Bau der Autobahn A72
Strabag-Niederlassung wegen Korruption geschlossen

Im Zusammenhang mit den vermuteten Millionenbetrügereien beim Bau der Autobahn A 72 von Chemnitz nach Hof hat die Stabag ihre Chemnitzer Niederlassung geschlossen. Die Zentrale des Baukonzerns in Köln wurde von der Staatsanwaltschaft durchsucht.

HB DRESDEN. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz hat ihre Ermittlungen wegen vermuteter Millionenbetrügereien beim Bau der Autobahn A 72 (Chemnitz - Hof) ausgeweitet. Ermittler hätten am Donnerstag die deutsche Zentrale des österreichischen Baukonzerns Strabag in Köln durchsucht, teilte die Anklagebehörde am Freitag mit. Dabei seien umfangreiche Unterlagen unter anderem der Innenrevision als Beweismaterial sicher gestellt worden. Die Kölner Strabag-Zentrale ordnete nach Bekanntwerden der Vorwürfe die Schließung ihrer Chemnitzer Niederlassung an.

Oberstaatsanwalt Gerd Schmidt sagte, es solle geklärt werden, bis zu welcher Ebene Verantwortliche des Konzerns möglicherweise von kriminellen Machenschaften gewusst hätten. Bereits Anfang der Woche waren in Sachsen, Hessen und Berlin mehrere Dutzend Wohnungen, Firmenräume sowie Behörden durchsucht worden. Zum Kreis der Beschuldigten gehören neben mehreren Geschäftsleuten auch zwei Mitarbeiter von sächsischen Straßenbaubehörden. Ihnen wird vorgeworfen, Schmiergelder teils in sechsstelliger Höhe im Gegenzug für Tipps im Vergabeverfahren kassiert zu haben.

Das Wirtschaftsministerium in Dresden erklärte, gegen die Betroffenen seien inzwischen disziplinarrechtliche Ermittlungen eingeleitet worden. Angaben dazu, welche Straßenbaubehörden in den Fall verwickelt sind, wurden nicht gemacht. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem der größten Korruptionsfälle in Ostdeutschland seit Jahren. Durch kriminelle Geschäfte beim Bau der Autobahn sei nach bisherigen Ermittlungen ein Schaden von mindestens 27 Mill. Euro angerichtet worden. In dem Fall hatte es bereits Ende 2005 erste Festnahmen gegeben. Die beiden Hauptverdächtigen, ein früherer Strabag-Manager sowie ein Chemnitzer Geschäftsmann, stehen derzeit in Chemnitz vor Gericht.

Strabag räumte Korruptionsfälle in seiner Chemnitzer Niederlassung ein. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hätten ein systematisches Betrugs- und Korruptions-Netzwerk offenbart, bei dem es zu Millionenschäden für das Unternehmen und auch bei Dritten gekommen sei, hieß es. Die genaue Schadenshöhe werde noch ermittelt.

Ins Rollen gekommen waren die Ermittlungen 2005 nach der Ermordung eines Paares aus dem sächsischen Plauen in der Dominikanischen Republik. Bei der Spurensuche in dem Mordfall waren die Beamten auf Ungereimtheiten beim Bau der Autotrasse gestoßen.

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