Bau einer Gaspipeline
Die Angst vor der Röhre

Werner Breuer leitet ein umstrittenes Projekt: Der gelernte Verfahrenstechniker des Chemieriesen Bayer ist für den Bau einer Gaspipeline durch Nordrhein-Westfalen verantwortlich - sehr zum Unmut der skeptischen Anwohner. Auf Werbetouren preist Breuer die Sicherheit der Pipeline und kämpft gegen das Misstrauen der Bürger. Eine Ortsbesichtigung.

ERKRATH. Es ist ein richtiges Sauwetter. Unter dem grauen Novemberhimmel ziehen immer neue Regenschleier über den Marktplatz. Doch davon lässt sich Werner Breuer an diesem Samstagmittag nicht abschrecken. Schon seit Stunden steht er mit warmem, dunklem Blouson im Schutz von zwei Partyzelten und diskutiert mit Bürgern des Städtchens Erkrath bei Düsseldorf.

Der sympathische 55-Jährige versucht, gut Wetter zu machen für die umstrittene Gas-Pipeline, die sein Arbeitgeber Bayer fast quer durch die 50 000-Einwohner-Gemeinde führen will. Obwohl die Planungen für die Kohlenmonoxid-Leitung des Chemiekonzerns schon mehrere Jahre laufen, haben die Bürger Fragen über Fragen - Ängste und Sorgen. Breuer redet über die Sicherheit von Schweißnähten, über Notfallpläne und den Nutzen des Projekts, zeigt Modelle der Rohre und verteilt Broschüren.

Samstag für Samstag zieht er so mit Mitarbeitern und Zelten von Ort zu Ort entlang der Pipeline, die vom Werk Dormagen südlich von Düsseldorf über rund 67 Kilometer rechtsrheinisch bis zum Werk Krefeld-Uerdingen führen soll, und wirbt um Vertrauen. Breuer ist weder Werbestratege noch Pressesprecher des Konzerns: Er selbst leitet beim Chemieriesen das Pipeline-Projekt, das seit Wochen die Gemüter erhitzt.

Der gelernte Verfahrenstechniker scheint für den Konzern ein echter Glücksgriff zu sein: Die Krawatte hat er gegen einen einfachen Schal getauscht. Das Fachwissen verpackt er in leicht verständliche Worte. Und er hat stets ein neues Argument für seine Ansichten im Hinterkopf. Fast schon mit stoischer Ruhe versucht er, auch aufgebrachte Menschen von den Bayer-Plänen zu überzeugen.

Breuers Aufgabe ist alles andere als einfach. Denn der Streit über die Bayer-Pipeline ist gleich ein doppeltes Lehrstück. Es zeigt, wie schwer es für Industrieunternehmen geworden ist, Großinvestitionen im dicht besiedelten Deutschland durchzusetzen - und wie wichtig es für sie ist, frühzeitig und offensiv über alles zu informieren. Es zeigt aber auch, welches Misstrauen die Bürger mittlerweile Konzernen gegenüber hegen - und welche Möglichkeiten sie haben, die Pläne von Managern zu durchkreuzen. Protestbewegungen wie in Wackersdorf, Gorleben oder gegen die Startbahn West in Frankfurt haben die Bürger selbstbewusster gemacht.

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