Autozulieferer Schaeffler spürt die Autokrise in Europa

In Zeiten eines schrumpfenden Automarktes in Europa schaut die Zulieferindustrie lieber auf andere Kontinente. So auch Schaeffler. In einer Region legten die Umsätze im zweitstelligen Prozentsatz zu.
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Der Schaeffler-Sitz in Herzogenaurach: Der Konzern mach vor allem in Nordamerika und Asien Gewinne. Quelle: dapd

Der Schaeffler-Sitz in Herzogenaurach: Der Konzern mach vor allem in Nordamerika und Asien Gewinne.

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Herzogenaurach/HamburgDer Auto- und Industriezulieferer Schaeffler rechnet nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr mit stabilen Geschäften. Dabei stützt sich der Continental -Großaktionär vor allem auf Länder außerhalb Europas. „Wachstumstreiber sind und bleiben die Regionen Asien/Pazifik und Nordamerika“, sagte Vorstandschef Jürgen Geißinger am Donnerstag bei der Präsentation der Bilanz für 2012 am Unternehmenssitz in Herzogenaurach. Für das laufende Jahr stellte er ein Umsatzplus in Höhe des Vorjahres von vier Prozent und eine stabile operative Rendite in Aussicht.

2012 hatte der Familienkonzern aus Franken seine wegen der Euro-Schuldenkrise und der schleppenden Entwicklung in Asien gesenkten Wachstumsziele erreicht und den Umsatz um vier Prozent auf 11,1 Milliarden Euro gesteigert. Der Betriebsgewinn (Ebit) schrumpfte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro, womit die Umsatzrendite mit knapp 13 Prozent am unteren Rand der Erwartungen lag. Damit bestätigte Schaeffler Angaben aus Branchenkreisen, über die die Nachrichtenagentur Reuters bereits am Vortag berichtet hatte.

Besonders stark steigerte Schaeffler den Umsatz in Nordamerika (plus 18 Prozent) und in der Region Asien/Pazifik, wo die Erlöse um rund zehn Prozent kletterten. Im Europageschäft schlug sich wie bei vielen anderen Zulieferern und Autobauern auch bei Schaeffler die Pkw-Absatzkrise auf dem Heimatkontinent in stagnierenden Erlösen nieder. Zudem liefen die Geschäfte mit Komponenten für Windkraftanlagen und den Maschinenbau schlechter. Schaeffler, der sich vor Jahren fast mit der Übernahme des weitaus größeren Reifen- und Automobiltechnik-Konzern Continental verhoben hatte, stellt unter anderem Komponenten für Getriebe und Motoren sowie Wälz- und Gleitlager für die Schwerindustrie oder für Schienenfahrzeuge her.

Im Industriesegment brach das Ergebnis um ein Drittel ein, in der Kernsparte Automotive schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um sieben Prozent. Dabei schlugen neben der Konjunkturschwäche auch höhere Mitarbeiterzahlen zu Buche: Zuletzt arbeiteten über 76.000 Menschen für den Konzern, ein Zuwachs um knapp drei Prozent.

Zugleich verringerte Schaeffler seinen Schuldenberg auf rund 6,8 Milliarden Euro. Vor Jahresfrist hatten noch Netto-Finanzschulden von 7,1 Milliarden zu Buche gestanden. Finanzvorstand Klaus Rosenfeld kündigte an, die Finanzierungskosten im laufenden Jahr weiter zu senken. Er ließ offen, ob sich Schaeffler von weiteren Conti-Anteilen trennen werde, um die Gesamtschulden von 10,3 Milliarden Euro zu senken. Es liege auf der Hand, dass die Möglichkeiten dafür begrenzt seien, sagte Rosenfeld lediglich. Schaeffler hatte im September Continental-Aktien für 1,6 Milliarden Euro an institutionelle Investoren verkauft. Der auf die Familienholding entfallende Anteil der Schulden sank dadurch auf 3,5 Milliarden Euro.

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7 Kommentare zu "Autozulieferer: Schaeffler spürt die Autokrise in Europa"

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  • Manche Menschen haben einfach keine Ahnung wie das wirkliche Leben da draußen funktioniert. Die grün/rote Partei möchte den Windkraftanteil am deutschen Stromverbrauch auf mindestens 25 % steigern. Deutschland kann sich bei deren Nutzung kaum auf mehr als 6,6 % der Stromerzeugung steigern. Die Konkurrenz schreibt rote Zahlen und viele sind schon in Insolvenz gegangen. Leider hat der asiatische Markt die Preise um 25% gedrückt. Man sollte sich lieber fragen, warum alle der Meinung sind, wir investieren in Windkraft, verstehen aber überhaupt nicht den Hintergrund was sich am Markt tut. Unternehmen schlecht darzustellen ist immer einfach. Am Besten immer Hinterfragen warum, dann versteht man die Lage auch etwas besser.

