutreiben. Es werde alles getan, um die Belieferung der Kunden sicherzustellen. Neben dem Stammsitz in Meschede hat das Unternehmen weitere Werke im Sauerland und in Nürnberg sowie im Ausland.

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