Autozulieferer
Lange Weihnachtsferien bei Autozulieferern

In dieser Woche begann bei vielen großen Zulieferern die Phase der Kurzarbeit. Ab Freitag stehen bei ZF, Schaeffler und Goodyear Deutschland die Bänder still. Die Krise in der Autobranche trifft die Zulieferer besonders hart. Eine Spurensuche nach der Stimmung in der Branche.

gie LIPPSTADT. Das „Venedig Westfalens“ wird Lippstadt genannt. Die verschlungenen Seitenarmen der Lippe prägen den Ort, der zwischen Ostwestfalen und der Soester Börde liegt. Karl-Heinz Rummenigge wurde hier geboren. Und auch Porsche-Chef Wendelin Wiedeking stammt aus der nahen Umgebung. Die 68 000 Einwohner sind stolz auf den historischen Stadtkern und die beeindruckende Marienkirche. Und auf „ihre“ Hella. Knapp ein Viertel der 28 000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen arbeiten bei dem weltweit agierenden Automobilzulieferer, der zu den 100 größten Industrieunternehmen Deutschlands gehört.

Das Unternehmen setzte im abgelaufenen Geschäftsjahr knapp vier Milliarden Euro um und beschäftigt weltweit 24 700 Mitarbeiter, davon 10 800 in Deutschland. Hella produziert vor allem Scheinwerfer. Zu den Kunden gehört beinahe alles, was die europäische Autoindustrie zu bieten hat: Volkswagen, Audi, Opel, Ford, Porsche, BMW, Mercedes, Renault und andere. Zwei Werke hat die Hella in Lippstadt. Direkt gegenüber des „Nordwerkes“ hat das zweite große Unternehmen Lippstadts sein Werk, die Rothe Erde. Bei der Tochter von Thyssen-Krupp werden vor allem Teile für Windkraftanlagen gefertigt.

Sven Müller und Oliver Vogt (Namen geändert) fahren tag-täglich gemeinsam zur Arbeit. Wie viele ihrer Kollegen stammen sie aus einem der Dörfer rund um Lippstadt. Müller, wie Vogt 29 Jahre alt, arbeitet bei der „Rothen Erde“. Vogt verdient sein Geld seit der Lehre gegenüber bei Hella. Die eine Woche haben sie Frühschicht, die andere Spätschicht. In dieser Woche ist alles anders. Seit Montag bekommt der „Helleraner“ Oliver Vogt die Härte der Wirtschaftskrise zu spüren.

Kurzarbeit heißt das Stichwort, dass seit Wochen die gesamte Autobranche dominiert. Die Autobauer verlängerten zunächst ihre Weihnachtsferien um einige Tage und führten sie Kurzarbeit ein. Die Hella hat viele Kunden und konnte früher Schwankungen bei einem Autobauer gut ausgleichen. Aber nun drosselt die gesamte Branche ihre Produktion. „So eine Krise habe ich noch nie erlebt“, sagten zuletzt Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMWs Vorstandsvorsitzender Norbert Reithofer unisono. Die Zulieferer müssen mitziehen. Die Zeiten, in denen es riesige Lagerhallen gab, in denen produzierte Teile wochenlang gelagert werden konnten, sind längst vorbei. Auch Hella-Konkurrent Bosch setzt auf Kurzarbeit: Im Bamberger Werk arbeiten 3500 Beschäftigte sechs Monate lang nur 17,5 Stunden pro Woche.

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