BASF-Tochter schließt langfristigen Vertrag mit Gazprom
Wintershall sichert sich Gaslieferungen aus Russland

Die BASF-Tochter Wintershall hat ihre Gasbezüge aus Russland langfristig abgesichert. Die Handelsgesellschaft des Unternehmens, die Wingas GmbH, einigte sich mit dem weltgrößten Gaskonzern Gazprom auf eine frühzeitige Verlängerung ihrer Verträge bis Ende 2030.

juf MOSKAU. Wingas-Chef Rainer Seele und Gazprom-Vorstandsmitglied Alexander Medvedev unterzeichneten in Moskau eine entsprechende Vereinbarung. Die bisherigen Verträge wären um das Jahr 2012 herum ausgelaufen.

Dem Abkommen zufolge werden vom Jahr 2005 an jährlich 20 Mrd. Kubikmeter Erdgas nach Deutschland fließen. Insgesamt summieren sich die Lieferungen damit bis 2030 auf 500 Mrd. Kubikmeter. Zum Vergleich: Diese Menge würde ausreichen, um ein Jahr lang die 25 Mitgliedstaaten der EU komplett mit Gas zu versorgen. Zudem haben Gazprom und Wingas, an der Gazprom selbst mit 35 Prozent beteiligt ist, eine Option vereinbart, von 2007 an die Lieferungen um weitere zwei Mrd. Kubikmeter aufzustocken. Damit würden bis 2030 weitere 50 Mrd. Kubikmeter Gas von Russland nach Europa fließen.

Das Abkommen dürfte Signalwirkung für die weitere Entwicklung der europäischen Gasimporte haben. In den kommenden Jahren wird mit einer deutlich steigenden Nachfrage nach Erdgas gerechnet. Zum einen verwenden Privathaushalte verstärkt Gas für ihre Heizungen. Zum anderen wird Gas von den Energiekonzernen vermehrt zur Stromproduktion eingesetzt. Nach der aktuellen Prognose der International Energy Agency (IEA) wird die jährliche Nachfrage in Europa nach Gas bis zum Jahr 2030 um rund zwei Drittel auf 786 Mrd. Kubikmeter anziehen. Die Bedeutung Russlands, das über die größten Gasreserven der Welt verfügt, wird nach der IEA-Projektion noch zunehmen.

Auch bei der Wingas wird nach Seeles Worten die Bedeutung russischen Gases an den Bezugsquellen, der derzeit rund 75 Prozent beträgt, eher wachsen. „Das wettbewerbsfähigste Gas kommt aus Russland und wird aus Russland kommen“, sagte er und wies damit Spekulationen zurück, Wintershall wolle sich unabhängiger von Gazprom machen. In den vergangenen zwei Wochen hatte er angekündigt, sich künftig auch in Norwegen und Libyen an der Gasförderung zu beteiligen. Gaz prom-Vorstandsmitglied Medvedev reagierte auf die Pläne gelassen: „Wir sehen das als Ergänzung der Gasströme an, nicht als Ersatz.“

Nach den Worten von Wingas-Chef Seele macht das Unternehmen mit dem Abkommen weiter Boden gut zu Marktführer Eon Ruhrgas. „Wir sind jetzt was die Importe aus Russland angeht auf einer Augenhöhe“, betonte Seele. In diesem Jahr wird der Absatz des Unternehmens nach seinen Worten um drei auf 19 Mrd. Kubikmeter zunehmen.

Keine Vorentscheidung ist mit dem Abkommen dagegen nach übereinstimmender Aussage von Seele und Medvedev über den Bau der von Gazprom geplanten Pipeline durch die Ostsee gefallen. Die vereinbarte Liefermenge könne auch mit den bestehenden Pipelines transportiert werden, sagte der Gazprom-Manager.

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