Autozulieferer prüfen Aufspaltung Continental könnte im April über eine neue Struktur entscheiden

Der Automobilzulieferer Continental arbeitet am Konzernumbau. Die Arbeitnehmer sind nervös und fordern mehr Informationen zu den Plänen. Eine Entscheidung könnte bis zur Hauptversammlung Ende April fallen.
Update: 06.02.2018 - 17:35 Uhr Kommentieren
Hinter den Umbauplänen steht auch die Frage, ob Continental zu weit verzweigt ist. Der Zulieferer steht wie alle Konkurrenten unter hohem Wettbewerbsdruck. Quelle: dpa
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Hinter den Umbauplänen steht auch die Frage, ob Continental zu weit verzweigt ist. Der Zulieferer steht wie alle Konkurrenten unter hohem Wettbewerbsdruck.

(Foto: dpa)

Hannover/FrankfurtBeim Autozulieferer Continental haben die Arbeitnehmer mehr Informationen zu den Umbau-Plänen der Konzernführung gefordert. Diese Überlegungen waren an diesem Dienstag Thema in einer Sondersitzung des Aufsichtsrates, wie der Betriebsrat und das Unternehmen bestätigten.

Das Treffen sei auf Wunsch der Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat zustande gekommen, ergänzte Conti-Betriebsratschef Frank Michael Hell. Die Belegschaft sei verunsichert und wollte vom Vorstand über den Stand der Pläne aus erster Hand informiert werden. Anfang Januar war erstmals bekannt geworden, dass der Conti-Vorstand über einen Konzernumbau nachdenkt. Der Aufsichtsrat und die Arbeitnehmerseite waren zuvor nicht über die Pläne informiert worden. Bei Continental sind die IG Metall und die IG BCE gemeinsam vertreten. Bei den Gewerkschaften ist die Sorge groß, dass ein Konzernumbau mit Arbeitsplatzverlusten verbunden sein könnte. Die Arbeitnehmer hatten den Vorstand dafür kritisiert, dass der Aufsichtsrat in die ersten Überlegungen nicht eingebunden war.

Im März soll es ein weiteres Treffen zwischen dem Continental-Vorstand und dem Konzernbetriebsrat geben. „Conti wird sich verändern müssen. Die Frage wird nur sein, „wie“ und „wann“. Und: Sind die Vorschläge sinnvoll, überzeugt uns der Vorstand?“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Hell. Wenn es zu Veränderungen komme, werde der „Wertmaßstab“ sein, wie die Mitarbeiter dabei abschneiden.

„Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der Continental AG haben gebeten, in einer Aufsichtsratssitzung über den aktuellen Stand der Analyse zu beraten. Diese Sitzung hat heute in Hannover stattgefunden“, bestätigte ein Continental-Sprecher. Er betonte: „Entscheidungsreife Pläne liegen weiterhin nicht vor und waren daher auch nicht Gegenstand der Sitzung.“ Der Vorstand habe den Aufsichtsrat grundsätzlich über mögliche Ideen zur Neuausrichtung des Unternehmens informiert.

Wie nach der Sitzung des Aufsichtsrates aus Konzernkreisen verlautete, denkt Continental vor allem über eine Neuausrichtung des Bereichs Powertrain (Antriebstechnik) nach. Conti könnte eine neue Tochter gründen, in der ausschließlich das Geschäft für klassische Verbrennungsmotoren gebündelt wird. Elektroantriebe könnten dann mit anderen Zukunftsbereichen wie Digitalisierung und dem autonomen Fahren zusammengefasst werden. Beobachter halten es für unwahrscheinlich, dass Continental Unternehmensteile verkaufen wird. Noch nicht vom Tisch ist ein Teilbörsengang der Gummi-Sparte mit Industriegeschäft und Reifen. Ein solcher Schritt würde dem Unternehmen vor allem Geld in die Kasse bringen, das für Investitionen in den Bereichen Elektromobilität und Digitalisierung verwendet werden könnte. Mit einschneidenden Veränderungen rechnet derzeit allerdings niemand bei Conti.

