Barry Callebaut
Jacobs hält an „Sarotti" fest

Der Schweizer Schokoladenproduzent Barry Callebaut steht unter seinem neuen Verwaltungsratspräsidenten Andreas Jacobs zum deutschen Tochterunternehmen Stollwerck. Dies machte Jacobs im Gespräch mit dem Handelsblatt klar.

ZÜRICH. Barry Callebaut steht zu Stollwerck. Das deutschen Tochterunternehmen produziert an seinem Standort Norderstedt bei Hamburg unter der Marke „Sarotti“ Schokolade für Endverbraucher und gehört damit an sich nicht zum Kerngeschäft des Konzerns, der sich auf die Herstellung von Industrieschokolade für Geschäftskunden spezialisiert hat. „Auch wenn uns Sarotti global nicht weiter hilft, sehe ich eine Zukunft für die Marke“, sagte neuen Verwaltungsratspräsidenten Andreas Jacobs.

Bei Industrieschokolade sind die Schweizer Weltmarktführer. Im Bereich der Schokolade für den Endverbraucher tut sich Barry Callebaut allerdings schwer. Restrukturierungskosten von 94 Mill. Franken (61 Mill. Euro), die vor allem für die Schließung der Stollwerck-Fabrik in Köln und den Umzug nach Norderstedt ausgegeben wurden, waren der Grund für einen Jahresgewinn, der zuletzt von 115,6 auf 68,3 Mill. Franken geschrumpft war. Derzeit sei der Restrukturierungsprozess in seiner letzten Phase, heißt es in einer Mitteilung, die gestern anlässlich der Neun-Monats-Bilanz versandt wurde.

Danach haben die Schweizer ihren Gewinn um 23,8 Prozent auf 126 Mill. Franken steigern können. Der Umsatz nahm um 8,7 Prozent auf 3,3 Mrd. Franken zu. Auch diesmal bildeten die Verbraucherprodukte eine Ausnahme: Ihr Umsatz sank um mehr als ein Prozent auf knapp eine Mrd. Franken. Das Unternehmen begründet diesen Rückgang damit, dass unrentable Verträge mit Discountern aufgelöst worden sind. Die Erwartungen von Analysten hat Barry Callebaut unterm Strich übertroffen. Claudia Lenz von der Zürcher Bank Vontobel sprach von einem „ sehr überzeugenden“ Ergebnis. Die Aktie legte leicht zu.

Der Kauf von Stollwerck und damit auch der Marke „Sarotti“ fiel unter die Ägide des damaligen Chefs Andreas Schmid. Er war Verwaltungsratspräsident, bevor ihn in diesem Jahr Andreas Jacobs abgelöst hat. Die Jacobs-Familie besitzt rund 60 Prozent an Barry Callebaut. „Bei Sarotti haben wir versucht, aus einer günstigen Gelegenheit etwas zu machen. Sarotti schreibt inzwischen schwarze Zahlen. Die Marke eignet sich ideal, um etwas auszuprobieren“, sagte Jacobs. Konkret sprach er den „Trend zu weniger Fett und Zucker in der Ernährung“ an. Barry Callebaut hat darauf mit der Einstellung eines „Innovationsmanagers“ reagiert, der die Entwicklung neuer Produkte vorantreiben soll. Gesunde Ernährung zu einem eigenen Geschäftsbereich zu machen, wie das etwa der Schweizer Lebensmittelproduzent Nestlé praktiziert – davon hält Jacobs nichts. Er will das Know-how im eigenen Haus halten und nutzen.

Das Bekenntnis des neuen Präsidenten zu Stollwerck und dem Standort Norderstedt dürfte in Deutschland, wo die Mitarbeiter am meisten unter der Restrukturierungsbemühungen der Schweizer zu leiden hatten, für Erleichterung sorgen. „Norderstedt ist für uns ein sehr wettbewerbsfähiger Standort, weil er ausgelastet und innovativ ist", fügte Jacobs hinzu.

Der Konzern bekräftigte gestern, vom nächsten Geschäftsjahr an jährlich im Durchschnitt ein organisches Umsatzwachstum von drei bis fünf Prozent erzielen zu wollen. Wachstumstreiber sollen die Regionen Osteuropa und Amerika werden. Der Gewinn soll um zwölf bis 15 Prozent steigen. „Barry Callebaut“, sagte Jacobs, „hat den Vorteil, die gesamte Wertschöpfungskette zu beherrschen: von der Elfenbeinküste bis zum Endkunden.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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