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Autozulieferer unter Druck: Für Schaeffler tickt die Uhr

Die durch die Continental-Übernahme in Bedrängnis geratene Schaeffler-Gruppe steht im Ringen um Staatshilfe unter Zugzwang. Nach Informationen des Handelsblatts aus Regierungskreisen soll das nächste Krisentreffen zwischen Bund, Ländern und den Konzernchefs in etwa zwei Wochen stattfinden. Derweil wird die Marktsituation immer angespannter.

Angela Merkel nimmt Schaeffler in die Pflicht. Foto: Reuters Quelle: Reuters
Angela Merkel nimmt Schaeffler in die Pflicht. Foto: Reuters Quelle: Reuters

hz/saf/str FRANKFURT/BERLIN. Der Autozulieferer will in den kommenden Tagen in vielen seiner Standorte Kurzarbeit einführen, erklärte ein Firmensprecher. Umfang und Dauer werde noch bekannt gegeben. Es brennt an allen Ecken: "Wir werden in Zusammenarbeit mit den Banken ein tragfähiges Konzept für die gemeinsame Zukunft von Schaeffler und Continental vorlegen, das den veränderten Umständen Rechnung tragen wird", bestätigte die Schaeffler-Gruppe. Es würden auch Gespräche mit potenziellen Investoren geführt.

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Regierungssprecher Thomas Steg hatte am Freitag gefordert, dass das Familienunternehmen ein "überzeugendes Konzept" präsentieren müsse. Parallel wurden Wirtschaftsprüfer beauftragt, sich einen Überblick über die Lage in Herzogenaurach zu verschaffen. Nach Informationen aus Branchenkreisen wird PricewaterhouseCoopers (PwC) die Prüfungen vornehmen. PwC wollte dazu keine Stellung nehmen.

Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler bleibt nach dem Spitzengespräch mit Vertretern der Bundesregierung und der Länder Bayern und Niedersachsen in der vergangenen Woche nicht viel Zeit, um nachzubessern. Bisher habe der Bund keinerlei Zusagen über Staatshilfen wie Bürgschaften oder Kreditgarantien gemacht, heißt es. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm Schaeffler in die Pflicht. Es könne nicht sein, dass die Steuerzahler riskante Unternehmensentscheidungen finanzierten, die Besitzer des Unternehmens aber nicht zur Verantwortung gezogen würden, sagte sie. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff warf den Banken bei der Conti-Übernahme vor, schwere Fehler gemacht zu haben.

Die Bitte der Milliardärsfamilie mit Steuerzahlergeld gerettet zu werden, stößt insgesamt in Berlin auf große Zurückhaltung. Und das, obwohl Schaeffler selber in einer Mitteilung fest behauptet, man hätte gar nicht wild spekuliert. "Das Ausmaß der globalen Finanzkrise, die besonders für die Automobilindustrie dramatische Folgen habe", sei angeblich "in dieser Dimension für niemanden vorhersehbar" gewesen. Schaeffler hatte 2008 begonnen, 49,9 Prozent der Aktien des Konkurrenten zu erwerben sowie weitere 40 Prozent an Banken weitergereicht. Dafür musste sich das Unternehmen hoch verschulden. Der aufkommenden Subprime-Krise in den USA wurde dabei offenbar zu wenig Beachtung geschenkt. An der Börse ist Conti - die Aktien besichern auch Kredite - nach dem Börsencrash nur noch gut zwei Mrd. Euro wert, während Schulden von 22 Mrd. Euro drücken.

Finanzminister Peer Steinbrück und SPD-Fraktionschef Peter Struck haben sich bereits strikt gegen Staatshilfen ausgesprochen. Wirtschaftsminister Michael Glos hat ein Engagement des Staates zumindest angedeutet. Es sei "klar, dass zunächst das Unternehmen selbst gefordert sei", beteuert ein Unternehmenssprecher. Die Steuerzahler sollen letztlich "nicht belastet werden". Schaeffler will angeblich Bürgschaften von bis zu vier Milliarden Euro haben.

Vielleicht sieht der Ausweg aber ganz anders aus: Derzeit werden auch andere Formen geprüft, wie die Unternehmen verbunden werden könnten. Der Konzern könnte also zerschlagen werden, um Schulden abzutragen, oder neue Investoren aufnehmen. Hinter den Kulissen laufen Gespräche über einen möglichen Investor für die Autosparte. So habe die Regierung vorgefühlt, ob arabische Staatsfonds Interesse hätten. Der künftige Aufsichtsratschef Rolf Koerber hatte einen Investor für das Automotive-Geschäft der Firmen ins Spiel gebracht.

Der Familienkonzern steht offenbar mit dem Rücken zur Wand und ist für die Aussicht auf Staatsgarantien sogar bereit, sich in ungewohnter Transparenz zu üben. Als Familienunternehmen ist er nicht zur Veröffentlichung von Bilanzen verpflichtet und hatte selbst dem eigenen Betriebsrat keinen tiefen Einblick in die Bücher gewährt. Analysten sehen die plötzliche Offenheit als weiteres Indiz dafür, wie angespannt die Situation nach der im Januar vollzogenen Übernahme sein dürfte.

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