Autozulieferer zieht Bilanz

Continental glaubt nicht an Diesel-Krise

Continental trotzt der VW-Krise – und präsentiert gute Zahlen. Der Autozulieferer steigert seinen Betriebsgewinn, die Nachfrage bleibt auf solidem Niveau. Die Margenziele des Konzerns überzeugen Anleger aber nicht.
Update: 09.11.2015 - 11:54 Uhr
ARCHIV - Ein Continental-Reifen hängt am 19.11.2013 in der Fertigung im Continental-Werk in Hannover (Niedersachsen). Die Continental AG verkündet am 09.11.2015 die Zahlen zum dritten Quartal 2015. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa
Continental

ARCHIV - Ein Continental-Reifen hängt am 19.11.2013 in der Fertigung im Continental-Werk in Hannover (Niedersachsen). Die Continental AG verkündet am 09.11.2015 die Zahlen zum dritten Quartal 2015. Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

(Foto: dpa)

Hamburg Der Autozulieferer Continental rechnet wegen des Abgasskandals bei Volkswagen derzeit weder in den USA noch in Europa mit größeren Veränderungen der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen. Vor allem in Europa, wo Diesel etwa die Hälfte des Automarktes ausmachen, gebe es momentan keine Anzeichen, dass sich die Anteile kurzfristig zugunsten von Benzinern verschieben könnten, sagte Finanzvorstand Wolfgang Schäfer am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Inwieweit sich das Kaufverhalten langfristig verändern werde, sei schwer vorherzusagen.

Für sich selbst sieht Conti derzeit eher Vorteile: Sollten die Hersteller künftig mehr Technik zur Abgasreinigung bei Diesel-Motoren einbauen, könne das dem Zulieferer Rückenwind geben. Angesichts der Entwicklungszeiten von zwei bis drei Jahren, sei jedoch nicht vor 2018/2019 mit positiven Effekten auf das eigene Geschäft zu rechnen.

Diese Zulieferer arbeiten besonders eng mit VW zusammen
Platz 15: Thyssen-Krupp
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Im Geschäftsjahr 2014 erwirtschaftete Thyssen-Krupp durch Geschäfte mit Volkswagen einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro. Die Summe macht allerdings lediglich 5 Prozent am Gesamtumsatz aus.

Angaben beruhen auf Geschäftsberichte, Unternehmenspräsentationen, Berechnungen und Schätzungen. Quelle: Bloomberg, HRI
Stand: 28. September 2015

Platz 14: Leoni
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Die Leoni AG aus Nürnberg ist als Hersteller von Kabeln und Drähten auf Bordnetz-Systeme spezialisiert. Als Zulieferer für Volkswagen machte das Unternehmen 2014 einen Umsatz von 243 Millionen Euro, das waren 6 Prozent des Gesamtumsatzes.

Platz 13: Rheinmetall
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Auch Rheinmetall erzielt 6 Prozent seines Gesamtumsatzes mit VW, 294 Millionen Euro waren es im Geschäftsjahr 2014.

Platz 12: ZF Friedrichshafen
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Rund 1,5 Milliarden Euro erlöste der Konzern mit den Wolfsburgern, 9 Prozent des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2014.

Platz 11: Continental
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Der Dax-Konzern erwirtschaftete durch VW-Aufträge im Geschäftsjahr 2014 einen Umsatz von rund 3 Milliarden Euro, die immerhin 9 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachten.

Platz 10: Delphi
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Der US-Zulieferer Delphi Automotive setzte bei Geschäften mit VW 2014 rund 1,2 Milliarden Euro um – 10 Prozent des Gesamtumsatzes.

Platz 9: Elring-Klinger
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Der unter anderem auf Zylinderkopf und Spezialdichtungen spezialisierte Konzern machte durch Geschäfte mit VW absolut den geringsten Umsatz in der Rangliste: lediglich 142 Millionen Euro. Die Summe machte trotzdem 10 Prozent des Gesamtumsatzes im Geschäftsjahr 2014 aus.

