Banken gewähren Insolvenzverwalter Liquiditätshilfe
Kritik an Roland Berger in Fall Walter Bau

Bei der Insolvenz des Walter-Bau-Konzerns gerät nach den Banken auch die Unternehmensberatung Roland Berger in die Kritik. „Manche Instrumente der Berater waren nicht auf den Baumarkt ausgerichtet oder schlicht nicht bautauglich“, sagte Betriebsratschef Karl Bauer, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats.

fo/mwb DÜSSELDORF. Walter Bau hatte am Dienstag Insolvenzantrag gestellt, nachdem sich die Banken nicht einigen konnten und zusätzliche Liquiditätsprobleme aufgetaucht waren. Der Bedarf wird in Bankenkreisen mit mehr als 200 Mill. Euro beziffert. Nach Ansicht der Arbeitnehmervertreter liegt bei den Banken die Hauptschuld an der Insolvenz des Unternehmens.

Kritik gibt es vor allem an der Höhe des Berger-Honorars. Nach Informationen aus Aufsichtsratskreisen hat Roland Berger für Beraterdienste bei Walter Bau in den vergangenen drei Jahren 45 Mill. Euro erhalten. Ein Sprecher der Unternehmensberatung wollte sich dazu gestern nicht äußern. Roland Berger sollte die Sanierung begleiten. Auch der Walter-Bau-Finanzvorstand, Christian Fischer, kam von Roland Berger. Nach dem Unfalltod des Vorstandschefs Wolf Fitzner im Mai 2004 führte Fischer die Geschäfte.

Unstrittig ist bei Banken und Arbeitnehmern dagegen, dass durch das von Roland Berger eingeführte Controlling erst das ganze Ausmaß der Schieflage zu Tage kam. Im Sanierungskonzept, das dem Handelsblatt vorliegt, errechnete Roland Berger für 2004 einen Verlust von 40 Mill. Euro im Konzern, Grund waren rund 35 Millionen Euro außerordentliche Belastungen.

Die gescheiterte Fusion mit der Stuttgarter Züblin AG, an der Walter Bau 53 Prozent besitzt, kostete dem Gutachten zufolge 87 Mill. Euro fest eingeplante Liquidität, davon allein 45 Mill. Euro aus Anzahlungen. Die Fusion war von der Landesbank Baden-Württemberg gestoppt worden. Die LBBW befürchtete Schaden für Züblin. Walter nannte das Scheitern als einen der Hauptgründe für die Liquiditätskrise des Konzerns.

Die Arbeiten auf den bundesweiten Walter-Baustellen können vor- erst weitergehen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Werner Schneider sagte in Augsburg, ein Bankenpool habe die notwendigen Mittel für eine „Kriegskasse“ bereitgestellt. Über die Höhe der Finanzen wollte er keine Angaben machen. In der nächsten Woche soll ein Finanzplan für das laufende Jahr zu allen Bauvorhaben und Walter-Betriebsteilen vorgelegt werden. Teile des Unternehmens sollen in neue, verkaufsfähige Rechtsformen umgewandelt werden. Geplant seien Kapitalgesellschaften als GmbH.

Die Arbeitnehmer fordern von Unternehmensgründer Ignaz Walter unterdessen eine deutliche finanzielle Unterstützung, um das Unternehmen doch noch zu retten. „Ich erwarte, dass er noch einmal einen Beitrag bringt“, sagte Betriebsratschef Bauer. In Unternehmenskreisen wird das jedoch für wenig wahrscheinlich gehalten. Walter, der gestern auch von seinem Posten als Präsident des Verbands der Bauindustrie zurücktrat, hatte sich erst nach längerem Zögern zur Abgabe seiner Anteile an Walter Bau (56,8 Prozent) bereit erklärt.

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