Autozulieferer
Machtkampf um Conti gewinnt an Härte

Es wird Ernst: Der Clinch zwischen dem Autozulieferer Continental und Großaktionär Schaeffler wird brisant. Die Conti-Führung ist verärgert über das als "selbstherrlich" empfundene Benehmen des Familienunternehmens Schaefller, wie das Handelsblatt erfahren hat. Branchenkenner erinnert der Konflikt an den Streit zwischen Volkswagen und Porsche.

mcs/hz/iw/rob /yo HAMBURG. Der Streit zwischen dem Autozulieferer Continental und seinem Großaktionär Schaeffler verschärft sich. In Contis Führungsgremien wächst die Verärgerung über das in Hannover als „selbstherrlich“ empfundene Gebaren des fränkischen Familienunternehmens, erfuhr das Handelsblatt aus Aufsichtsratskreisen.

Der Unmut geht so weit, dass nun sogar die Führungsposition von Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger in Zweifel gezogen wird. Eine von Conti ins Spiel gebrachte gemeinsame Automotive Group, welche die Zulieferaktivitäten der Niedersachsen und der Franken bündeln könnte, dürfe jedenfalls nicht von Geißinger geführt werden. „Der natürliche Kandidat für eine solche verbindende Rolle ist Conti-Chef Karl-Thomas Neumann“, hieß es in den Kreisen. Die Kontrolleure setzen auf ein Einlenken von Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, die bislang fest zu ihrem Top-Manager Geißinger steht. Ein Schaeffler-Sprecher wies den Führungsanspruch der Niedersachsen aber vehement zurück: „Solche Entscheidungen trifft allein Schaeffler als Großaktionär.“

Nachdem Conti-Chef Karl-Thomas Neumann sich am Freitag öffentlich und in einem Brief an Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger gegen dessen Eingriff in das operative Geschäft gewehrt hatte, kam die Antwort des Großaktionärs aus Herzogenaurach postwendend: „Von einem Verstoß gegen den Geist der Investorenvereinbarung kann keine Rede sein“, bekräftigte ein Schaeffler-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt. Die Franken hatten nach ihrem Sieg im Übernahmepoker vertraglich zugesichert, sich in den nächsten Jahren auf 49,9 Prozent der Conti-Anteile zu beschränken und nicht ins operative Geschäft einzugreifen.

Geißinger hatte sich zuvor in einem von Beobachtern als äußerst ungewöhnlich eingestuften Vorgang direkt an die Conti-Banken gewandt. Der Schaeffler-Chef dringt darauf, dass aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Lage notwendig gewordene Änderungen an Contis Kreditvereinbarungen „nicht ohne vorherige Beratungen mit uns umgesetzt werden“. Geißinger zufolge geht es darum, Schaden von den Conti-Aktionären abzuwenden. Conti-Chef Neumann empfindet das Verhalten von Schaeffler, das aktuell 20 Prozent der Anteile hält, als Misstrauensvotum. Bei seiner Abwehr hat er Konzernkreisen zufolge die Rückendeckung von Continentals Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg – beide stimmen sich nahezu täglich ab.

Der Streit ist umso überraschender, da Neumann seinen Aufstieg an die Conti-Spitze indirekt Schaeffler verdankt und sich dem neuen Eigentümer gegenüber bisher kooperativ zeigte. Von Grünberg wiederum gilt als Strippenzieher hinter dem Plan eines Familienkonzerns als Ankeraktionär für Conti und hat früher Schaeffler beraten.

Branchenkenner sehen in dem Konflikt Parallelen zum Streit zwischen Volkswagen und seinem Großaktionär Porsche: Die Stuttgarter mussten erfahren, dass selbst ein erfolgreiches Familienunternehmen auf die Spielregeln eines Großkonzerns Rücksicht nehmen muss. Conti ist mit fast 150 000 Beschäftigten und 25 Mrd. Euro Umsatz fast dreimal so groß wie Schaeffler mit 66 000 Mitarbeitern und neun Mrd. Euro Umsatz.

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