Autozulieferer
Magna-Mitarbeiter müssen Gürtel enger schnallen

Trotz Interesses an einem Einstieg bei Opel muss der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer Magna kräftig sparen. Die Mitarbeiter des Unternehmens müssen in diesem Jahr den Gürtel enger schnallen. Angestellte und Manager verzichten auf bis zu 20 Prozent ihres Gehalts, sagte ein Sprecher gestern in der Europazentrale in Oberwaltersdorf bei Wien.

HB WIEN. Etwa 85 Prozent der 10 000 Angestellten hätten der freiwilligen Kürzung für ein Jahr zugestimmt. Arbeiter sind ausgenommen, weil sie aufgrund von Kurzarbeit ohnehin bereits auf Lohn verzichten müssten.

Magna gehört mit einem Umsatz von etwa 25 Mrd. US-Dollar und 70 000 Beschäftigten zu den drei größten Zulieferkonzernen der Welt. Die globale Absatzkrise trifft auch das kanadisch-österreichische Unternehmen hart. In Nordamerika greift der Konzern zu Werksschließungen und Entlassungen, in Europa will das Unternehmen mit Kurzarbeit und Gehaltsverzicht durch die Krise kommen. An seinem Angebot, sich innerhalb eines Bieterkonsortiums an Opel zu beteiligen, hält Magna trotz der Lohnkürzungen aber fest.

Das Unternehmen macht keine genauen Angaben dazu, wieviel Geld der Gehaltsverzicht der Angestellten spart. Aus Magna-Kreisen verlautete, dass es sich um einen niedrigen Millionenbetrag handelt. Der Gehaltsverzicht sei nötig, um die Folgen des Auftragseinbruchs abzufedern. "Wir wollen damit möglichst viele Arbeitsplätze schützen", sagte Magna-Konzernchef Siegfried Wolf. Genaue Zahlen zum aktuellen Geschäftsverlauf wird Magna morgen bekanntgeben, wenn das Unternehmen auch seine Bilanz für das erste Quartal dieses Jahres veröffentlicht.

Ende 2008 waren Umsatz und Gewinn deutlich eingebrochen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres dürfte sich diese Tendenz wegen der weltweiten Krise der Automobilbranche fortgesetzt haben. Die Magna-Aktie war seit ihrem Hoch im Sommer 2007 mit knapp 100 Dollar bis vor wenigen Wochen auf 20 Dollar gefallen. Während der Frühjahrserholung seit April hat sich der Kurs wieder fast verdoppelt.

Der Gehaltsverzicht in Europa ist nur Teil eines Gesamtpakets, um die Krisenfolgen abzufedern. Etwa ein Drittel der europaweit 30 000 Beschäftigten arbeitet bereits kurz. In Österreich hat Magna rund 11 000 Mitarbeiter, ähnlich hoch ist die Zahl der Beschäftigten in Deutschland. Außerdem hat sich das Unternehmen ein scharfes Kostensenkungsprogramm auferlegt. "Überall, wo es geht, wird gespart", sagte der Konzernsprecher.

Die Belegschaft hat den Gehaltsverzicht zähneknirschend akzeptiert. Die Regelung werde zwar nicht befürwortet, man habe aber auch niemandem davon abgeraten, sagte Betriebsratschef Günter Pepper. Die Arbeitnehmer-Vertretung habe noch einige Verbesserungen herausholen können, mehr sei nicht drin gewesen. Den hohen Grad an Zustimmung begründete Pepper mit der "Sorge um den Arbeitsplatz".

Österreichs führende Angestellten-Gewerkschaft GPA bezeichnete das Magna-Modell dagegen als "betriebswirtschaftlich höchst fragwürdig". Magna gehe mit schlechtem Beispiel voran und wolle zu den Krisengewinnern gehören. Vor allem vor dem Hintergrund der Summen, die Magna für Opel aufbringen könne, sei der Gehaltsverzicht bedenklich.

Der kanadisch-österreichischen Zuliefer möchte zusammen mit der russischen Sberbank und dem russische Autohersteller Gaz die deutsche General-Motors-Tochter Opel übernehmen. Das bestätigte gestern der thüringische Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz. Magna möchte durch eine Beteiligung an Opel neue Geschäfte erschließen.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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