Der Zeitplan für eine mögliche Neuausrichtung des Konzerns ist auch nach der Sitzung des Kontrollgremiums offen geblieben. Im Unternehmen wird darüber spekuliert, dass der Continental-Vorstand noch vor der Hauptversammlung Ende April zu einer Entscheidung kommen möchte. Den eigenen Aktionären könnte ein neuer Conti-Zukunftsplan dann unmittelbar präsentiert werden. Finanzchef Wolfgang Schäfer hatte im „Handelsblatt“-Gespräch im Januar gesagt, dass die Öffentlichkeit im kommenden halben Jahr mit Neuigkeiten rechnen könne. Angeblich drängt der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Reitzle darauf, möglichst noch 2018 erste Tochtergesellschaften an die Börse zu bringen. Doch werde intern im Konzern bezweifelt, dass es so schnell geht.

Das sind die größten Autozulieferer der Welt
Platz 10: Faurecia
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Der Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die Franzosen kletterten im Ranking in diesem Jahr um einen Rang nach oben, obwohl es beim Umsatz um 0,3 Prozent nach unten ging. Der Umsatz betrug 2016 insgesamt 18,7 Milliarden Euro.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 9: Michelin
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Die vor allem für ihre Reifen bekannte Firma aus Frankreich machte 2016 insgesamt 20,9 Milliarden Euro Umsatz. Das bedeutet ein Minus von 1,4 Prozent. Dennoch reicht es für die Top Ten der größten Automobilzulieferer der Welt.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Die Japaner, ebenfalls vor allem für ihre Reifen bekannt, bleiben trotz eines Minus von 6,7 Prozent auf dem achten Platz der Rangliste. Der Umsatz betrug zuletzt 22,5 Millionen Euro.

Platz 7: Aisin
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Die zweite japanische Firma in den Top Ten: Aisin, das zur Toyota-Gruppe gehört, darf sich über ein Plus von 15,9 Prozent freuen. Damit lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 28 Milliarden Euro.

Platz 6: Hyundai Mobis
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Obwohl die Koreaner, die Hyundai und Kia beliefern, ein Plus von 7,6 Prozent machten, fielen sie um einen Rang zurück. Der Umsatz betrug 30,2 Milliarden Euro.

Platz 5: ZF Friedrichshafen
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Der Stiftungskonzern vom Bodensee konnte Hyundai Mobis überholen, denn das Umsatzplus betrug zuletzt 19,3 Prozent. Der gesamte Umsatz für das Jahr 2016 beläuft sich auf 32,353 Milliarden Euro.

Platz 4: Magna
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Der kanadisch-österreichische Automobilzulieferer verzeichnete jüngst ein Umsatzplus von 17,6 Prozent. Mit einem Erlös von 34.587 Milliarden Euro verharrt Magna auf dem vierten Rang.

Der Automobilkonzern aus Hannover denkt nicht zum ersten Mal über eine neue Struktur nach. Bereits im vergangenen Jahr hatte es Gespräche mit dem US-Zulieferkonzern Delphi über eine Fusion der Powertrain-Bereiche beider Unternehmen gegeben. Conti hatte sich jedoch zunächst dazu entschieden, die Sparte im eigenen Haus zu behalten. Delphi soll seinen Powertrain-Bereich angeblich auch anderen Konkurrenten angeboten haben. Nachdem der US-Konzern keinen Käufer ausfindig machen konnte, entschloss sich der US-Konzern für die eigene Aufspaltung.

Seit Dezember notieren zwei Delphi-Nachfolgeunternehmen an der New Yorker Börse: In Aptiv sind alle Zukunftstechnologien für die Automobilbranche gebündelt, Delphi Tech kümmert sich hingegen ausschließlich um Antriebstechnik. Andere Zulieferer wie Autoliv gehen einen ähnlichen Weg und trennen ihre Technologie-Sparten vom althergebrachten Geschäft. Sollte sich Continental für eine neue Struktur entscheiden, würde das Unternehmen damit einem allgemeinen Branchentrend folgen.

Hinter den Planspielen in Hannover steht auch die Frage, ob Continental zu weit verzweigt ist. Der Zulieferer steht wie alle Konkurrenten unter hohem Wettbewerbsdruck. Conti produziert Mechanik, Digitaltechnik und Software für Autos, außerdem Reifen und andere Gummiprodukte wie etwa Förderbänder für den Bergbau.

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