Bahnauftrag
Eurotunnel unterstützt Siemens

Der Mischkonzern Siemens erhält bei der Lieferung neuer Züge an den Bahnbetreiber Eurostar Rückendeckung von Eurotunnel. Nach Meinung des Tunnelbetreibers sollen die Sicherheitsregeln des Tunnels unter dem Ärmelkanal angepasst werden.
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PARIS. Jacques Gounon, Chef des Tunnelbetreibers Eurotunnel, hat sich für eine Anpassung der Sicherheitsregeln des Tunnels unter dem Ärmelkanal ausgesprochen, damit Züge wie der ICE von Siemens den Tunnel nutzen können. „Die Sicherheitsregeln stammen aus dem Jahr 1986 und sollten angepasst werden, wenn die Industrie neues Material anbietet“, sagte Gounon bei einer Pressekonferenz anlässlich einer bevorstehenden Testfahrt eines ICE der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn wird am 17. Oktober einen ICE 3 durch den Tunnel zwischen Frankreich und Großbritannien fahren lassen und im Tunnel eine Evakuierungsübung durchführen.

Damit schlägt sich der Eurotunnel-Chef auf die Seite von Siemens und der Deutschen Bahn. Die Deutsche Bahn würde gerne mit eigenen ICE-Zügen London anfahren. Und Siemens wurde von Eurostar als bevorzugter Bieter ausgewählt, um dem Bahnbetreiber Schnellzüge für den Verkehr durch den Tunnel zu liefern. Der unterlegene Bieter Alstom hat dagegen rechtliche Schritte angekündigt, da die Siemens-Züge nicht die derzeit geltenden Sicherheitsbestimmungen erfüllen würden. Auch Frankreichs Regierung hat Protest angemeldet.

Die aktuellen Sicherheits-Regeln für den Ärmelkanaltunnel sehen unter anderem vor, dass ein Zug mit Lokomotiven am Kopf und am Ende des Zuges ausgestattet sein muss. Der Siemens-Zug dagegen hat einen Motor, der unter dem Boden des Zuges verteilt ist. Die Sicherheitsregeln werden von einer britisch-französischen Kommission (CIG) festgelegt.

Eurotunnel-Chef Gounon hält den Streit um die Regeln für obsolet. „Als die Sicherheitsregeln damals festgelegt wurden, gab es die neue Motorentechnologie bei Schnellzügen noch nicht.“ Dagegen sei sie die Technik der unter dem Boden verteilten Motoren seit Jahren bei U-Bahnen im Einsatz, ohne, dass dies je größere Schwierigkeiten bereitet habe. „Ich bin davon überzeugt, dass der ICE 3 unseren Sicherheitstest am Wochenende ohne Probleme bestehen wird“, sagte Gounon. „Ich sehe keinen Grund, warum die ICEs nicht durch den Tunnel fahren sollten.“

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