Autozulieferer
Magna-Steyr drohen tiefe Einschnitte

Beim österreichischen Teil des internationalen Autozulieferers Magna sind Arbeitsplätze gefährdet. Bis zum Jahresende werden 200 Leiharbeiter gehen und auch die Stammbelegschaft könnte reduziert werden. Doch noch spricht Magna von einem „kurzfristigen Tief“.

GRAZ. Weil Aufträge für die Komplettfertigung von Autos auslaufen, Anschlussaufträge aber noch nicht unter Dach und Fach sind, wird jetzt die Zahl der Arbeitskräfte im größten Werk des internationalen Autozulieferers Magna -Steyr in Graz reduziert. Zunächst trifft es die Leiharbeiter, möglicherweise soll im nächsten Jahr aber auch die Stammbelegschaft reduziert werden, bestätigten Unternehmenssprecher und Betriebsrat. Die Rede ist von einem „kurzfristigen Tief“.

Die kanadische Konzernmutter hatte vor zwei Wochen mitgeteilt, dass sie bei der Komplettfahrzeugmontage im dritten Quartal einen Umsatzrückgang von 16 Prozent auf 859 Mill. Dollar hinnehmen musste. Die Stückzahlen sanken im Vergleich zur allerdings auch außergewöhnlich guten Vorjahresperiode sogar um ein Viertel.

In Graz, wo ausschließlich komplette Autos im Auftrag von großen Herstellern gefertigt werden, bekommen die 7 900 Mitarbeiter diese Entwicklung jetzt voll zu spüren. Dort läuft Ende diese Monats die Produktion des Volumenmodells Chrysler Voyager aus. Chrysler ist neben BMW der wichtigste Kunde der Österreicher. Bislang fertigten sie 90 000 Fahrzeuge pro Jahr im Auftrag der Amerikaner, wobei die Grazer als Spezialisten für gehobene Ausstattung gelten. „Chrysler hat seine Komplexität an uns ausgelagert“, beschreibt Werksleiter Wolfgang Fitzek die Arbeitsteilung. Die Brot-und-Butter-Autos werden in den USA produziert. Mehlspeisen und Marmelade kamen bislang aus Graz. Seitdem Chrysler Mitte des Jahres an den Finanzinvestor Cerberus verkauft worden ist, weht bei dem Autohersteller ein härterer Wind. Die Produktpalette wird verkleinert. Leidtragende sind auch die Österreicher.

Dazu kommen Schwierigkeiten, wie sie auch europäische Magna -Konkurrenten wie Karmann in Osnabrück oder Pininfarina in Italien haben. Karmann verhandelt derzeit mit dem Betriebsrat über den Abbau von rund 1 800 Stellen, ein Ergebnis soll bis Mitte Dezember vorliegen. Der französische Lohnfertiger Heuliez, der das Opel -Cabrio TwinTop baut, steht bereits unter Gläubigerschutz.

Die Krise ausgelöst haben große Hersteller wie Mercedes, die zunehmend auch Nischenprodukte selbst fertigen. Sie erhöhen damit ihre Auslastung – und das nicht zuletzt deswegen, weil sie sich gegenüber den Arbeitnehmervertretern auf Jobgarantien eingelassen haben. Eine Folge davon sind Auftragsverluste für die Österreicher. So sind beim bisherigen zweiten Volumenmodell aus Graz, dem BMW X3, die Herstellungszahlen von früher rund 120 000 auf zuletzt etwa 80 000 Stück geschrumpft. Die Schwindsucht hat Folgen: Bis zum Jahresende werden 200 Leiharbeiter bei Magna -Steyr gehen müssen. Am Schwarzen Brett, wo Mitteilungen zur Unternehmenentwicklungen hängen, ist bereits zu lesen, dass die Chrysler-Produktion vom Zwei- auf den Ein-Schicht-Betrieb umgestellt werden könnte.

Das würde dann auch bei der etwa 7 000 Mitarbeiter starken Stammbelegschaft Spuren hinterlassen, bestätigt ein Unternehmenssprecher. Vor diesem Hintergrund bemüht sich Magna -Steyr nach Kräften, neue Aufträge an Land zuziehen. Aus der Unternehmensführung heißt es dazu, dass Abschlüsse kurz bevorstünden. In den vergangenen vier Jahren gab es branchenweit nicht einen neuen Auftrag. In Frage kämen theoretisch Produktionsaufträge für einen Mini-Allrad, den BMW X1 oder den Peugeot 308CC. Daneben wird, wie Betriebsratschef Thomas Stoimaier andeutet, aber auch über eine neue Strategie nachgedacht, die nicht mehr ausschließlich auf die Fertigung von Komplettfahrzeugen ausgerichtet ist. In diese Richtung dürften Gespräche mit dem neuen Magna -Großinvestor Oleg Deripaska laufen, der vor sechs Monaten bei mit seiner Industrieholding Basic Element rund 15 Prozent an Magna erworben hat und seither bei dem Zulieferer sechs der 14 Aufsichtsräte stellt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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