Bau des A350
„Dann wird Airbus sterben“

Monatelang hatte EADS die Entscheidung für den Bau des neuen Langstreckenflugzeugs A350 hinausgezögert. Erst am Freitag kam das Ok für das Projekt. Nach den Verzögerungen beim größeren A380 muss ein Erfolg her. Wie ernst die Situation ist, machen die klaren Worte eines Branchenkenners deutlich, des Chefs der Fluglinie Emirates.

HB/ali FRANKFURT. „Wenn sie das nicht schaffen, dann wird Airbus sterben“, sagte Emirates-Chef Tim Clark der „Süddeutschen Zeitung“ in bezug auf den Bau des A350 (Montagausgabe). Die Fluglinie habe der EADS-Tochter Airbus klargemacht, „dass sie ihren Laden in Ordnung bekommen müssten“. Schon vor vier oder fünf Jahren habe es Hinweise auf Probleme bei den Prozessen und Methoden gegeben. Dennoch sei die Struktur des Unternehmens nicht verändert worden. „Wie konnten die das nur in den Sand setzen?“, sagte Clark.

Emirates ist einer der wichtigsten Kunden von Airbus. Die Fluglinie mit Sitz in Dubai hat unter anderem 45 Großraumflugzeuge vom Typ A380 bestellt. Die Probleme lägen in der Struktur bei EADS, meinte Clark. Die Produkte seien hingegen gut. „Der A380 ist ein gutes Flugzeug. Es ist gut geplant, es fliegt gut.“ Der A380 wird mit zwei Jahren Verzögerung ausgeliefert, weil es Probleme bei der Elektrik gibt. Die mehrere Milliarden Euro teuren Verzögerungen hatten den Airbus-Mutterkonzern EADS in eine schwere Krise gestürzt. In kurzer Folge wurden einer der beiden EADS-Konzernchefs und gleich zwei Airbus-Chefs ausgewechselt.

Finanzierung noch ungeklärt

Trotz einer noch weitgehend ungeklärten Finanzierung hat die EADS-Führung am Freitag grünes Licht für die Entwicklung des neuen Langstreckenflugzeugs A350 in der überarbeiteten Version XWB gegeben. Der deutsch-französische Luftfahrtkonzern teilte nur mit, dass er die Neuentwicklung, die rund 10 Mrd. Euro kosten dürfte, „vorrangig aus dem Cash-Flow“ bezahlen will. Weitere Finanzierungsbeiträge sollen das Sparprogramm „Power 8“ sowie Industriepartner liefern. EADS schätzt, dass der Großteil der Kosten in den Jahren 2010 bis 2013 anfällt. Damit hat der Konzern zur Schließung von möglichen Finanzlücken noch Zeit.

Aus Aktionärskreisen hieß es, dass zwei Varianten für die weitere Mittelbeschaffung ins Auge gefasst werden: eine Hybrid-Anleihe, eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital, die möglicherweise von den Airbus-Partnerstaaten Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien garantiert wird. Oder eine Kapitalerhöhung bei EADS unter Ausschluss der Altaktionäre. „Eine Kapitalerhöhung zu Gunsten des französischen Staates ist vom Tisch“, hieß es aus Aktionärskreisen. Auch Frankreichs Finanzminister Thierry Breton schloss in einem Interview mit der Handelsblatt-Partnerzeitung „La Tribune“ eine Kapitalerhöhung nicht aus. Von einem Ausschluss der Altaktionäre will Breton dagegen nichts wissen. „Wir werden klar unsere Rolle spielen, entsprechend dem Anteil unserer Verpflichtung“, sagte Breton. Ein EADS-Sprecher verwies lediglich darauf, dass die zusätzliche Mittelbeschaffung die Bilanz des Konzerns nicht schwächen dürfe.

Boeing ist früher dran

Die A350 XWB soll der neuen Boeing 787 Konkurrenz machen. Die A350 soll 2013 in den Dienst gestellt werden, die B787 bereits in zwei Jahren. Experten schätzen, dass diese Langstreckenflugzeuge mit einer Kapazität von bis zu 370 Passagieren in den kommenden 20 Jahren rund 40 Prozent Anteil am Marktwert haben werden.

EADS-Co-CEO und Airbus-Chef Louis Gallois will die A350 am heutigen Montag der Presse vorstellen. EADS hatte den Start für das neue Flugzeug verschoben, da sich die EADS-Aktionäre, französischer Staat, Lagardère und Daimler-Chrysler, nicht auf ein Finanzierungskonzept einigen konnten.

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