Aventis-Management stellt sich auf wochenlangen Übernahme-Kampf ein
Namen Aventis und Hoechst fallen weg

Dem Pharmakonzern Aventis SA droht im Falle einer Übernahme durch Sanofi-Synthélabo SA ein radikaler Umbau und starker Stellenabbau. Zudem dürfte dem – erst 1999 neu geschaffenen – Namen „Aventis“ nur eine kurze Zukunft beschieden sein. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen plant Sanofi unter anderem, den Namen „Aventis“ weitgehend aufzugeben.

abo/shf/mm FRANKFURT/M. Bereits in den letzten Monaten seien die Anstrengungen verstärkt worden, die außerhalb Frankreichs wenig etablierte Marke Sanofi zu stärken, heißt es.

Zudem zielt Sanofi offenbar auch darauf, die alte Hoechst AG endgültig aufzulösen. Die Hoechst AG hat innerhalb Aventis zwar keine operative Funktion mehr, besteht bislang aber noch als Zwischenholding des Aventis-Konzerns weiter. An ihr sind außenstehende Aktionäre noch mit rund 2,4 % beteiligt. Im Falle einer Übernahme von Aventis müsste Sanofi diesen Aktionären ein Abfindungsangebot unterbreiten. Dafür dürften voraussichtlich deutlich mehr als 600 Mill. Euro erforderlich sein. Weitere mehr als neun Mrd. Euro hat der französische Konzern für den Baranteil seiner Übernahme-Offerte vorgesehen. Die dazu nötigen Mittel hat er sich über eine Kreditlinie von 12 Mrd. Euro gesichert, die BNP Paribas und Merrill Lynch garantieren.

Im Rahmen eines feindlichen Übernahmeangebots bietet Sanofi für jede Aventis-Aktie insgesamt 60,43 Euro in bar und eigenen Aktien. Der Aventis-Vorstand hat Sanofis Offerte als inakzeptabel abgelehnt. „Wir haben die kritische Masse, sie nicht“, sagte Vorstandschef Igor Landau gestern vor Analysten. „Sie brauchen uns, aber wir brauchen sie nicht.“ Analysten gehen davon aus, dass Sanofi mehr bieten muss, um die Aventis-Aktionäre zu überzeugen.

Heute soll der Aufsichtsrat von Aventis zusammentreten und über die Marschroute im Kampf gegen den Angreifer befinden. In Paris geht man davon aus, dass Aventis eine Analysten-Konferenz am 5. Februar nicht nur zur Präsentation des Jahresergebnisses 2003 nutzen wird, sondern auch genauer über seine Produktpipeline informieren will. Damit will Aventis offenbar ihrem Image als relativ innovationsschwache Pharmagruppe entgegenwirken. Zudem hat Aventis die auf Krisenkommunikation und Übernahmefälle spezialisierte Pariser PR-Agentur Image Sept verpflichtet. Sie berät indes seit langem auch die Investmentbank Lazard Frères, die in der Übernahmeschlacht auf Seiten von Sanofi steht.

Aventis stelle sich auf einen langen Verteidigungskampf ein, der sich über viele Wochen hinziehen könnte, heißt es aus dem Konzernumfeld. Derzeit gebe es keinerlei Kontakt zwischen den Kontrahenten, auch nicht hinter den Kulissen. Man halte sich alle strategischen Möglichkeiten offen, es gebe keinerlei Zeitdruck, eine Option auszuschließen. Die möglichen Reaktionen reichen demnach weiterhin von einem eigenen Gegengebot bis hin zu einer freundlichen Fusion mit einem „weißen Ritter“. Die meist gut informierte Pariser Wertpapierbank Fideuram Wargny tippt dabei auf Glaxo Smithkline, Bristol-Myers Squibb oder Eli Lilly.

In Paris aus dem Konzernumfeld lancierte Schätzungen, wonach die von Synofi-Syntélabo versprochenen Synergien von 1,6 Mrd. Euro pro Jahr 10 000 bis 12 000 Arbeitsplätze kosten könnte, wurden von Aventis nicht offiziell kommentiert. In Deutschland erwarten Betriebsräte vor allem bei den rund 2 300 Mitarbeitern in Verwaltung und Vertrieb beider Konzerne Einschnitte. Insgesamt beschäftigen beide Firmen in Deutschland mehr als 10 000 Personen, davon den Löwenanteil in der Produktion und Forschung von Aventis in Frankfurt-Hoechst.

Diesen Befürchtungen trat Sanofi-Chef Jean-François Dehecq auf einer Analystenkonferenz am Dienstabend in Frankfurt entgegen. „Wir brauchen Frankfurt als Forschungsstandort“, sagte der Sanofi-Chef und beteuerte im Fall der Aventis-Übernahme die Forschung in Europa noch ausbauen zu wollen. Nur der Zusammenschluss biete die Möglichkeit, Aventis und Sanofi eine starke Zukunft im weltweiten Pharmamarkt zu sichern. Dehecq trat damit Äußerungen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) entgegen, der den Verlust von Arbeitsplätzen und Know-How in Hessen fürchtet.

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