Autozulieferer
Schaeffler hofft nicht mehr auf rasche Fusion

Neue Strategie: Der Autozulieferer Schaeffler rechnet nun nicht mehr mit einer raschen Fusion mit Conti. Stattdessen bastelt das Familienunternehmen nach Handelsblatt-Informationen gemeinsam mit den Gläubigerbanken an einer Umstrukturierung der Schulden. Gelingt der Coup, hätte Schaeffler im Machtkampf mit Conti wieder Oberwasser.

MÜNCHEN/HAMBURG. Die Schaeffler-Gruppe rechnet nicht mehr mit einer raschen Fusion mit dem Autozulieferer Continental. Stattdessen konzentriert sich das fränkische Familienunternehmen derzeit auf die mittlerweile fortgeschrittenen Verhandlungen mit den Gläubigerbanken über eine Umstrukturierung der eigenen Schulden. Das bestätigten Finanz- und Industriekreise dem Handelsblatt. Bei den Gesprächen gehe es um eine Seperatlösung für Schaeffler ohne Einbeziehung des ebenfalls hochverschuldeten Conti-Konzerns.

Mit dieser Lösung würde Schaeffler im Machtkampf mit Conti überraschend vorlegen. "Nun muss Conti seine Hausaufgaben machen", hieß es in Industriekreisen. Die Hannoveraner müssten nun ihrerseits rasch eine Lösung für ihre Schuldenproblematik finden.

In Gläubigerkreisen wird mit einer Unterschrift unter die Neuordnung der Schaeffler-Kredite frühestens Mitte August gerechnet. Die Gespräche liefen aber konstruktiv. "Wir haben ein relativ gutes Gefühl", hieß es bei einer Gläubigerbank.

Nach Handelsblatt-Informationen sollen die Kreditinstitute im Rahmen der Einigung akzeptieren, dass Schaeffler die Kredite in diesem und im nächsten Jahr größtenteils nicht tilgt. Auch eine Stundung der Zinszahlungen ist im Gespräch. Im Gegenzug müssten die Banken aber nicht, wie ursprünglich erwartet, auf einen Teil ihrer Forderungen ganz verzichten. Dadurch könnten sie milliardenschwere Abschreibungen vermeiden.

Ursprünglich hatte Schaeffler auf eine rasche Fusion unter dem Dach der Continental AG gesetzt. Auf diesem Weg könnten am besten die Synergien gehoben werden. Allerdings verfolgen die Conti - und die Schaeffler-Gläubigerbanken unterschiedliche Interessen. Daher gilt eine rasche Einigung auf die Finanzstruktur für eine Gesamtgruppe aus beiden Unternehmen derzeit als kaum möglich.

Die Schaeffler-Gruppe hatte sich mit der Übernahme des dreimal größeren Konkurrenten Continental verhoben. Die Gruppe erwarb 90 Prozent der Anteile, kontrolliert aufgrund einer Investorenvereinbarung aber nur 49 Prozent. In den vergangenen Monaten sah es so aus, als ob die Familie Schaeffler wegen der hohen Schulden und der niedrigen Unternehmensbewertung die Kontrolle über ihr Imperium nahezu vollständig verlieren würde. Mit der sich nun abzeichnenden Lösung gewinnt die Familie Zeit. Der Plan: Bis zum nächsten Jahr könnte sich die Konjunktur - und damit die Bewertungen - so weit erholen, dass die Schaefflers die Mehrheit an einem gemeinsamen Konzern behalten.

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