Autozulieferer Visiocorp
Schefenacker vor Notverkauf nach Indien

Der schwäbische Autozulieferer Schefenacker taumelt seit Jahren am Rande des Untergangs. Schon 2006 war das Unternehmen mit weltweit 7 000 Mitarbeitern fast am Ende, damals verschaffte der beispiellose Verlegung des Geschäftssitzes von Stuttgart nach England etwas Luft. Jetzt sind wieder alle Reserven aufgebraucht - einzige Rettung wäre ein Käufer aus Indien.

STUTTGART. Der Stuttgarter Autospiegelhersteller Visiocorp, das bis Dezember 2007 unter dem Namen Schefenacker firmierte, ist nicht mehr alleine handlungsfähig. Die finanziellen Reserven des Unternehmens sind nach eigenen Angaben aufgebraucht. In sämtlichen wesentlichen Entscheidungen stimmt sich die Firmenspitze bereits mit einem potenziellen Käufer ab: Der indische Autozulieferer Motherson Sumi Systems hat seit Wochen Vertreter bei Visiocorp eingesetzt, die laufend alle Geschäftszahlen überprüfen.

„Es geht vor allem darum, dass Motherson Sumi mit den Kunden aus der Automobilindustrie eine Lösung findet, wie das Geschäft weiter laufen kann“, sagt Finanzchef Just Spee. Die Zeit bei den Verhandlungen drängt: „Alle hier warten, was dabei heraus kommt“, sagt Betriebsratschef Andreas Liebelt. „Der Verkauf an die Inder wäre unsere einzige Rettung.“

Visiocorp erwirtschaftet einen Umsatz von 600 Mio. Euro und beschäftigt weltweit 5 300 Mitarbeiter, 300 davon in Deutschland. Das Unternehmen hat eine Sonderstellung in der Automobilindustrie: Weil Visiocorp für wichtige Automodelle der einzige Spiegellieferant ist, wurde das Unternehmen bereits in seiner Krise vor zwei Jahren von den großen Herstellern unterstützt, denn ohne Spiegel kann kein Auto ausgeliefert werden.

Größter Auftraggeber von Visiocorp in Deutschland ist Daimler mit rund acht Prozent Umsatzanteil. „Wir sind Kunde von Visiocorp und stehen in engem Kontakt mit der dortigen Unternehmensführung“, bestätigte ein Daimler-Sprecher. Zu den Verhandlungen mit dem indischen Investor wolle man sich jedoch nicht äußern. Weltweit größter Kunde von Visiocorp ist der US-Konzern Ford, der selbst in großen Schwierigkeiten steckt.

Der Verkaufspreis für Visiocorp soll bei rund 50 Mio. Euro liegen. Motherson würde ihn aber laut Verhandlungskreisen nur dann bezahlen, wenn die Gläubiger auf erhebliche Teile der Forderungen verzichten. Visiocorp ist mit rund 300 Mio. Euro verschuldet und kann seine Kredite kaum noch bedienen.

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