Autozulieferer Magna
Kanadier haben Auge auf Chrysler geworfen

Wer kauft Chrysler? In den vergangenen Tagen sind viele Namen von Interessenten genannt worden, doch es folgte zumeist ein Dementi. Im Falle des kanadischen Autozulieferers Magna ist das anders. Es haben sogar schon erste Gespräche mit Gewerkschaften stattgefunden.

HB DETROIT. Die Gespräche mit den Gewerkschaften seien Teil einer Due-Dilligence-Prüfung für ein mögliches Chrysler-Gebot, sagte der Präsident der Canadian Auto Workers (CAW), Buzz Hargrove, am Montag. Der Gewerkschaftsführer wollte jedoch keine Details der Gespräche seiner Organisation mit Magna nennen. In Medienberichten der vergangenen Tage hatte es geheißen, Magna sei zumindest an Teilen von Chrysler oder auch dem gesamten Automobilhersteller interessiert.

Auch Autoanalyst Brett Hosselton von Key-Banc Capital Markets sagte, er habe Informationen, dass Magna einen Erwerb von Chrysler ernsthaft prüfe. Magna schaue sich bereits die Bücher an. Magna-Manager hätten zudem alle Chrysler-Werke besucht, schrieb der Analyst unter Berufung auf mit der Situation vertraute Kreise. Es habe auch ein Treffen mit Vertretern der US-Gewerkschaft UAW gegeben. Dieses sei jedoch unproduktiv verlaufen, weil die UAW den Kauf von Chrysler durch ein Unternehmen von außerhalb der USA fürchte.

Magna-Sprecherin Tracey Fuerst wollte die Aussagen nicht kommentieren. Ein Daimler-Chrysler-Sprecher wollte sich nicht äußern. Magna ist einer der größten Zulieferer für Chrysler in Nordamerika und baut für Chrysler auch ganze Automobile bei seiner österreichischen Tochter Magna Steyr, etwa den Chrysler Voyager. Auch der Geländewagen Mercedes G läuft bei den Österreichern vom Band.

Analyst Hoselton bewertet eine Übernahme von Chrysler durch Magna als „risikoreich“. Er rechne mit Widerstand der Investoren beider Konzerne. „Das Resultat eines solchen Zusammenschlusses ist ein margenschwaches Unternehmen“, schrieb der Analyst an seine Kunden.

Greifen Chinesen zu?

Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hatte vergangene Woche angekündigt, zusätzlich zu einem neuen Sparprogramm alle Optionen für Chrysler zu prüfen, was auch eine Partnerschaft oder einen Verkauf einschließt. Die US-Sparte leidet an Absatzproblemen, weil die Amerikaner sich von schweren Geländewagen und Pickups abwenden, und verhagelte die Konzernbilanz mit einem Milliardenverlust. Die Autohersteller, die anschließend von Medien auf einen Kauf angesprochen wurden, hatten aber zumeist abgewunken.

Nach Angaben der Schanghaier „Oriental Morning Post“ gehört der größte chinesische Autohersteller FAW zu den Ausnahmen. Vertreter der China First Automobile Works seien bereits zu Gesprächen in die USA gereist, wie die Zeitung aus informierten Kreisen erfahren haben will. FAW hat sein Hauptquartier in der nordchinesischen Stadt Changchun, wo er unter anderem ein Gemeinschaftsunternehmen mit Volkswagen betreibt.

Die US-Investmentbank Bernstein hält aber die Übernahme von Chrysler durch einen US-Autobauer wie GM für die wahrscheinlichste Variante. „Ein heimischer Anbieter dürfte Chrysler am attraktivsten finden“, urteilte die Bank. Daimler-Chrysler könne mit einem solchen Verkauf aber keinen klaren Bruch vollziehen, monierten die Analysten. Chrysler, GM und Ford leiden gleichermaßen unter hohen Produktionskosten und einer schwer verkäuflichen Modellpalette.

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