Banken-Regulierung
DIHK wehrt sich gegen Abkehr vom Hausbankprinzip

Die EU-Kommission fordert vom deutschen Mittelstand, stärker den Kapitalmarkt zur Finanzierung anzuzapfen. Der Industrie- und Handelskammertag hält die bisherigen Vorgehnsweisen für angemessen.
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BerlinWirtschaft und Banken in Deutschland wollen an der vorherrschenden Mittelstandsfinanzierung durch Hausbanken festhalten. "Wir haben keinen Grund in Deutschland, unsere Unternehmensfinanzierung grundlegend zu revolutionieren", sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), Volker Treier, am Montag in Berlin. Er reagierte damit auf Mahnungen der EU, dass sich der deutsche Mittelstand bei seiner Finanzierung mehr am Kapitalmarkt orientieren solle. Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon sagte, es sei der enge Draht zwischen den Firmen und deren Hausbanken gewesen, der Deutschland so gut durch die Finanzkrise habe kommen lassen. Mehr Kapitalmarktorientierung könne dies speziell bei größeren Firmen ergänzen, nicht aber ersetzen.

Angesichts zunehmender Regulierung als Folge der Finanzkrise werden Banken immer zögerlicher vor allem bei der Ausgabe langfristiger Kredite an mittelständische Unternehmen. Die EU-Kommission hat andererseits das deutsche Modell der Unternehmensfinanzierung als zu unflexibel kritisiert. Eine sichere Finanzierung unterlegt durch höhere Eigenkapitalquoten hat nach einer kürzlich veröffentlichen Studie der Unternehmensberatung EY-Gruppe - früher Ernst & Young - für die Firmen des deutschen Mittelstands höchsten Rang. Bei der Nutzung alternativer Finanzierungswege zum Unternehmenskredit der Bank bewegten sie sich eher behutsam. "Deutsche Mittelständler nutzen Anleihen und Schuldscheindarlehen inzwischen häufiger - allerdings immer noch sehr zögerlich", lautete ein Fazit der Untersuchung. Dennoch wachse das Interesse an diesen Alternativen.

"Das Hausbankprinzip hat sich bewährt und sichert die umfassende Finanzierung für den Mittelstand", betonte der DIHK auf einer Konferenz in Berlin. Darin sei man sich mit den drei maßgeblichen deutschen Bankenverbänden einig. Treier sagte, wenn die Firmen stärker in Richtung Kapitalmarkt gedrängt würden, berge das Gefahren. Damit würde sich die Unternehmensfinanzierung in die Nähe der in den USA üblichen Praxis bewegen. Das aber wäre ein "Treppenwitz der Geschichte", denn das US-Finanzierungsmodell sei einer der Auslöser der Finanzkrise gewesen. Auch im neuen Koalitionsvertrag gebe es Formulierungen, die in diese Richtung gingen und die man aufmerksam im Blick haben müsse.

Sparkassenpräsident Fahrenschon warnte, am Ende entscheide eine funktionierende Unternehmensfinanzierung über das Wohl und Wehe ganzer Volkswirtschaften. Auch der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, sieht den Bankkredit als weiter dominierende Finanzierungsform im Mittelstand. "Kapitalmarktfinanzierungen mittels Anleihe- oder Aktienemissionen spielen für kleine und mittlere Betriebe aufgrund der hohen Anforderungen und Kosten eine eher untergeordnete Rolle", sagte er.

Fahrenschon warnte daher vor immer neuen Banken-Regeln. "Eine übertriebene Regulierung zahlen Sie, und zwar doppelt", warnte er Vertreter der Güterwirtschaft. Fahrenschon äußerte sich damit in eine ähnliche Richtung wie es der Präsident des Bundesverbandes der deutschen Banken, Jürgen Fitschen, getan hatte. Fitschen kritisierte Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der für weitere Regulierungsschritte im Finanzbereich plädiert hatte. Das brachte ihm von Schäuble den Vorwurf ein, sich im Ton vergriffen zu haben.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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