Autozulieferer
Leoni macht mehr Verlust als erwartet

Leoni enttäuscht die Börse: Der Nürnberger Draht-, Kabel- und Bordnetzspezialist hat im ersten Quartal vor allem wegen der starken Produktionskürzungen der Automobilhersteller rote Zahlen geschrieben und dabei noch einmal schlechter abgeschnitten als befürchtet. Das bekommen die Mitarbeiter nun noch stärker zu spüren.

HB NÜRNBERG. Vor Zinsen und Steuern fiel ein Verlust von 45,6 Mio. Euro an (Ebit), nach einem Gewinn von 34,1 Mio. im Vorjahreszeitraum, wie der Konzern mitteilte. Der Abwärtstrend habe sich im März aber etwas verlangsamt, schreibt das Unternehmen in der Mitteilung vom Montag. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern unverändert mit einem deutlichen Umsatz- und Ergebnisrückgang. Auf eine konkrete Prognose will sich die im MDax gelistete Gesellschaft aber nach wie vor nicht festlegen. Als einziges Ziel besteht weiterhin, im Gesamtjahr einen ausgeglichenen Free Cashflow zu erreichen.

In einer ersten Reaktion aus dem Handel hieß es, die Nürnberger hätten vor allem auf operativer Ebene enttäuscht. Leoni meldete für das erste Quartal einen operativen Verlust von 45,6 Mio. Euro nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 34,1 Mio. Euro erwirtschaftet worden war. „Aber auch auf der Gewinnebene lagen die Zahlen deutlich unter den Schätzungen“, sagte ein Börsianer. Unterm Strich betrug das Minus 49,7 Mio. Euro. Allein umsatzseitig konnten die Nürnberger die Erwartungen mit Erlösen von 492,4 Mio. Euro weitgehend erfüllen. Zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies jedoch einen Rückgang von 36 Prozent. Im Vormittagshandel gehörte die Aktie zu den schwächsten Werten im MDax und notierte mit 2,54 Prozent im Minus bei 11,50 Euro.

Um der Nachfrageschwäche in den Abnehmerbranchen Automobilindustrie, Maschinenbau und Telekommunikation zu begegnen, steuert der Kabelspezialist mit einem im Januar eingeleiteten weltweiten Kostensenkungsprogramm gegen. Dazu werden unter anderem Investitionen gekürzt, Vertriebs- und Verwaltungskosten zusammengestrichen und an der Personalschraube gedreht. Im ersten Quartal trennte sich das Unternehmen weltweit von knapp 6 000 Mitarbeitern, 80 davon in Deutschland.

Nun sollen in Deutschland weitere 140 Mitarbeiter gehen. Zudem herrscht an den deutschen Standorten fast flächendeckend Kurzarbeit, im Ausland kommen flexible Arbeitszeitmodelle zum Einsatz. Die Restrukturierungsaufwendunge n schlugen in den ersten drei Monaten des Jahres mit fünf Mio. Euro zu Buche. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet Leoni mit weiteren Belastungen.

Als Reaktion auf die geringen Autoverkäufe hatten die Automobilhersteller die Produktion neuer Wagen im ersten Quartal deutlich zurückgefahren und zunächst die auf Halde produzierten Fahrzeuge verkauft. In Deutschland sind in den ersten drei Monaten des Jahres so wenig Personenwagen wie seit 15 Jahren nicht mehr hergestellt worden, schreibt Leoni im Quartalsbericht. Bei den Neuanläufen habe es dagegen keine Verschiebungen gegeben. Die Nürnberger liefern unter anderem für die neue Mercedes-Benz E-Klasse zu sowie für das neue Oberklassemodell 7er von BMW und den Roadster Z4.

Früheren Angaben zufolge kann Leoni im Gesamtjahr einen Marktrückgang von bis zu 25 Prozent verkraften, ohne operativ rote Zahlen zu schreiben. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) geht bislang davon aus, dass der Autoabsatz um etwa 16 Prozent schrumpfen wird. Im Maschinenbau wird branchenweit mit einem Produktionsminus von bis zu 20 Prozent gerechnet und in der Elektroindustrie rund zehn Prozent weniger Umsatz prognostiziert.

Beim Ziel, im Gesamtjahr einen ausgeglichenen Free Cashflow zu erreichen, ist Leoni im ersten Quartal ins Hintertreffen geraten: Die MDax-Gesellschaft hatte einen Kapitalabfluss von 107,6 Mio. Euro zu verzeichnen. Schon im Schlussquartal 2008 hatte Leoni rote Zahlen geschrieben. Insgesamt erlöste das Unternehmen 2008 einen Umsatz von 2,9 Mrd. Euro sowie ein EBIT von 55,7 Mio. Euro.

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