Balda-Großaktionär fordert Rücktritt des Aufsichtsrats
„Er hat geschlafen“

Es bleibt turbulent beim Handyausrüster Balda. Die Insolvenz des Unternehmens scheint abgewendet, doch die Anleger fordern nach der völlig missglückten Trennung vom Altgeschäft nun Konsequenzen. Aufsichtsratschef Richard Roy soll zurücktreten.

DÜSSELDORF. Die Balda AG muss nach einem neuen Käufer für seine defizitären Tochtergesellschaften suchen. Zwei Monate, nachdem der ostwestfälische Handyzulieferer seine Balda Solutions Gruppe an die KS Plastic Solutions GmbH abgab, nimmt die Balda AG ihr europäisches Plastikschalengeschäft nun wieder zurück. Grund ist ein Vertrag, der der KS Plastic offenbar erlaubte, die Mitgift für Balda Solutions nachträglich um ein Mehrfaches zu erhöhen. Mitte vergangener Woche hatte Balda gewarnt, die Belastungen durch die ehemalige Tochtergesellschaft könnten beim Mutterkonzern zur Zahlungsunfähigkeit führen.

Anleger und Analysten zeigten sich von dem Wirrwarr konsterniert. "Mir ist völlig schleierhaft, wie man einen Verkauf so naiv abwickeln kann", sagt Thomas Loskamp von der Investmentbank Kepler. "Man hätte doch vorher eine Deckelung für die zu übernehmenden Verluste von Balda Solutions festlegen müssen." Der US-Investor Guy Wyser -Pratte, der fünf Prozent an Balda hält, sagte: "Was Balda da gemacht hat, ist das Dümmste, was man sich überhaupt vorstellen kann."

Wyser -Pratte fordert nun personelle Konsequenzen - allerdings nicht für den Vorstandschef Joachim Gut. Der US-Investor und auch andere Großaktionäre sind der Ansicht, dass Gut wegen seinem weit verzweigten Kontaktnetz insbesondere in Baldas Zukunftsmarkt Asien nicht einfach austauschbar ist. Statt dessen richtet sich der Zorn der Anleger gegen Baldas Aufsichtsratschef Richard Roy. "Roy hätte Gut kontrollieren müssen, aber er hat geschlafen.", sagte Wyser -Pratte. "Roy muss gehen."

Auch Michael Treichl, dessen Fonds Audley Capital zehn Prozent an Balda hält, sagte: "Der aktuelle Aufsichtsrat ist seinen aktienrechtlichen Pflichten, die Geschäftsführung sorgfältig zu überprüfen nicht im ausreichenden Maße nachgekommen. Vor diesem Hintergrund muss die aktuelle Zusammensetzung überprüft werden." Auf Nachfrage, ob dies auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden Roy gelte, sagte Treichl: "Natürlich."

Roy war zu einer Stellungnahme am Wochenende nicht bereit. Er spielte Golf. Der Aufsichtsrat von Balda tagte zwar noch am Freitag, jedoch ohne meldepflichtige Ergebnisse. Die finanzielle Schieflage von Balda ist offenbar korrigiert. Balda teilte mit, man habe einen Geldgeber gefunden, nachdem sich die Banken des Unternehmens geweigert hatten, einen Überbrückungskredit zu finanzieren. Balda hatte 2006 bei 371 Mill. Euro Umsatz einen Jahresfehlbetrag von 42 Mill. Euro. Die Vorlage der Zahlen für 2007 wurde verschoben.

Die Identität des neuen Geldgebers wollte Balda nicht verraten. Die Mitarbeiter von Balda Solutions wurden zum zweiten Mal in Folge bei ihren Löhnen und Gehältern vertröstet. Diese hätten eigentlich am Freitag überwiesen werden sollen. Nun sollen sie heute gezahlt werden. Balda will sein europäisches Plastikschalengeschäft nach wie vor verkaufen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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