Autozulieferer
Schaeffler plant den Durchgriff

Nach dem Eklat in der Conti-Aufsichtsratssitzung will Großaktionär Schaeffler jetzt Fakten schaffen. Dazu feilt Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger nach Handelsblatt-Informationen an einem neuen Holding-Modell, um die drastische Verschuldung in den Griff zu bekommen. Eine neue Runde im Spiel um die Vorherrschaft ist damit eröffnet.

ax/gof/mcs/pm/DÜSSELDORF. Der Chef des angschlagenen Autozulieferers Schaeffler, Jürgen Geißinger, plant im Zuge der Übernahme der Continental AG nach Handelsblatt-Informationen die Gründung einer neuen Holding mit dem Arbeitstitel "HolCo", um die drastische Verschuldung in den Griff zu bekommen.

An diese soll eine operative Einheit ("OpCo") mit dem operativen Schaeffler-Geschäft und der börsennotierten Continental AG angehängt werden. Die insgesamt 22 Mrd. Euro Schulden sollen zwischen den Gesellschaften aufgeteilt werden. So müsste Schaeffler nicht mit seiner vollen Schuldenlast in eine spätere Fusion mit Conti gehen. In einem halben oder einem Jahr soll Conti dem Plan zufolge dann mit der "OpCo" verschmolzen werden.

An Elmar Degenhart als neuem Conti-Chef will Schaeffler festhalten. Auch das Finanzressort in Hannover könnte bald mit einem Schaeffler-Mann besetzt werden. Der kommissarische Conti-Finanzvorstand Gerard Cordonnier gibt nach Handelsblatt-Informationen diesen Posten auf, Manager der Conti-Sparte Interior will er aber bleiben.

Den Durchgriff Schaefflers verhindert bisher auch eine Investorenvereinbarung. Ex-Kanzler Gerhard Schröder - als Garant für die Conti-Interessen verpflichtet - betonte im Handelsblatt, Schaeffler habe versichert, dass "die Interessenvereinbarung uneingeschränkt gilt". Mit Degenhart als Conti-Chef würde der Einfluss Schaefflers aber wachsen.

Rückendeckung seiner Banken hat Schaeffler offenbar, auch für Conti-Banken hätte eine Holding-Lösung Vorteile. In politischen Kreisen wird zudem damit gerechnet, dass Niedersachsens Regierungschef Christian Wulff (CDU) sich nicht so stark einmischen wird wie im Fall Porsche/VW. Sein bayerischer Amtskollege Horst Seehofer (CSU) stellte Schaeffler im Gespräch mit dem Handelsblatt Staatshilfen in Aussicht. "Auf Grundlage eines vernünftigen Konzepts bin ich jederzeit bereit, Hilfen zu organisieren." Schaeffler sei im Kern ein gesundes Unternehmen.

Unterdessen hält Schaeffler nach dem ersten, aber gescheiterten Versuch an dem Plan fest, den Continental-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann durch einen Vertrauten zu ersetzen. In den nächsten Tagen soll sich Degenhart, Chef von Schaefflers Autozuliefersparte, den Arbeitnehmervertretern von Conti präsentieren, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrates. "Es gibt das Interesse, Herrn Degenhart kennenzulernen", bestätigte Contis stellvertretender Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der IG BCE dem Handelsblatt. Bischoff setzt dennoch weiter auf den amtierenden Konzernchef Neumann.

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