Autozulieferer
Staat hilft Zulieferer ZF mit Millionen

ZF Friedrichshafen bekommt Staatshilfen. Der Lenkungsausschuss des staatlichen "Deutschlandfonds" für notleidende Unternehmen habe einen Kredit in Höhe von 250 Millionen Euro bewilligt, bestätigten Regierungskreise. Zuvor hatte ZF eine düstere Aussicht auf das laufende Jahr gegeben.

FRANKFURT. Die größten deutschen Automobilzulieferer erwischt die Autokrise mit voller Wucht. Das Stiftungsunternehmen ZF Friedrichshafen nimmt jetzt sogar Staatshilfe in Anspruch. Gestern genehmigte der Lenkungsausschuss der Bundesregierung dem drittgrößten deutschen Autozulieferer einen Kfw-Kredit über 250 Mio. Euro. Das bestätigte ein ZF-Sprecher dem Handelsblatt.„Die Liquidität von ZF ist langfristig gesichert“, betonte ZF-Chef Hans-Georg Härter in Frankfurt.

Das Unternehmen verfüge jetzt über eine Liquidität von einer Mrd. Euro, dabei seien die Kreditlinien noch nicht einberechnet. „In Krisenzeiten geht für ZF Liquidität vor Profitabilität“, sagte Härter. Liquidität gebe Stabilität, die von den Autokonzernen immer stärker gefordert werde. ZF habe jetzt die Freiräume, um ihre Technologie-Führerschaft noch auszubauen. Branchenkenner zeigen sich allerdings skeptisch und befürchten Wettbewerbsverzerrungen, wenn im Kern gesunde Unternehmen wie ZF letztlich mit Steuergeldern zinsverbilligte Kredite bekommen. Der Sportwagenbauer Porsche war vor wenigen Wochen bei seinem Bemühen um die zinsgünstigen Kredite ebenso abgeblitzt wie das Versandhaus Quelle. Das Geld wird ZF helfen, besser durch die Krise zu kommen.

Sie hat die Autozulieferer voll und in aller Breite erwischt. Der weltgrößte Automobilzulieferer Bosch erwartet bei der Kraftfahrzeugtechnik einen Umsatzrückgang um 20 Prozent. In der Gruppe rechnet Bosch-Chef Franz Fehrenbach mit einem Minus von 15 Prozent auf 38 Mrd. Euro und einem „deutlich negativen Ergebnis“ – dem ersten Verlust der Nachkriegszeit. Noch stärker fällt der Einbruch bei ZF-Friedrichshafen aus. Der Antriebs- und Fahrwerksspezialist rechnet mit einem Umsatzrückgang um ein Viertel auf 9,2 Mrd. Euro. Vor wenigen Tagen hatte Härter bereits mitgeteilt, dass der Autozulieferer einen Verlust von 500 Millionen Euro erwartet, nachdem im Jahr 2008 noch ein Gewinn nach Steuern von 434 Mio. Euro eingefahren worden war.

Beide Unternehmen bemühen sich in der Krise zumindest die Stammbelegschaft zu halten. Weltweit sieht das anders aus. „Ende 2009 wird die Bosch-Gruppe mit voraussichtlich 270 000 rund 10 000 Mitarbeiter weniger als zu Beginn des Jahres haben“, räumte Fehrenbach ein. Vom Jobabbau ist bislang vor allem das Ausland betroffen. Im Inland habe Kurzarbeit bislang noch drastischere Einschnitte verhindert. Branchenprimus 100 000 Mitarbeiter verkürzt. „Wir wollen, auch wenn das nicht grenzenlos möglich ist, unsere Kernmannschaft und deren Qualifikationen zusammenhalten.“

Fehrenbach kündigte aber an, dass es in Bereichen mit strukturellen Problemen, die nicht durch die Konjunktur bedingt seien, Einschnitte geben könne. Details nannte er nicht. Fehrenbach sieht erste Zeichen für eine Erholung. In den letzten Monaten habe es „leichte Aufwärtstendenzen“ gegeben. Im Abschlussquartal werde der Umsatz im Vergleich zum schwachen Vorjahresquartal voraussichtlich wieder wachsen, sagte der Bosch-Chef. „Doch bei aller Euphorie - insgesamt könnte es noch bis 2012 dauern, bis wir das Niveau von 2007, also vor der Rezession, wieder erreicht haben.“

ZF-Chef Hans Georg Härter ist sich da noch nicht so sicher: Wir können eine w-förmige nicht ausschließen, dann befänden wir uns auf einem künstlich erzeugten Zwischenhoch und müssten durch ein zweites Tal hindurch“. ZF ist stärker als Bosch vom dramatischen Einbruch im Nutzfahrzeuggeschäft von 50 bis 85 Prozent betroffen. Ohne die Aufträge von Kommunen für ihre Verkehrsbetriebe und Fuhrparks wäre die Produktion der Kunden. Bis zum Jahresende will ZF 4200 Stellen vor allem im Ausland abbauen. Die Kosten sollen jährlich insgesamt um 600 Mio. runter. „Es sind weiterhin große Unsicherheiten im Markt, die uns immer noch keine klare Sicht auf die nächsten Monate erlauben“, begründete Härter den Schritt.

Bosch-Chef Fehrenbach hingegen sieht die die gröbsten konjunkturellen Turbulenzen vorüber. Die Branche stehe aber bei den Spritspartechnologien vor sehr großen Herausforderungen. 2009 investiere Bosch drei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung in der Kraftfahrzeugtechnik. Dabei werde jeder zweite Euro werde für Investitionen zur Entwicklung spritsparender Techniken ausgegeben. Ziel sei, beim Verbrennungsmotor den Kraftstoffverbrauch um 25 bis 30 Prozent zu senken. Zugleich arbeite das Unternehmen an alternativen Antrieben für Hybridfahrzeuge und vollelektrische Autos sowie an Lithium-Ionen Batterien als Energiespeicher. 2010 sei der Serienstart der Hybridtechnik geplant, ab 2011 will Bosch die Lithium-Ionen-Batterie-Technik auf die Straße bringen.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent
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