Baosteel: Der stählerne Marsch

Baosteel
Der stählerne Marsch

Der chinesische Stahlkonzern Baosteel ist die Nummer fünf der Branche weltweit. Bei der Konsoldierung im Heimatland soll das Unternehmen eine führende Rolle spielen – und sich zum Hersteller von Qualitätsstahl wandeln, gerade jenem Bereich, in dem bislang die deutschen Hersteller den Ton angeben.

SCHANGHAI. Die Luft ist heiß und stickig. Die Hitze drückt von den Wänden, von der Decke, vom Boden. So muss die Hölle sein. Und schon donnert der nächste glühende Stahlbarren heran. Wie nasse Seife schießt das fast 1000 Grad heiße Metall über die Walzstraße. Dann stoppt der Block unter einer Sprinkleranlage. Ein Ruck vor, ein Ruck zurück. Und mit lautem Zischen wird der Stahl von kaltem Wasser gekühlt.

In der 700 Meter langen Produktionshalle des Schanghaier Baosteel-Konzerns ist kaum ein Arbeiter zu sehen. „Die Anlage wird von der Schaltzentrale überwacht und vollautomatisch gesteuert“, ruft ein Chinese mit rotem Helm gegen den Lärm. Hinter ihm rollt das Walzwerk den Stahlbarren platt. Immer dünner, wie Kuchenteig.

Bei Chinas größtem Stahlproduzenten laufen die Öfen auf Hochtouren. Jede dritte Tonne Stahl, die auf der Welt produziert wird, kommt bereits aus der Volksrepublik. 2006 legte die Rohstahl-Produktion um 18,5 Prozent auf 418,8 Millionen Tonnen zu. Bis 2015 rechnen die Analysten der Deutschen Bank mit einem Zuwachs von acht Prozent jährlich. Dann würde Chinas Weltmarktanteil bei 40 Prozent liegen.

Selbst dann ist Chinas Stahlhunger noch nicht gestillt. Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts will Peking 20 Millionen Autos im Jahr produzieren, dreimal so viele wie heute. Überall im Land wachsen neue Städte aus dem Boden, werden Staudämme gebaut, Eisenbahnschienen verlegt. Auch im Schiffsbau drängt China mit aller Kraft an die Weltspitze.

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Für all das braucht das Reich der Mitte Stahl, Stahl und nochmals Stahl. Xie Qihua, Chinas mächtige „eiserne Lady“ und bis Ende 2006 Chefin von Baosteel, erwartet einen Jahreszuwachs von 13 Prozent – zumal China immer mehr Stahl ins Ausland verkauft. 2006 wurden die Exporte von Stahlprodukten auf 43 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt.

„Mittlerweile kommt chinesischer Stahl auch auf den europäischen Markt“, sagt Salzgitter-Chef Wolfgang Leese. „Aber der ist bislang noch von niedriger Qualität.“ Noch seien die Chinesen keine Konkurrenz für westliche Konzerne, lautet der Tenor in der europäischen Stahlindustrie.

Noch. Denn in den kommenden drei Jahren will Chinas Staatsführung ihre Stahlindustrie zur globalen Spitzenklasse führen. Dafür hat die 63-jährige Xie sogar ihren Topjob bei Baosteel aufgegeben. Sie soll, heißt es in chinesischen Staatsmedien, für die Regierung die Konsolidierung der Stahlbranche umsetzen.

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