BAIC
Chinesen bleiben bei Opel im Spiel

Der chinesische Autobauer BAIC hat Verhandlungskreisen zufolge bislang kein Angebot für Opel abgegeben, schaut aber in die Zahlen des deutschen Autoherstellers. In Unternehmenskreisen heißt es, die Chinesen hätten noch keinen tiefen Einblick in die Bücher der Rüsselsheimer genommen.

HB PEKING/WIEN. Magna, der kanadisch-österreichische Zulieferer, der Opel zusammen mit russischer Hilfe übernehmen will, kommentiert den von Beobachtern als Affront gewerteten Schritt nicht. Der Autozulieferer arbeite unverändert daran, den Opel-Deal abzuschließen, heißt es nur. Mit den Vorgängen vertraute Personen sagten, Magna werde sich bei den Verhandlungen mit Opels Mehrheitseigner General Motors (GM) nicht unter Druck setzen lassen. Genau das dürfte die Rolle von BAIC sein - eine Rückfallposition für GM.

In China wird das Interesse von BAIC ohnehin skeptisch betrachtet. Es handele sich eher um einen neuen Winkelzug im Opel-Poker, ist zu hören. Als Retter für den angeschlagenen deutschen Autobauer gilt das Pekinger Unternehmen bei den Experten im eigenen Land nicht. Der Pekinger Autohersteller hat einen Ruf als eher träger Staatskonzern.

"Schon das Joint-Venture mit Daimler läuft nicht so, wie es einmal geplant war", sagt ein chinesischer Kenner. Immerhin unterstützen die Deutschen ihren Partner in Sachen Opel. "Wir stehen BAIC für Fragen zum M&A-Prozess zur Verfügung, wie das in einer normalen Geschäftsbeziehung unter Partnern üblich ist", sagte eine Daimler-Sprecherin.

General Motors dagegen ist seit vielen Jahren in China mit dem BAIC-Konkurrenten SAIC als Partner verbunden. Etliche Opel-Modelle fahren baugleich in der Volksrepublik unter dem SAIC-Signet. Die deutsche Marke mit dem Blitz selbst ist in China nicht vertreten. GM werde deshalb kaum Opel an BAIC verkaufen und sich damit neue Konkurrenz ins Land holen, sagte ein Insider gestern in Peking. Die Marke Opel zuhause nicht nutzen zu dürfen, komme aber für BAIC trotz Technologietransfers nicht infrage, hieß es.

Ähnlich sehe es auf dem europäischen Markt aus: BAIC hat Unternehmenskreisen zufolge nicht vor, in Deutschland Autos zu fertigen. Interessant sei dagegen das Opel-Vertriebsnetz, sagt ein chinesischer Branchenkenner. Allerdings dürfte es kaum im Interesse von GM sein, sich in Europa Rivalen aus China heranzuziehen.

Unklarheit herrscht auch über die Perspektiven von Opel in Russland, die Magna als wesentlichen Teil der nötigen Neuaufstellung ins Feld führt. Der Zulieferer will den Vorschlag seines russischen Partners Sberbank, sich mit dem Lada-Produzenten Avtovaz zu verbünden allenfalls als Zukunftsvision für die kommenden Jahre verstanden wissen. Nach Einschätzung von Sberbank-Chef German Gref könnte Opel nach einem Einstieg von Magna mit Avtovaz eine Allianz bilden. Dadurch könnten die Rüsselsheimer ihre Produktion innerhalb von fünf Jahren verdoppeln, sagte Gref gestern dem TV-Sender Channel One. Die russische Bank will 35 Prozent an Opel kaufen, Magna soll 20 Prozent übernehmen.

In den aktuellen Verhandlungen über ein neues Konzept für Opel spiele Avtovaz keine Rolle, hieß es in Magna-Kreisen. Avtovaz braucht vielmehr selbst einen Partner, um auf Dauer bestehen zu können. Sberbank-Chef Gref habe nur laut nachgedacht und mögliche Alternativen durchgespielt, heißt es.

Ein gewichtiges Wörtchen hat jedenfalls ein weiterer Autobauer mitzureden: Renault. Opel und Avtovaz können nur kooperieren, sollte der französische Opel-Konkurrent, der an Avtovaz eine Sperrminorität hält, dem zustimmen. Die Russen nutzen eine Plattform der Franzosen, bekommen Managementhilfe aus Paris und nutzen die Einkaufsallianz von Renault und dem japanischen Partner Nissan.

Unternehmenskreisen zufolge will Renault an der Beteiligung in Russland festhalten. Die Franzosen haben sogar eine Option, ihren Anteil zu erhöhen. Man verfolge "sehr aufmerksam alle Vorgänge um Avtovaz", hieß es gestern auf Nachfrage in der Renault-Zentrale in Paris.

In ferner Zukunft sei es denkbar, dass Opel und Renault aufeinander zugingen, ließen Magna-Kreise immerhin verlauten. Das ist die Lieblingsrolle des Zulieferers: als Konsolidierer der brachliegenden Autoindustrie.

Chinesen auf Europatour

Unternehmen

Der staatliche chinesische Autohersteller Beijing Automotive Industry Corp. (BAIC) ist vergleichsweise klein. BAIC setzte im 2008 gut elf Mrd. Dollar um verkaufte 800 000 Fahrzeuge.

Marktstellung

Ein Einstieg bei Opel wäre für das von der Stadt Peking kontrollierte Unternehmen durchaus sinnvoll. Bislang sind die Chinesen stark von den Partnern Hyundai und Daimler abhängig. In Rüsselsheim könnten sich die Chinesen eine bekannte Marke und wichtiges Know-how in Technik und Vertrieb erwerben.

Ambitionen

BAIC will unbedingt wachsen und wird häufig mit Ambitionen im Ausland in Verbindung gebracht. So soll BAIC nach Medienberichten aus der Vorwoche auch Interesse an der Ford-Tochter Volvo haben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%