Barry Callebaut
Die Schokoladenseite von Jacobs

Jacobs-Firmenchef Andreas Jacobs steuert nach dem Tod seines Vaters ein Firmenimperium, das unter anderem durch Kaffee groß geworden ist und heute sogar auf dem Sportrechtemarkt mitmischt. Von seiner besten Seite zeigt sich vor allem Schokoladenhersteller Barry Callebaut.
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ZÜRICH. Barry Callebaut hat im Moment das, was man im Sport einen Lauf nennt. Der größte Schokoladenhersteller der Welt hat im gerade abgelaufenen Geschäftsjahr seinen Absatz und Gewinn um mehr als sieben Prozent gesteigert, Marktanteile hinzugewonnen und einen globalen Liefervertrag mit dem Nahrungsmittelriesen Kraft Foods abgeschlossen. Wäre da nicht das Auf und Ab auf den Kakaomärkten, Konzernchef Jürgen Steinemann könnte sich entspannt zurücklehnen. Aber Steinemann will mehr.

Im Visier hat der Manager besonders die Lebensmittelriesen, die immer noch einen Großteil ihrer Schokolade selber produzieren. „Wer im Verbrauchergeschäft tätig ist, kann erfolgreicher sein, wenn er sich mit beiden Augen darauf konzentriert und nicht ständig die Produktion von Halbfertigprodukten auch noch im Blick behalten muss“, argumentiert er. Jedes Jahr würden von der Süßwarenindustrie 2,5 Mio. Tonnen Schokolade selbst produziert, aber bislang nur etwa zwölf Prozent davon ausgelagert. „Wir haben also noch viel Potenzial.“ Bislang liegt der Anteil des Outsourcing-Geschäfts am Gesamtumsatz von Barry Callebaut erst bei rund zehn Prozent. Insgesamt erlöste der Konzern zuletzt 5,2 Mrd. Franken bei einem Reingewinn von 252 Mio. Franken. Wichtiger ist für Steinemann, dass er die abgesetzte Menge um 7,6 Prozent steigern konnte, während der Markt praktisch stagnierte.

Seine Maxime: Wenn es läuft, muss man auch nichts ändern. „Als ich vor 15 Monaten hierher kam, wurde ich gefragt, was ich anders machen würde“, berichtet er. „Als ich damals sagte, ich würde gar nichts ändern, herrschte auf einmal betretenes Schweigen. Ich glaube, ein Problem unserer Zeit ist, dass wir ständig Dinge anders machen wollen.“ So lange die Strategie sechs bis acht Prozent Wachstum im Volumen und Ebit erzeuge, müsse auch nichts geändert werden.

Andreas Jacobs gefällt diese Bodenständigkeit. Sie passt in seine Strategie des bedächtigen Wachstums. Der zweitälteste Sohn von Klaus J. Jacobs steuert nach dem Tod der Unternehmerlegende ein Firmenimperium. Neben Barry Callebaut gehört dazu auch Adecco – Jacobs ist der dominierende Einzelaktionär des Personalvermittlers. Außerdem gehört der Familie noch Infront, der nach IMG zweitgrößte Vermarkter von Sportrechten.

Die Fäden zieht Jacobs von Zürich aus. Die Villa am See ist jedoch kaum mehr als ein Stützpunkt. Der Eigentümer ist ständig auf Dienstreise, wenn er sich nicht bei seiner Familie in Hamburg oder bei seinen Pferden in der Nähe von Bremen erholt. Groß geworden ist die Familie mit Kaffee (Jacobs Krönung) und Schokolade (Milka). Vater Klaus hat diese Unternehmensteile aber bereits vor Jahren an den US-Konzern Kraft Foods verkauft.

Heute gehört noch die Schokoladenfabrik Stollwerck zum Imperium. Aber nicht mehr lange: Auch wenn aus dem für dieses Jahr geplanten Verkauf nichts mehr wird, im nächsten Jahr will Jacobs die deutsche Tochter samt ihrer Sarotti-Marke abstoßen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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