Batterien-Werk
Japaner sollen Akkus in Deutschland produzieren

Der Bau eines Batterien-Werks in Niedersachsen durch einen japanischen Elektronikkonzern wird immer wahrscheinlicher. Als Kandidat für ein Investment gilt der japanische Batteriehersteller Sanyo, der bereits mit VW kooperiert.

TOKIO. Dem niedersächsische Ministerpräsidenten Christian Wulff zufolge könnte ein japanischer Elektronikkonzern in seinem Bundesland ein Werk für Autobatterien der neuen Generation bauen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in den kommenden zwei Jahren eine Investitionsentscheidung für die Fertigung von Lithium-Ionen-Akkus bekommen“, sagte Wulff am Freitag in Tokio. Dieser Typ von Batterien gilt als der kommende Standard für umweltfreundliche Elektroautos und Hybridfahrzeuge. Alle größeren Autohersteller entwickeln derzeit entsprechende Modelle – auch VW, das wichtigste Industrieunternehmen Niedersachsens.

Wulff hatte zuvor auf einer Japan-Reise mit den Batterieherstellern Sanyo und Toshiba gesprochen. Sanyo gilt in der Branche als der wahrscheinlichere Kandidat für ein Investment in Deutschland. Das Unternehmen kooperiert bereits mit VW für die Entwicklung und Produktion von Lithium-Ionen-Akkus. Auch Toshiba arbeitet mit den Wolfsburgern zusammen. Eine Absichtserklärung der beiden Unternehmen betrifft Antriebssysteme für Hybrid- und Elektroautos. Japan verfügt gerade bei Hybridautos über einen Vorsprung von zehn Jahren vor Deutschland.

Dem Technikberater Fuji Keizai zufolge hat der Markt für große Lithium-Ionen-Batterien 2008 eine Größe von 2,5 Mrd. Euro erreicht und wird bis 2014 auf vier Mrd. Euro wachsen.

Sanyo will auch die Volkswagen-Gruppentochter Audi sowie Porsche mit Lihium-Ionen-Batterien beliefern. Das Unternehmen investiert in einem Dreijahresprogramm derzeit 780 Mill. Euro in neue Batterietechnik. Sanyo ist bereits weltweiter Marktführer für aufladbare Batterien und will diese Position im Zeitalter der emissionsarmen Autos weiter ausbauen. Das Unternehmen befindet sich wegen dieses strategischen Vorteils derzeit in Übernahme durch den größeren Wettbewerber Panasonic, der wiederum mit dem VW-Rivalen Toyota in der Batterietechnik kooperiert. Toshiba ist ebenfalls bereits Toyota-Zulieferer. Toyota selbst verzichtet derzeit jedoch in der Praxis noch auf Lithium-Ionen-Technik – der bisherige Batterietyp gilt noch als zuverlässiger.

Auch Continental spielt im deutsch-japanischen Batteriepoker mit. Der Autozulieferer besitzt 16 Prozent an dem technisch besonders fortgeschrittenen japanischen Anbieter Enax, der wiederum Daimler mit Akkus für dessen Hybridfahrzeuge beliefern soll.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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