BASF-Konkurrenten Dupont und Dow
Es knallt in der Chemie

In den USA kündigt sich die nächste Megafusion an: Dupont und Dow planen einen Zusammenschluss im Wert von 120 Milliarden Dollar. Ein neuer Weltmarktführer würde entstehen – BASF und Bayer dürfen sich nicht zurücklehnen.

DüsseldorfDie Wirtschaft in den USA erlebt seit Monaten eine riesige Fusionswelle. Den bisherigen Höhepunkt lieferte vor wenigen Wochen die Pharmaindustrie mit der 160 Milliarden Dollar schweren Übernahme von Allergan durch Pfizer. Nun wird auch die eher konservative Chemieindustrie erfasst. Laut übereinstimmenden Medienberichten verhandeln Dow Chemical und Dupont über eine Fusion im Wert von 120 Milliarden Dollar. Schon am Donnerstag könnte diese Fusion bekannt gegeben werden.

Die Chemiebranche würde damit kräftig aufgemischt: Es würden sich die Nummer eins und zwei der Branche in den USA zusammentun. Zusammen würden Dow Chemical und Dupont dem Ludwigshafener BASF den Thron in der globalen Chemie entreißen. Nach Zahlen von 2014 kämen sie auf einen Umsatz von umgerechnet 79 Milliarden Euro, BASF erzielte 74 Milliarde Euro.

BASF könnte die Spitzenposition aber behalten, denn möglicherweise werden sich die Amerikaner nach dem Zusammenschluss wieder aufspalten. Aus der Masse der beiden Großanbieter könnten zwei oder drei neue und fokussierte Konzerne entstehen. Und darin liegt die eigentlich Herausforderung und Bedrohung für die deutschen Konkurrenten, zu denen neben BASF auch Bayer, Evonik und Lanxess zählen.

Dow und Dupont haben in einem ersten Schritt nur über die Zusammenlegung der Geschäfte mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut gesprochen. Beide sind in diesem Segment derzeit angeschlagen, Dupont noch mehr als Dow. Der starke Dollar und die schwache Nachfrage auf dem brasilianischen Landwirtschaftsmarkt setzen ihnen zu, und sie stecken dies schlechter weg als die europäischen Konkurrenten.

Doch im Zuge dieser Gespräche dürften die US-Konzerne Gefallen am Aufbau fokussierter Chemieanbieter bekommen haben. Denn sie sind nicht nur im Agrargeschäft Konkurrenten, sondern auch bei der Kunststoffproduktion, bei der Belieferung der Bau- und Elektronikindustrie oder bei der Herstellung von Inhaltsstoffen für Körperpflege und Medikamente. Aus diesem Sammelsurium sollen nun womöglich drei schlagkräftige Einheiten geschaffen werden.

Die Logik des Deals wäre auch seine Stärke: Es werden wachstumsstarke und lukrative Spezialgeschäfte zusammengeführt und von denen getrennt, die mittlerweile Massengeschäfte geworden sind und weniger Gewinn abwerfen. Letztere laufen mittlerweile nach ganz anderen Marktgesetzen und müssen anders gesteuert werden.

Für die deutschen Konkurrenten bedeutet dies: Sie werden schlagkräftigen neuen Anbietern aus den USA gegenüberstehen, die in den jeweiligen Märkten eine herausragende Position haben.

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