Autozulieferer
ZF will Krise für Einkaufstour nutzen

Die Mehrzahl der internationalen Autozulieferer stellt sich auf weitere Insolvenzen unter ihren Kunden ein. Im Interview mit dem Handelsblatt verrät Hans-Georg Härter, Vorstandschef von ZF Friedrichshafen, wie er gegensteuert - und welche Chancen sich in der Krise auftun.

DÜSSELDORF. Der Chef des drittgrößten deutschen Automobilzulieferers ZF sieht die Rettung der GM-Tochter Opel kritisch. "Wegen der vielen offenen Fragen sehe ich noch kein klares industrielles Konzept. Bei so vielen Beteiligten werden Entscheidungsprozesse im Unternehmen sicherlich nicht einfach werden", sagte ZF-Vorstandschef Hans-Georg Härter dem Handelsblatt. Die GM-Insolvenz und die schwierige Situation bei Opel trifft auch das Unternehmen ZF, das jährlich Teile für gut eine halbe Mrd. Euro an GM und Opel liefert. Noch seien allerdings keine Aufträge storniert worden. Aber die Situation in den USA, wo ZF auch in diesem Jahr trotz einiger Fortschritte nicht aus der Verlustzone kommen wird, sei schon seit Jahren schwierig.

Härter bekräftigte seine Prognose, wonach der Umsatz des vergangenen Jahres von 12,5 Mrd. Euro und der Gewinn von 434 Mio. Euro nicht wieder erreicht würden. "In den ersten fünf Monaten dieses Jahres haben wir einen Umsatzeinbruch um ein Drittel und damit einen Verlust zu verzeichnen", räumte Härter ein und schloss einen Konzernverlust in diesem Jahr nicht aus. Auch Weltmarktführer Bosch rechnet in diesem Jahr nach früheren Angaben erstmals seit Kriegsende mit einem Verlust.

Grund sind die Probleme der Kunden aus der Autoindustrie. Die Mehrzahl der Zulieferer stellt sich auf weitere Pleiten unter den Autokonzernen ein. Das geht aus einer bislang unveröffentlichten Umfrage unter 180 internationalen Topmanagern der Branche hervor ("Automotive Industry Barometer"), die dem Handelsblatt vorliegt.Befragt wurden die Zulieferer vom Beratungsunternehmen A.T. Kearney und den Marktforschern von SupplierBusiness. Demnach rechnen 70 Prozent der europäischen Unternehmen nach der Insolvenz von General Motors mit einem ökonomischen Scheitern weiterer Kunden innerhalb der nächsten zwölf Monate. In Nordamerika sind es 80 Prozent.

ZF will die schwierige Situation ohne betriebsbedingte Kündigungen in Deutschland überstehen. "Es ist unser Ziel in Deutschland, wo wir 60 Prozent unserer Belegschaft von insgesamt 63.000 Mitarbeitern haben, ohne Entlassungen durch die Krise zu kommen", sagte Härter. Für ZF sei es wichtig, "das Wissen an Bord.zu halten". Das Unternehmen schnüre gerade ein zweites Kostensenkungspaket ohne Entlassungen Aber ZF sieht auch Chancen, von der Krise zu profitieren "Die Kunden achten verstärkt auf die Bonität ihrer Zulieferer. So erhalten wir erleichterten Zugang zu Projekten, die wir sonst nicht bekommen hätten", betont der ZF-Chef. In den USA sei da ein Umdenken spürbar. Die Liquidität von rund einer Milliarde Euro und die Eigenkapitalquote von 42 Prozent helfe ZF. Härter kündigte an, dass er die volle Kasse in der Krise für Firmenkäufe nutzen will. "Wir werden sicher die eine oder andere gezielte Akquisition noch in diesem Jahr vornehmen.", betonte Härter.

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