Autozulieferer
Schaeffler setzt auf Synergien

Mit gemeinsamem Einkauf wollen die Autozulieferer Schaeffler und Continental jährlich eine dreistellige Millionensumme sparen. Die weltweite Einkaufskooperation sei das erste große, gemeinsame Projekt nach der Übernahme von Conti durch Schaeffler. Ihre Zulieferer leiden darunter.

HANNOVER/HERZOGENAURACH. Ein Vierteljahr nach Abschluss der Übernahme des Autozulieferers Continental soll sich der Deal für Großaktionär Schaeffler endlich lohnen. Durch Bündelung des Einkaufs wollen beide bis zum Jahr 2011 zwischen 350 und 400 Mio. Euro einsparen, teilten die Unternehmen am Freitag mit.

Conti und Schaeffler konzentrieren sich damit vorerst auf den am leichtesten umzusetzenden Bereich. Vorteil des Vorgehens: Es lässt sich schnell Geld sparen, ohne aufwendig gemeinsame Strukturen aufbauen zu müssen wie im Fall einer konzertierten Entwicklung von Produkten. Beide Unternehmen wollen weiter "als eigenständige Einheiten am Markt" agieren, teilten sie mit.

Der bayerische Automobilzulieferer Schaeffler ist ein Mechanikspezialist mit direktem Zugang zu den großen Stahlproduzenten. Die Kompetenz des niedersächsischen Conti-Konzerns liegt vorwiegend in elektronischen Komponenten, die Reifensparten gliedern die Hannoveraner gerade organisatorisch aus.

Die Einkaufskooperation ist noch keine Vorentscheidung in Bezug auf ein mögliches engeres Zusammengehen. Die Gläubigerbanken des nach der Conti-Übernahme hochverschuldeten Familienunternehmens Schaeffler prüfen derzeit verschiedene Szenarien, heißt es in Finanzkreisen. Darunter die Zusammenlegung der Autozuliefersparten, aber auch eine Trennung der börsennotierten Conti von Schaeffler. Die Führung der Bankengruppe liegt bei der Commerzbank. Schaeffler muss derzeit ein Konzept für die Politik erarbeiten. Dessen Vorlage machen Bund und Länder zur Voraussetzung für weitere Gespräche über die geforderte Staatshilfe.

Im Rahmen der Ende März etablierten Einkaufspartnerschaft wollen Conti und Schaeffler auch technologisches Know-how austauschen. Zudem geht es um die Stabilisierung von in der Autokrise akut gefährdeten Lieferketten. Die Bayern und die Niedersachsen wollen ihre Zulieferbasis bei Produktionsmaterialien auf 2800 Firmen halbieren. Das synergiefähige jährliche Einkaufsvolumen soll den Angaben nach 6,6 Mrd Euro betragen. Insgesamt kaufen die Konzerne für 20 Mrd. Euro ein.

"Wir erreichen durch eine gegenseitige Stärkung unserer Einkaufsaktivitäten deutlich bessere Kostenstrukturen. Das ist ein erster wichtiger Schritt in eine erfolgreiche Zukunft", sagte Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger. Zusammen mit Contis Krediten lasten allerdings mehr als 20 Mrd. Euro Schulden auf dem Conti-Schaeffler-Gebilde.

Schaeffler hält sich nur dank einer von den Gläubigerbanken gewährten Liquiditätsspritze über Wasser. Branchenkenner Horst Schneider von HSBC geht davon aus, dass Conti im vierten Quartal die Kreditklauseln verletzen könnte und auf eine Kapitalerhöhung angewiesen wäre. Im aktuellen Krisenumfeld alles andere als ein leichtes Unterfangen, sagen Marktteilnehmer.

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