Industrie

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Autozulieferer: Magna ist heiß auf Pininfarina

Der kanadische Zulieferer ist an der Übernahme des italienischen Autodesigners interessiert. Schon länger befindet sich Pininfarina tief in der Verlustzone. Für den Magna-Konzern wäre es vor allem ein Schub für seine Entwicklungskompetenz.

Magna Fabrik in Graz: Der Autozulieferer würde durch den Zukauf von Pininfarina seine Entwicklungskompetenz stärken. Quelle: Reuters
Magna Fabrik in Graz: Der Autozulieferer würde durch den Zukauf von Pininfarina seine Entwicklungskompetenz stärken. Quelle: Reuters

MAILAND/WIEN. Der italienische Automobil-Designer Pininfarina steht vor einem Eigentümerwechsel. Bis zum Jahresende könnte das weltweit bekannte Unternehmen aus der Nähe von Turin vom kanadisch-österreichischen Zulieferkonzern Magna geschluckt werden. Konzernkreise bestätigten das grundsätzliche Interesse des großen Zulieferers. Offiziell wollte sich das Unternehmen nicht äußern. "Kein Kommentar", sagte gestern ein Magna-Sprecher dazu. Gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg ließ Dieter Althaus, Magnas Interessenvertreter in Deutschland und früherer Ministerpräsident von Thüringen, die Kaufbereitschaft des Zulieferkonzerns durchblicken. Pininfarina passe in die Wachstumsstrategie von Magna.

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Pininfarina steckt schon länger in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. 2009 hat das Unternehmen bereits einen Verlust von 30 Mio. Euro geschrieben. In diesem Jahr liegt das Minus schon nach neun Monaten bei knapp 34 Mio. Euro. Deshalb hatte die Eigentümerfamilie Pininfarina schon im vergangenen Jahr die italienische Investmentbank Leonardo damit beauftragt, einen Käufer für das Unternehmen zu suchen.

Mit einem Verkauf an Magna würde Pininfarina ausgerechnet in seinem 80. Jubiläumsjahr den Eigentümer wechseln und eine Ära beenden: Die 1930 von Battista Farina gegründete Karosserieschmiede hat italienische Automobilgeschichte geschrieben und unter anderem einige der schönsten Ferraris entworfen. Die Marke steht für italienisches Design, das auch schon Autos von Alfa Romeo, Fiat, Ford, Jaguar, Lancia, Maserati und Peugeot geschmückt hat. Heute wird das Traditionsunternehmen in der dritten Generation von Paolo Pininfarina geführt.

Da immer mehr Autokonzerne dazu übergingen, das zuvor ausgelagerte Design wieder zurück in die eigene Produktion zu holen, blieben die gewohnten Aufträge aus. Trotz einer Umschuldung ist es Pininfarina nicht gelungen, aus der Verlustzone herauszukommen. Außer Magna war zuletzt auch der indische Autohersteller Tata als möglicher Käufer gehandelt worden. Die Spekulation über eine mögliche Übernahme durch Magna sorgte gestern für ein gehöriges Plus der Pininfarina-Aktie. Sie legte um gut zwölf Prozent zu und wurde später an der Mailänder Börse vom Handel ausgesetzt.

Pininfarina ist nicht das erste italienische Design-Unternehmen, das voraussichtlich bei einem neuen ausländischen Eigentümer landet. Die Kreativen südlich der Alpen verlieren nach und nach ihre Unabhängigkeit, die sie jahrelang stolz verteidigt haben. Erst im Mai dieses Jahres hatte Volkswagen das Unternehmen Italdesign Giugiaro übernommen. Das Design-Unternehmen war durch seinen Entwurf für den Golf legendär geworden. Italdesign Giugiaro arbeitete auch für den Mini von BMW. Von den drei italienischen Design-Klassikern Giugiaro, Pininfarina und Bertone würde damit nur noch Bertone als eigenständiges Unternehmen übrigbleiben.

Der Magna-Konzern, mit etwa 70 000 Mitarbeitern und 18 Mrd. US-Dollar Jahresumsatz einer der größten Automobilzulieferer der Welt, würde durch einen Zukauf von Pininfarina vor allem seine Entwicklungskompetenz stärken. Sowohl Pininfarina als auch Magna haben immer auch für Automobilhersteller komplette Fahrzeuge gefertigt. So kommen derzeit beispielsweise aktuelle Mini-Modelle des BMW-Konzerns aus den österreichischen Magna-Werken.

Magna wollte immer weg vom Zulieferer-Image und zum Autohersteller aufsteigen. Doch diese Versuche sind regelmäßig gescheitert, zuletzt mit der geplatzten Übernahme der deutschen General-Motors-Tochter Opel im vergangenen Jahr. Zuvor hatte Magna-Gründer Frank Stronach bereits ergebnislos versucht, den angeschlagenen US-Autohersteller Chrysler zu übernehmen.

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