  • Wir sind eine familie Frau Schaeffler ? , würden Sie es wirklich zulassen das Ihr Sohn genau so behandelt wird wie wir jetzt?.
    Ja Frau Schaeffler, ich komme am Wochende arbeiten .
    Ja Frau Schaeffler ,ich mache Rufbereitschaft.
    Ja Frau Schaeffler ,ziehen Sie mir jeden Tag 10min. Weggezeit ab obwohl die Zeiterfassung nur wenige Sek. von meinem Arbeitsplatz entfernt ist aber sofort Dienstbeginn ist.
    Ich lebe bald ( oder auch nicht ) 30 Jahre von Ihnen, aber das Unternehmen auch von mir.
    Liebe Grüße an Herrn Geißinger , einen besseren Bruder kann ich mir nicht wünschen.
    Danke an die anderen Werke das Ihr an uns denkt, hoffentlich geht es euch nicht irgendwann so wie uns, und das meine ich wirklich ernst!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  • So sieht das leider aus...
    Fehler in der Ausrichtung des Werkes sollen von der Belegschaft bezahlt werden. Umstrukturierungen mit der heißen Nadel gestrickt, Verlagerungen des Produktspektrums aus Wuppertal nach Brasov in Rumänien, einen Werkleiter der kein Stückchen Verbundenheit zum Standort hat - all´ das sind Dinge, die hier niemand mehr versteht.
    Wenn ein sog. "Vorzeigewerk" mit dem dort ansässigen Fachwissen kaputtgeredet wird und niemand hinterfragt, wer die Fehlentscheidungen der letzten 2-3 jahre getroffen hat, so ist das sehr traurig FRAU SCHAEFFLER. Ich habe meine Ausbildung bei FAG noch mit der Illusion begonnen, dort auch in Rente zu gehen. Gedanken und Lösungen in der Freizeit gesucht und gefunden... aber jetzt fühle ich mich verarscht von Frau Schaeffler, der Familienunternehmerin des Jahres 2012. Weiß sie überhaupt, was in den Standorten los ist? Hat sie eventuell mit Hrn. Geisinger und Hrn. Jung unsoziale, rein wirtschaftlich denkende und gefühlskalte Akteure eingesetzt???
    Ein Mitarbeiter der Schaeffler Wuppertal (seit 16 Jahren).

  • Das Managment hat versagt!
    In Wuppertal sollen 750 Familien dafür bezahlen!
    http://www.igmetall-schaeffler.de/Ansicht.81+M59bcc0bb77a.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=15518

  • Ihr Beispiel zeigt deutlich wie Statistiken, die richtig sein können an der Realität völlig vorbei gehen. Es beweisst auch, dass Sie etweder k. A. haben oder einfach im Auftrag schreiben. Ich möchte nur daran erinnern wie im Jahr 2009/2010 die perfidesten Änderungsverträge an viele MA verteilt wurden. Zum einen als Einsparungspotentiale zum anderen wurde die Gelegenheit genutzt die lukrativen Arbeitsplätze bei Schaeffler an gut betuchte und deren Kinder an den jeweiligen Standorte nach der Kriese zu vergeben. Was auch inzwischen voll umgesetzt wird. Die Geschäftsleitung hat dies mir gegenüber sogar als grossen Fehler eingeräumt. Korrigiert hat sie es bis heute nicht. Daas bei Schaeffler so einiges falsch läuft, zeigen auch die unzerschiedlichen Standpukte zwischen der Familie und der Geschäftsleitung. Zu diesem Thema gibt es noch viel mehr zu sagen, aber das ändert nichts mehr daran was passiert ist. Schade, schade...!

  • Ich kann hier "tree" nicht ganz folgen. Also du sprichst von "entlassenen" Mitarbeitern bei einem Mitarbeiterzuwachs von knapp 3%? Grade Schaeffler bemüht sich doch, nicht an den Mitarbeitern zu sparen, sondern das operative Geschäft so zu lenken, dass die Umsätze etwaige Einbrüche wieder wettmachen.
    Und missglückte Conti-Übernahme würde ich das auch nicht nennen. Natürlich konnte man nicht vorhersehen, dass nach der Übernahme eine Wirtschaftskrise über die ganze Welt hereinbricht, aber wie man sieht löst die Schaeffler-Gruppe auch diese Hürde auf sehr solide Weise. Sie sind immerhin unter den umsatzstärksten Unternehmen in der deutschen Industriebranche platziert.

  • Schaeffler ist schon ein Fall für sich. Die Folgen der völlig mißglückten Coni-Übernahme zahlen die entlassenen MA und die neueingestellten Leiharbeiter. Dagegen die Gewinne sprudeln direkt in die Banken und in den Schoß derer, die das Desaster verursacht haben.

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