Volkswagen wird seit Mitte September von seinem bislang größten Skandal erschüttert. Neben getürkten CO2-Werten geht es um den Einsatz manipulierter Software bei Millionen Fahrzeugen, durch die der Schadstoffausstoß niedriger erscheint, als er tatsächlich ist. VW rechnet mit Milliardenbelastungen. An den Zulieferern dürfte das nicht spurlos vorüber gehen. Continental erklärte, derzeit keinen größeren Preisdruck von Volkswagen zu spüren. „Die Gespräche laufen wie immer“, sagte Schäfer.

Im dritten Quartal steigerte der Dax-Konzern aus Hannover den Betriebsgewinn und hob sein Renditeziel erneut leicht an. An der Börse konnte Conti damit dennoch nicht punkten. Mit einem Minus von zeitweise fast fünf Prozent war die Aktie größter Verlierer im Dax. Als Grund nannten Börsianer, dass das Quartalsergebnis unter ihren Erwartungen gelegen habe.

Der nach Bosch weltweit zweitgrößte Zulieferer hatte den bereinigten Betriebsgewinn um gut elf Prozent auf rund 1,1 Milliarden Euro gesteigert. Analysten hatten im Schnitt mit fast 1,2 Milliarden gerechnet. Auch die Anhebung des Ziels für die operative Gewinnmarge auf mehr als elf Prozent beschwichtigte die Börsianer nicht. „Die Markterwartung lag bereits bei 11,6 Prozent“, betonte der Händler.

Das sind die größten Autozulieferer
Platz 14: Valeo
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14,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der französische Autozulieferer im vergangenen Jahr. Das Unternehmen wirbt unter anderem damit, dass jedes dritte Auto in Europa mit einer Valeo-Kupplung fährt.

Quelle: Berylls Strategy Advisors

Platz 13: Goodyear
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Der US-Konzern ist der weltweit drittgrößte Reifenhersteller und kam 2015 auf einen Umsatz von 15 Milliarden Euro.

Platz 12: Lear Corporation
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Der amerikanische Zulieferer stattet vor allem das Innenleben der Autos aus, unter anderem mit Sitzgarnituren. Mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro kommt Lear auf Rang zwölf.

Platz 11: Faurecia
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Der französische Automobilzulieferer designt und produziert Autositze, Abgasanlagen, Innenraumsysteme und Kunststoff-Außenteile. Die weltweit fast 100.000 Mitarbeiter erwirtschafteten im vergangenen Jahr 20,7 Milliarden Euro.

Platz 10: Michelin
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Der traditionsreiche französische Reifenhersteller kam 2015 auf einen Umsatz von 21,2 Milliarden Euro.

Platz 9: Johnson Controls
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Eine Batterie steht im Werk Johnson Controls in Hannover auf einem Produktionsband. Der Mischkonzern produziert und vertreibt Innenausstattungen und Elektroniksysteme vieler Autohersteller. Umsatz: 23,9 Milliarden Euro.

Platz 8: Bridgestone/Firestone
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Das japanische Unternehmen ist vor allem für seine Reifen bekannt. Im Jahr 2015 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 24,1 Milliarden Euro.

Den Umsatz steigerte Conti im dritten Quartal um elf Prozent auf 9,6 Milliarden Euro. Unter anderem profitierte der Konzern von steigenden Ausstattungen in Fahrzeugen mit modernster Elektronik. Zudem habe eine robuste Autokonjunktur in Europa und Nordamerika die Wachstumsdelle in China und das rückläufige Industriegeschäft wettgemacht.

Conti, an der der fränkische Wälzlagerspezialist Schaeffler maßgeblich beteiligt ist, profitiert zudem von niedrigen Preisen für Rohöl und Naturkautschuk. Beides zusammen bedeutet für das Unternehmen in diesem Jahr eine Kostenentlastung von 250 Millionen Euro, bisher war das Management von 200 Millionen Euro ausgegangen. Auch der positive Effekt durch die Umrechnung von Fremdwährung in Euro begünstigt den Konzern mit seinen 208.000 Beschäftigten. Der Währungseffekt werde mehr als zwei Milliarden Euro zum Gesamtjahresumsatz von voraussichtlich mehr als 39 Milliarden Euro beitragen. Bisher war Conti hier von 1,5 Milliarden Euro ausgegangen hier.

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