Autozulieferer steigt ins Luftfahrtgeschäft ein
Leoni gibt die hohen Kupferpreise weiter

Die steigenden Rohstoffpreise lassen den Nürnberger Automobilzulieferer Leoni kalt. „Wir können unser Ergebnis- und Umsatzziel für 2008 halten“, sagt Vorstandschef Klaus Probst im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Wir haben für Kupfer eine Preisgleitklausel. Damit können wir die Preissteigerungen an unsere Kunden weitergeben.“

MÜNCHEN. Kupfer ist der wichtigste Rohstoff für den Nürnberger Spezialisten für Kabel- und Bordnetze. Jedes Jahr verarbeitet Leoni rund 100 000 Tonnen des Edelmetalls. Musste das Unternehmen für diese Menge 2004 noch 200 Mill. Euro aufwenden, sind es heute 500 Mill. Euro. Der Kupferpreis ist deutlich schneller gestiegen als die Notierungen für Stahl, Aluminium und Rohöl.

Erst am vergangenen Freitag hatte der Verband der deutschen Automobilindustrie Alarm für die Zulieferer geschlagen. „Diese Preisrally hat für unsere Unternehmen ein nicht unerhebliches Belastungspotenzial geschaffen“, erklärt VDA-Vizepräsident Jürgen Geißinger. Längst nicht alle Unternehmen können wie Leoni die Preise an die Autohersteller durchreichen.

Leoni will in diesem Jahr drei Mrd. Euro umsetzen, bei einem operativen Gewinn von 140 Mill. Euro. Probst sieht trotz der hohen Benzinpreise derzeit keinen Abschwung in der Autoindustrie und bekommt von den Analysten von Merck Finck Recht, die ihre Leoni-Kaufempfehlung Anfang Juni mit Blick auf die gute Auftragslage bestätigten.

Die beiden Konzernbereiche Draht- und Bordnetze sind ungefähr gleich stark. Leoni ist ein Konsolidierer der europäischen Draht- und Kabelindustrie: In den vergangenen Jahren haben die Nürnberger zwei Dutzend Mittelständler übernommen. Mittlerweile arbeiten 53 000 Menschen für den Konzern, der Umsatz wuchs in den zurückliegenden zehn Jahren im Schnitt um 21 Prozent. „Wir wollen weiter zwei bis drei Unternehmen pro Jahr kaufen“, sagt Probst.

Den bisher dicksten Brocken hat sich Leoni Anfang des Jahres einverleibt: die Bordnetzsparte VCS des französischen Valeo-Konzerns. „Mit VCS hat sich unsere Einkaufs- und Verhandlungsmacht natürlich erhöht“, rechtfertigt Probst die Übernahme. Leoni ist jetzt die Nummer Eins in Europa und nach Yazaki, Sumitomo und Delphi die Nummer vier auf dem Weltmarkt. Zu den Kunden gehören neben den deutschen Edelmarken BMW, Porsche und Mercedes nun auch PSA, Renault und dessen rumänischer Billigableger Dacia.

Bordnetze zur Steuerung von Motor, Klimaanlagen und Airbags werden für die Autoindustrie immer wichtiger. Lagen vor zehn Jahren noch tausend Meter Kabel in einem Mittelklasseauto, ist es heute fast das doppelte; Oberklasselimousinen haben schon drei Kilometer Kabelstränge im Auto. Kabelsätze werden per Hand montiert, die Ausstattungsvielfalt macht Einzelanfertigungen notwendig. Dennoch drücken die Autohersteller auf den Preis.

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