Baba Kalyani schmiedet Mittelständler zusammen
Teil 4: Ein Mann mit Mut zu großen Träumen

An Baba Kalyani ist ein deutscher Bilderbuch-Mittelständler verloren gegangen: risikofreudig und gleichzeitig sparsam, patriarchalisch und um das Wohl seiner Mitarbeiter besorgt. Oft wird er gefragt, warum er für die Zukunft seines Konzerns ausgerechnet auf Deutschland setzt.

PUNE. An Baba Kalyani ist ein deutscher Bilderbuch-Mittelständler verloren gegangen: risikofreudig und gleichzeitig sparsam, patriarchalisch um das Wohl seiner Mitarbeiter besorgt und besessen von Technik. „Schon als Kind habe ich alles Mechanische gemocht“, sagt der Chef der Kalyani-Gruppe mit dem Schmiedekonzern Bharat Forge (BFL) als Herzstück. Seine Liebe zu Maschinen lässt ihn einen großen Teil des Tages zwischen den Pressen und Öfen seiner Schmiedefabrik in Pune herumwandern und pedantisch auf Details achten. Er trägt dann einen Arbeiterkittel und auf dem Kopf einen weißen Helm, wie jeder. Mit der Beharrlichkeit eines schwäbischen Tüftlers sucht der bodenständige Familienunternehmer nach effizienteren Produktionsmethoden und besseren Materialeigenschaften in einer urdeutschen Industrie: der Schmiedebranche.

Oft wird der 56-Jährige gefragt, warum er für die Zukunft seines Konzerns ausgerechnet auf ein Land setzt, dem Pessimisten die Deindustrialisierung voraussagen: Deutschland. „Deutschlands industrielle Basis wird nie verschwinden“, erwidert der chronische Optimist. „Um mit seinen Löhnen zu bestehen, muss die Produktion dort nur viel technologieintensiver werden.“

Dazu trägt er selbst bei. Mit Investitionen in kostensenkende Herstellungstechniken, mit eigenen Patenten und neuen Produkten will der Inder die Ende 2003 erworbene deutsche Firma Carl Dan Peddinghaus (CDP) fit für die Zukunft machen. Seit der Übernahme stieg CDPs Umsatz um ein Viertel, die Ebitda-Marge ist über zehn Prozent geklettert. Dass die Wende indischem Unternehmergeist geschuldet ist, findet Kalyani logisch: „Inder können Ideen besser in Geld verwandeln.“ Außerdem leide Deutschlands Mittelstand unter einer Angstpsychose und wage zu wenig Investitionen; statt auf neue Märkte und Produkte zu setzen, dächten viele nur an Kostensenkungen.

Kalyani sieht sich als Pionier eines Gegentrends, dem er Nachahmer voraussagt: „Wir bringen die Vorteile des indischen und des deutschen Mittelstands zusammen.“ Die Verbindung von deutscher Technik mit einer Produktionsbasis in Indien soll BFL vom zweitgrößten Schmiedekonzern der Welt zur Nummer eins machen. „Wir haben die kritische Größe, die Finanzkraft, die Technik und den Unternehmergeist, um Weltmarktführer zu werden“, sagt er so leise, so sanft und mit einem zurückhaltenden Lächeln, dass es wie Understatement klingt.

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