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14.11.2007 
Frühschicht abgesagt

Bahn-Streik legt Audi-Produktion lahm

Der Lokführer-Streik trifft nun auch Audi. Wegen mangelnder Teile-Versorgung hat der Autobauer die Frühschicht in seinem Brüsseler Werk für diesen Donnerstag abgesagt. Das bedeutet, dass zahlreiche Audi A3 und 150 VW Polo nicht gebaut werden können. Die Bahn räumte "erhebliche Einschränkungen“ im Güterverkehr ein. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Audi A3 auf dem Produktionsband: Die Streiks im Güterverkehr treffen nun auch die Autoindustrie. Foto: dpaLupe

Audi A3 auf dem Produktionsband: Die Streiks im Güterverkehr treffen nun auch die Autoindustrie. Foto: dpa

HB INGOLSTADT. 800 Mitarbeiter der Frühschicht in Brüssel müssten zuhause bleiben, sagte Audi-Sprecher Eric Felber. Er sprach von einer "absoluten Ausnahmesituation“. Der finanzielle Schaden sei derzeit nicht absehbar.

Zwei Züge aus Bratislava in der Slowakei mit Karosserieteilen seien wegen des Bahnstreiks in Ostdeutschland sehr lange aufgehalten worden. "Das bedeutet, dass wir 70 Audi A3 und 150 VW Polo nicht bauen können“, erklärte Felber. Für die deutschen Audi-Werke habe der Bahnstreik bislang keine nennenswerten Probleme verursacht.

Die Volkswagentocher Audi hat auch mit Auswirkungen eines Bahnausstandes in Frankreich zu kämpfen, wo Eisenbahner mit der Regierung über eine geplante Rentenreform streiten. Dadurch könnten Lieferungen nicht nur ins Nachbarland, sondern auch in den wichtigen spanischen Markt beeinträchtigt werden, sagt Audi-Sprecher Felber. Wie in Deutschland ist auch in Frankreich kein Ende des Konfliktes absehbar.

Ein Teil des Abtransportes fertig produzierter Autos sowie der Versorgung mit Zulieferer-Teilen sei von der Schiene auf die Straße verlagert worden, sagte der Sprecher. Außerdem seien am Standort Ingolstadt rund 1000 neu produzierte Autos vorsorglich auf angemietete Flächen ausgelagert worden.

Die Bahn räumte "erhebliche Einschränkungen“ im Güterverkehr ein. Der Lokführerstreik am Mittwoch habe schon nach wenigen Stunden vor allem in den neuen Ländern zu erheblichen Einschränkungen geführt. Bis 18.00 Uhr hätten sich bundesweit rund 350 Lokführer an den Arbeitsniederlegungen beteiligte, teilte das Unternehmen am Abend mit.

"Die GDL ist dabei, den Schienengüterverkehr im Osten Deutschlands lahm zu legen. Die Sorge unserer Kunden vor Versorgungsengpässen und Produktionsausfällen ist größer denn je“, erklärte Logistikvorstand Norbert Bensel. "Es ist fraglich, ob es uns angesichts eines 62-stündigen Streiks gelingen wird, bis zum Schluss versorgungsrelevante Züge zu fahren. Aber wir setzen alles daran, dass dies klappt. Diese unvertretbare Situation hat die GDL zu verantworten.“

Von anderen deutschen Autoherstellern gab es bislang keine Meldungen von gravierenden Auswirkungen. BMW hat an seinem Leipziger Werk zum Beispiel extra Abstellflächen eingerichtet. "Wir versuchen in Leipzig, möglichst viel über Lkw zu transportieren“, sagte Sprecher Michael Rebstock.

Der Sportwagenhersteller Porsche rechnete am Mittwoch nicht mit einem Stillstand der Produktion in seinem Leipziger Werk. Die Bahn habe eine vorrangige Bedienung des Porsche-Werks zugesichert, sagte ein Sprecher. Porsche baut dort Motoren in Karossen des Geländewagens Cayenne ein, die im Volkswagen-Werk in Bratislava vormontiert werden. Die Karossen kommen einmal täglich per Bahn aus der Slowakei und werden vollautomatisch be- und entladen.

