Balanceakt: Fiat und sein spezielles Chrysler-Hintertürchen

Balanceakt
Fiat und sein spezielles Chrysler-Hintertürchen

Der italienische Autohersteller Fiat geht mit seinem Einstieg bei Chrysler ein hohes Risiko ein. Der US-Autobauer kämpft mit enormen Problemen. Das wissen die Italiener und haben in den Deal noch ein Hintertürchen eingebaut – das den amerikanischen Steuerzahler Milliarden kosten könnte.

MAILAND/FRANKFURT. „Eine Allianz mit Chrysler ist schon eine Wette“, sagte Autoexperte Götz Klink, Autoexperte der Beratungsgesellschaft A.T. Kearney. „Denn Fiat setzt damit auf ein Pferd, von dem man nicht weiß, ob es nicht schon halb tot ist.“ Klink schätzt deshalb die Erfolgschancen eher gering ein. Fiat kennt die Risiken und gibt sich vorsichtig.

Mit einem Anteil von 35 Prozent will Fiat sich an Chrysler beteiligen, an einem Unternehmen, das mit enormen Problemen zu kämpfen hat. Der US-Konzern ringt mit dem Tod und musste zuletzt mit staatlichen Milliardenhilfen gestützt werden. Fiat verdient zwar noch Geld, hat sich aber angesichts der schwachen Konjunktur auf starke Einbußen 2009 eingestellt, verbunden mit einem Gewinneinbruch. Die Italiener wollen für die Beteiligung allerdings kein Geld zahlen, sondern lediglich Technik zur Verfügung stellen und sich auch nicht zur Finanzierung des US-Konzerns verpflichten. Beide Unternehmen wollen aber künftig ihre Vertriebsplattformen gemeinsam nutzen.

In trockenen Tüchern ist der Deal aber noch nicht. Nach Informationen des „Wall Street Journal“ (WSJ) macht Fiat seinen Einstieg davon abhängig, ob Chrysler weitere staatliche Hilfen von drei Milliarden Dollar erhält. Weder Fiat noch Chrysler wollten dazu Stellung nehmen. Außerdem muss noch das Finanzministerium dem Deal zustimmen,

Chrysler hat im vergangenen Monat bereits vier Milliarden Dollar an staatlichen Hilfen erhalten. Um die Anforderungen des US-Finanzministeriums zum Erhalt dieser und weiterer Hilfen zu erfüllen, muss der US-Konzern bis 17. Februar Pläne über eine mögliche Rückkehr in die Profitabilität vorlegen. Fiat und Chrysler gaben an, die Bedingungen erfüllen zu können.

"Der Zeitpunkt für Fiats Einstieg ist für Chrysler sehr günstig, denn das zeigt der Regierung, dass der Konzern sich wirklich zu einem lebensfähigen Konzern wandeln will", zitiert die New York Times (NYT) einen Bericht von IHS Global Insight. IHS-Analystin Rebecca Lindland geht noch weiter. "Der Deal steigert enorm die Chancen von Chrysler, langfristig zu überleben." Damit habe der Konzern viel bessere Aussichten, die zusätzlichen drei Milliarden vom Finanzministerium zu bekommen. Um seine Überlebenschancen noch weiter zu erhöhen, verhandelt Chrysler mit Nissan darüber, Teile der Produktion zusammenzulegen. Der drittgrößte japanische Autobauer ist auch nach einem Einstieg von Fiat an einer Kooperation mit Chrysler interessiert.

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