Autozulieferer
Reitzle übernimmt Kontrolle bei Conti

Nach den langen Monaten der internen Streitigkeiten soll bei Continental wieder Ruhe einkehren. Die heutige Sitzung des Aufsichtsrates soll die Wende zum Besseren einleiten. Und dazu gehört auch reichlich neues Personal. Beschlossen wurde unter anderem, dass Linde-Chef Wolfgang Reitzle neuer Aufsichtsratschef wird. Auf ihn warten spannende Aufgaben.

MÜNCHEN/HAMBURG. Chefkontrolleur beim schlingernden Autozulieferer Continental zu werden, ist kein normales Mandat. Der krisenerfahrene Manager Wolfgang Reitzle weiß zumindest, welche Probleme in der Konzernzentrale in Hannover auf ihn warten: Conti ist hochverschuldet, schreibt in Kernbereichen rote Zahlen und leidet unter dem Dauerzwist mit Großaktionär Schaeffler. „Er weiß, was er tut“, sagen Vertraute des Linde-Chefs. Der traut sich zu, Conti endlich wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen.

Gestern wählte der Aufsichtsrat Reitzle wie erwartet einstimmig zum Chefkontrolleur. Von nun an tickt die Uhr. Gleich fünf brisante Themenkomplexe muss Hannovers Hoffnungsträger in den Griff kriegen: Ein Finanzierungskonzept für den mit knapp zehn Mrd. Euro in der Kreide stehenden Konzern muss dringend her, das Vertrauen der Autohersteller in Contis Zukunftsfähigkeit zurückgewonnen werden. Das neue Führungsteam muss das Geschäft des börsennotierten Konzerns profitabel machen und die Integration mit dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler vorantreiben.

Zu beantworten hat Conti unter Reitzles Ägide schließlich die Frage, inwieweit zu dem Konzept eines kombinierten Zulieferers aus Conti und Schaeffler der Gummibereich passt, oder man ihn besser zum Abbau der Schulden verkauft. Die Antwort ist heikel: In der Absatzkrise erweisen sich die Traditionssparten rund um die Reifen als Geldbringer.

Reitzles Vorgänger konnten den gordischen Knoten nicht lösen. Der bei der Umstrukturierung von Linde erfolgreiche Vorstandschef ist nach dem an Schaeffler gescheiterten Ex-Conti-Patriarchen Hubertus von Grünberg und dem an sich selbst gescheiterten Schaeffler-Vertrauten Rolf Koerfer der dritte Chefaufseher innerhalb von nur neun Monaten.

Um überhaupt Zeit für den Krisenjob zu haben, hat Reitzle angekündigt, sich von weiteren Mandaten wie seinem Sitz im Rat der Deutschen Telekom zu trennen. Der 60-Jährige will sich künftig einen Tag der Woche für Conti reservieren – einen von sieben Arbeitstagen. Wer Reitzle kennt, ist überzeugt: Langen Anlauf wird der elegante Macher nicht nehmen, sondern die Schwierigkeiten schnell in den Griff bekommen wollen.

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