Die Bahn-Transporte könnten nicht auf die Straße verlagert werden. "Das Nadelöhr ist der Lokführer.“ Zudem dürfe die Strecke nicht durch eine liegengebliebenen Zug blockiert sein.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Engpässe beim Porsche 911 möglich

Zu Engpässen könnte es auch beim Abtransport der fertigen Geländewagen aus Leipzig und der Sportwagen 911 aus Stuttgart-Zuffenhausen kommen, die für den Export bestimmt sind und per Bahn nach Emden transportiert werden. Diese Transporte könnten zum Teil auf die Straße verlagert werden, aber nicht zur Gänze. In Emden gebe es einen Puffer von einigen Tagen.

Notpläne zur Verlagerung von Bahn-Transporten auf die Straße habe Porsche auch für die Lieferung von Motoren und Komponenten aus Zuffenhausen nach Finnland, wo die Modelle Boxster und Cayman gebaut werden. "Wir haben uns seit Monaten mit den Spediteuren auf einen drohenden Bahnstreik vorbereitet“, sagte der Sprecher.

Die Lokführergewerkschaft GDL hat am Mittwoch den größten Bahn-Streik der deutschen Geschichte gestartet. Während zunächst nur Güterzüge in den Depots blieben, müssen sich ab Donnerstag Millionen Pendler und Reisende auch im Personenverkehr auf ein Chaos einstellen.


» Streik im Personenverkehr: Auskunft und Notfallpläne im Internet


Die GDL will einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal und bis zu 31 Prozent mehr Geld. Die Bahn lehnt das ab. Die größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA forderten die GDL erneut zur Kooperation auf. Die GDL vertritt nach eigenen Angaben rund drei Viertel der insgesamt 20 000 Lokführer.

Bahn-Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch sagte, mit rund 1000 Mitarbeitern im Dauereinsatz bereite sich die Bahn auf den Streik im Personenverkehr vor. Im Fernverkehr sollten etwa zwei Drittel der ICE-Züge und alle Nacht- und Autozüge verkehren. Ein Großteil der IC-Züge dagegen werde nicht fahren. In Ostdeutschland wolle die Bahn mit 30 Bussen ihrer Tochtergesellschaft BEX Linien zwischen Berlin und Stralsund, Frankfurt/Oder, Dresden und Cottbus anbieten.

Im Regionalverkehr gibt es nach Rauschs Angaben wie bereits an den vergangenen Streiktagen ein West-Ost-Gefälle. 50 Prozent der Leistungen sollten durchschnittlich gefahren werden. Wenig Hoffnungen machte Rausch für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. "Dort können wir nur zehn Prozent unserer Leistungen anbieten.“ Mit 450 Bussen im Regionalverkehr soll deutschlandweit Ersatz geboten werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Chaos auch in Frankreich

Die Bundesregierung nannte den Streik eine Belastung für die Volkswirtschaft. Ein Sprecher forderte Konzern und Gewerkschaft auf, die Eskalation nicht weiter zu treiben.

Logistikvorstand Bensel erneuerte die Bereitschaft zu Verhandlungen, machte aber kein neues Angebot und lehnte auch den geforderten separaten Tarifvertrag ab. "Wichtig ist, dass die Gewerkschaft an den Tisch zurückkommt und wir über die vorgelegten Angebote sprechen. Die Tür ist offen, wir warten.“

Auch in Frankreich sorgte ein Ausstand für ein landesweites Chaos Mit ihrem zweiten landesweiten Streik gegen die geplante Rentenreform haben die französischen Eisenbahner ihre Kraftprobe mit Staatspräsident Nicolas Sarkozy zugespitzt. Zahlreiche Bahnhöfe blieben verwaist. Nur jeder sechste TGV verließ das Depot. Um Paris bildeten sich mehr als 200 Kilometer Stau. Sarkozy ging überraschend auf die Gewerkschaftsforderung nach Verhandlungen ein. Die Eisenbahner und Beschäftigen der Pariser Verkehrsbetriebe beschlossen dennoch, ihren Streik am morgigen Donnerstag fortzusetzen.

Für den Präsidenten ist es der härteste Machtkampf seit seinem Amtsantritt vor sechs Monaten. Nun beauftragte er Arbeitsminister Xavier Bertrand, das weitere Vorgehen mit den Gewerkschaften abzusprechen, wie sein Sprecher mitteilte. Bertrand empfing bereits erste Arbeitnehmervertreter. Einzelheiten über eventuelle Zugeständnisse wurden nicht bekannt.

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