Basell und Dow
Neue Akteure in der Petrochemie

Es wird aufregend in der Chemiebranche: Gleich zwei große Deals kündigen sich an. Während es bei einem um eine strategische Allianz geht, wäre der andere eine handfeste Fusion – beides macht angesichts einer globalen Entwicklung Sinn.

FRANKFURT. In der petrochemischen Industrie formieren sich neue große Akteure: So unterzeichneten der Chemieriese Dow Chemical und der Ölkonzern Saudi-Aramco jetzt einen Absichtserklärung für den Bau einer riesigen, vermutlich mehr als 20 Mrd. Dollar teuren Petrochemieanlage am persischen Golf. Gleichzeitig arbeitet der amerikanische Unternehmer und Finanzier Len Blavatnik offenbar daran, aus dem Kunststoffhersteller Basell und dem US-Konzern Lyondell einen neuen Großchemie-Konzern aufzubauen.

Bereits vor zwei Jahren erwarb der russischstämmige Investor über seine Investmentgesellschaft Access Industrie den Kunststoffhersteller Basell für 5,4 Mrd. Dollar von BASF und Shell. Über einen Vertrag mit Merrill Lynch hat sich Blavatnik vergangene Woche nun auch Zugriff auf einen achtprozentigen Anteil an Lyondell, dem derzeit viertgrößten amerikanischen Chemiehersteller, gesichert. Zugleich kündigte er in einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC an, weitere Käufe von Lyondell-Aktien sowie einen Zusammenschluss von Lyondell mit Access oder Basell zu prüfen.

Aus einer solchen Fusion würde der viertgrößte Chemiehersteller der Welt mit einem Jahresumsatz von gut 34 Mrd. Dollar hervorgehen. Nach der britischen Ineos-Gruppe (mit derzeit etwa 33 Mrd. Dollar Umsatz) wäre Lyondell/Basell zudem bereits der zweite Chemieriese, der durch kreditfinanzierte Transaktionen nach dem Muster von private Equityfirmen entsteht.

Lyondell wird derzeit mit rund 9,3 Mrd. Dollar bewertet, nachdem die Aktie in der vergangenen Woche in Reaktion auf die Ankündigungen Blavatniks bereits um mehr als zehn Prozent zugelegt hat. Der US-Konzern hatte sich seinerseits vor zwei Jahren mit der Übernahme des Basischemie-Herstellers Millienium Chemicals starkt vergrößert. Im vergangenen Jahr verbuchte Lyondell gut 22 Mrd. Dollar Umsatz und eine Mrd. Dollar Betriebsgewinn. Das Unternehmen gehört unter anderem zu den führenden Herstellern des Massenkunststoffs Polyethylen. Außerdem ist Lyondell ein wichtiger Produzent von Propylen, einer Grundchemikalie, die Basell zum Kunststoff Polypropylen (PP)weiterverarbeitet.

Das niederländische Unternehmen Basell, das in den 90er Jahren aus dem Zusammenschluss diverser Kunststoffbereiche von BASF, Hoechst und Shell entstand, gilt als weltweit führender PP-Hersteller mit einem Umsatz von zuletzt 13 Mrd. Dollar und deutlich steigenden Erträgen. Ein Zusammenschluss mit Lyondell würde die Wertschöpfungskette in Richtung Basischemikalien erweitern. Es sei daher eine „strategisch passende Kombination“, zitiert die Agentur Bloomberg den Analysten Kevin McCarthy von Bank of America. Basell gilt außerdem als ein Interessent für die Kunststoffsparte von General Electric.

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