Aventis und Boehringer starten neue Großanlagen – Manager sehen Höhepunkt beim Ausbau in Deutschland erreicht
Pharma-Investitionen auf Rekordniveau

Bei deutschen Pharmafirmen ist von den angekündigten harten Einschnitten wegen der Gesundheitsreform noch nichts zu spüren: Die Investitionen der Branche in Deutschland liegen – zumindest vorerst noch – auf Rekordniveau.

FRANKFURT/M. Nach Daten des Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller haben die Sachinvestitionen in den zurückliegenden fünf Jahren um rund 50 % auf zuletzt 1,3 Mrd. Euro zugelegt. Damit sind in diesem Zeitraum die Investitionen von Pharmafirmen in Deutschland stärker gestiegen als im weltweiten Branchenschnitt.

Gleich zwei Großprojekte mit Investitionsvolumen von jeweils mehr als 200 Mill. Euro gehen am morgigen Mittwoch in Betrieb. Im schwäbischen Biberach startet Boehringer Ingelheim die nach eigenen Angaben größte Anlage für biotechnisch herstellte Wirkstoffe in Europa. In Frankfurt nimmt der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis eine 260 Mill. Euro teure Anlage für das ebenfalls biotechnisch hergestellte Diabetesmedikament Lantus in Betrieb.

Beide Projekte sind herausragende Beispiele für den Investitionsboom der vergangenen Jahre. Maßgeblichen Anteil daran hatten nicht nur etablierte deutsche Arzneimittelfirmen, sondern auch ausländische Unternehmen. Der US-Konzern Abbott, der vor drei Jahren die Pharmasparte der BASF- Gruppe erwarb, hat die Produktion in Ludwigshafen weiter ausgebaut. Roche investierte massiv in die Standorte Mannheim und Penzberg, die der Konzern Mitte der 90er Jahre beim Kauf der Boehringer-Mannheim- Gruppe erworben hatte.

Aventis, vor knapp vier Jahren aus der Fusion von Hoechst und Rhone-Poulenc entstanden, hat seine Ausgaben für neue Anlagen in Deutschland seit dem Jahr 2000 nahezu verdoppelt, während sie in den USA und Frankreich deutlich zurückgingen. Am einstigen Stammsitz Frankfurt/Hoechst investiert Aventis im Pharmabereich nach eigenen Angaben derzeit gut viermal soviel wie einst die Hoechst AG.

Auslöser für den Schub sind einerseits spezifische Produkterfolge, andererseits günstige Standortbedingungen. „Entscheidende Argumente waren eine schnelle Projektabwicklung und das sehr große Knowhow, das wir hier am Standort haben“, erläutert Rudolf Lehnert, der als Geschäftsführer von Aventis Deutschland für die Wirkstoffproduktion verantwortlich ist.

Lantus, eine langwirkende Insu- lin-Variante, gilt als strategisch wichtiges Produkt, von dem sich Aventis hohe Wachstumsraten erhofft. Der Konzern war daher auf einen sehr schnellen Kapazitätsausbau angewiesen. Bei Roche war es unter anderem der Erfolg des Medikaments Neo-Recormon (gegen Blutarmut), der zu Erweiterungsinvestitionen motivierte. Boehringer Ingelheim reagierte mit dem Ausbau auf die starke Nachfrage bei der Auftragsproduktion für andere Pharma- und Biotechunternehmen.

Manager der Branche zeigen sich allerdings skeptisch, ob der Trend steigender Investitionen nach Fertigstellung der jüngsten Großprojekte anhalten wird. Sie geben zu bedenken, dass die Entscheidungen für diese Ausbauvorhaben in der Regel drei bis vier Jahre zurückliegen. Durch die Reformpläne im Gesundheitsbereich, die unter anderem hohe Zwangsrabatte vorsehen, habe sich das Umfeld wieder deutlich verschlechtert, heißt es in der Branche. Sollte der Gesetzesentwurf nicht noch geändert werden, werde man die Investitionspolitik in Deutschland wohl deutlich revidieren, warnt beispielsweise Aventis-Vorstandsmitglied Heinz Werner Meier. Auch Firmen wie Pfizer, Eli Lilly, Merck oder Schwarz Pharma kündigten eine Revision ihre Investitionspläne an.

Darüber hinaus werden die Investitionsströme der Branche auch von anderen Überlegungen beeinflusst. So wollen die aufstrebenden deutschen Pharmahersteller Boehringer Ingelheim und Altana verstärkt ihre Produktionsbasis globalisieren. Beide Konzerne kündigten bereits vor der Gesundheitsreform an, mittelfristig stärker in Nordamerika zu investieren. Hintergrund ist etwa das Problem, dass steigende Umsatzanteile im Dollar-Raum erzielt werden, zugleich aber der Großteil der Kosten in Euro anfällt.

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