Autozulieferer
Insolvenzverfahren bei Karmann eröffnet

Beim Automobilzulieferer Karmann ist am Montag vom Amtsgericht Osnabrück das Insolvenzverfahren eröffnet worden. Zumindest aus Sicht des Insolvenzverwalters muss das nicht der Anfang vom Ende sein.

HB OSNABRÜCK. Trotz der schwierigen Situation im gesamten Automobilsektor sehe er „Chancen für eine Restrukturierung des Unternehmens“, erklärte Ottmar Hermann. Der Rechtsanwalt, der die Geschäfte des Unternehmens nach dessen Zusammenbruch bereits vorläufig fortgeführt hatte, wurde vom Gericht als Insolvenzverwalter eingesetzt. Er will nun „alle in Betracht kommenden Möglichkeiten prüfen, um die dann tragfähigste Lösung für die Fortführung des Unternehmens und den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze umzusetzen“. Ziel sei es zunächst, das operative Geschäft in den kommenden Wochen und Monaten zu stabilisieren und neue Aufträge zu erhalten.

Nach Angaben der Kanzlei des Anwalts arbeiten bei Karmann derzeit noch etwas mehr als 1 500 Mitarbeiter. Damit hat sich die Zahl der Beschäftigten seit der Insolvenz Anfang April mehr als halbiert. Es seien noch Aufträge vorhanden, um die rund 1 500 Mitarbeiter zunächst zu halten, hieß es in der Kanzlei. Hermann werde mit allen Autoherstellern Gespräche führen, um weitere Aufträge zu akquirieren. Es sei auch nicht ausgeschlossen, die Produktion kompletter Fahrzeuge wieder aufzunehmen.

Bei Karmann war vergangene Woche das letzte bestellte Cabrio vom Band gelaufen. Das Unternehmen wird bis auf weiteres als Zulieferer arbeiten, der anderen Autoherstellern Cabrio-Dachsysteme und Ingenieurleistungen liefert. Allerdings hat der Insolvenzverwalter den Mitarbeitern des Werkzeugbaus nur zum Teil gekündigt. Dadurch sei eine Wiederaufnahme der Fertigung kompletter Autos möglich, hieß es in dessen Kanzlei. Entsprechende Aufträge habe das Unternehmen derzeit aber nicht.

Unterdessen wollen zwei von drei Geschäftsführern das Unternehmen verlassen. Der Vertreter der Karmann-Eignerfamilien, Wilhelm Dietrich Karmann, und Arbeitsdirektor Jochen Voß beenden ihre Tätigkeit am Dienstag, wie Insolvenzverwalter Hermann am Montag in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben an die Mitarbeiter erklärte. Peter Harbig soll - entgegen anderslautenden Medienberichten - Sprecher der Firmenleitung bleiben. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme ab.

Arbeitnehmer hatten bei Wilhelm Dietrich Karmann, dem Enkel des Firmengründers, einen Interessenskonflikt aufgrund seiner Rolle als Miteigentümer und Verantwortlicher für die Beschäftigten des Unternehmens beklagt.

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