Autozulieferer
TMD Friction steht vor Verkauf

Der insolvente Zulieferer TMD Friction geht nun doch nicht an einen strategischen, sondern an einen Finanzinvestor. Nach Informationen des Handelsblatts aus Verhandlungskreisen wird das Geschäft voraussichtlich bereits in dieser Woche besiegelt. Neuer Favorit für einen Einstieg beim Leverkusener Spezialisten für Bremsbeläge ist laut Bankenkreisen die Münchener Private-Equity-Firma Orlando Management GmbH.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Der insolvente Zulieferer TMD Friction geht nun doch nicht an einen strategischen, sondern an einen Finanzinvestor. Nach Informationen des Handelsblatts aus Verhandlungskreisen wird das Geschäft voraussichtlich bereits in dieser Woche besiegelt. Neuer Favorit für einen Einstieg beim Leverkusener Spezialisten für Bremsbeläge ist laut Bankenkreisen die Münchener Private-Equity-Firma Orlando Management GmbH.

Ein Sprecher des TMD-Insolvenzverwalters Frank Kebekus wollte die Informationen nicht näher kommentieren. Es würden noch mit mehreren Interessenten Gespräche geführt und man hoffe, bald zu Ergebnissen zu kommen, sagte der Sprecher. Orlando war nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Überraschenderweise zieht damit der lange als Favorit für eine TMD-Übernahme gehandelte US-Zulieferer Federal Mogul den Kürzeren. Federal Mogul soll sich aus dem Bieterverfahren inzwischen zurückgezogen haben, hieß es. Das Unternehmen selbst wollte dazu nicht Stellung nehmen. In Medienberichten hatte es im Februar noch geheißen, der Deal zwischen Federal Mogul und den Leverkusenern sei so gut wie perfekt.

Doch der US-Zulieferer hat zunächst die Kartellprobleme unterschätzt und sei sich zudem so sicher gewesen, bevorzugter Bieter zu sein, dass er sein Gebot deutlich gesenkt habe, berichten Insider. War vor kurzem noch von einem Kaufpreis von 125 Mio. Euro die Rede, so soll Federal Mogul zuletzt nur noch bereit gewesen sein, 80 Mio. Euro zu zahlen. Angesichts dieser Entwicklung bemühte sich der Insolvenzverwalter um Alternativen.

Nun stehen die Chancen gut, dass Orlando zum Zuge kommt. Die Private-Equity-Firma hat sich "im deutschsprachigen Markt auf Investments in Turn-around- und Krisensituationen" spezialisiert, heißt es auf der Homepage. Im Focus stehen dabei Unternehmen mit bis zu 500 Mio. Jahresumsatz und einem Kaufpreis von bis zu 200 Mio. Euro. Neben Orlando wurden als Interessenten noch der US-Finanzinvestor Oaktree und der britische Konkurrent Pamplona genannt.

Mit dem bevorstehenden Einstieg eines neuen Investors findet erstmals seit dem Ausbruch der schweren Finanz- und Branchenkrise einer der insolventen Autozulieferer einen neuen Eigentümer. Der Bremsbeläge-Hersteller aus Leverkusen war im Dezember 2008 als erster großer Zulieferer in die Insolvenz gegangen. Unternehmenschef Derek Whitworth hatte den "Einbruch in der Autoindustrie" sowie "den Rückzug der Kreditversicherer" als Ursachen ausgemacht.

Andere prominente Vertreter der Branche wie der Remscheider Cabrio-Spezialist Edscha folgten, die ebenfalls schwer angeschlagenen Konzerne Continental und Schaeffler liebäugeln mit Staatsbürgschaften, um zu überleben. TMD-Insolvenzverwalter Kebekus hatte erst Anfang März das Insolvenzverfahren für den nach Federal Mogul weltweit zweitgrößten Hersteller von Bremsbelägen eröffnet.

Unternehmensberater sehen allerdings noch kein Ende der Zuliefererpleiten. Eine Studie der Beraterfirma Roland Berger geht davon aus, dass etwa 300 Firmen in Europa, Asien und den USA von der Insolvenz bedroht sind. In den vergangenen Monaten gab es allein in Deutschland mehr als 20 Insolvenzanträge von Zulieferern. Dass TMD Friction rasch einen neuen Investor gefunden hat, gilt Experten als Hoffnungsschimmer für die Branche und als Zeichen, dass eine Insolvenz keineswegs das Ende für ein Unternehmen bedeuten muss.

TMD Friction liefert Bremsbeläge für fast alle Autohersteller. Haupteigentümer war bisher eine Gruppe von Hedge-Fonds, die nun allerdings weitgehend leer ausgehen soll. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 4500 Menschen, 2000 davon in Deutschland. Neben dem Hauptwerk in Leverkusen fertigt TMD in Essen, Hamm und Coswig. Der Umsatz betrug 2007 noch rund 690 Mio. Euro, zu den Erträgen liegen keine Angaben vor.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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