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Protokoll eines Putschversuchs

Donnerstag vergangener Woche bei der Aufsichtsratssitzung von Conti: Großaktionär Schaeffler lässt die Bombe platzen und will Vorstandschef Karl-Thomas Neumann vom Thron stürzen. Doch Neumann und die Arbeitnehmer stellen sich quer. Was folgt sind Szenen, die Teilnehmer später als „Satire“ bezeichnen. Protokoll eines denkwürdigen Tages.

HB HANNOVER. Als die zehn Vertreter der Arbeitnehmerbank am vergangenen Donnerstagmorgen in der schmucklosen Conti-Zentrale im Hannoveraner Stadtteil Vahrenwald eintreffen, wissen sie, dass ihnen eine kontroverse Debatte bevorsteht. Vorstandschef Karl-Thomas Neumann trat mit ihrem Rückhalt für eine Kapitalerhöhung ein. Conti drücken fast 10 Mrd. Euro Schulden, in den nächsten Monaten werden mehr als 4 Mrd. Euro an Krediten fällig.

Großaktionär Schaeffler lehnte energisch ab. Die Franken fürchten einen Verlust durch Verwässerung ihrer Anteile. Insgesamt liegen 90 Prozent der Conti-Aktien in ihren Händen. Bei der Kapitalerhöhung mitziehen können sie nicht – das Familienunternehmen drückt ein Schuldenberg von gut 12 Mrd. Euro.

Von 9 Uhr an sitzt die Arbeitnehmerbank unter Führung des stellvertretenden Chefaufsehers Werner Bischoff von der Chemie-Gewerkschaft IG BCE wie vorgesehen mit Neumann zusammen und berät bei Kaffee und Tee über eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,5 Mrd. Euro. Mit einem Gefühl der Geschlossenheit geht Neumann in sein Büro im vierten Stock der Conti-Zentrale zurück.

Gegen 11 Uhr fällt er aus allen Wolken. Chefaufseher Koerfer und die Patriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler machen ihm klar, dass sie auf seine übliche Anwesenheit in der Vorbesprechungsrunde der Kapitalvertreter verzichten wollen – Neumann soll sich lediglich bereithalten. Der Conti-Chef ist konsterniert.

Die fünf Schaeffler-Vertreter – neben der Patriarchin ihr Sohn Georg, Firmenchef Jürgen Geißinger, Finanzchef Klaus Rosenfeld und Schaefflers Rechtsberater Koerfer – gehen in die Sitzungsrunde. Hinter verschlossenen Türen wettert Georg Schaeffler gegen Neumanns aus Schaeffler-Sicht ungehöriges Verhalten. Einen erbitterten Brief hatte der Conti-Chef seinem Großaktionär in die Unternehmenszentrale nach Herzogenaurach geschickt, indem er den Franken eine gefährliche „Blockade-Haltung“ bei der Kapitalerhöhung attestierte.

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