Bau einer Großanlage
Katar verdoppelt Flüssiggas-Produktion

Trotz Finanzkrise weitet das Emirat Katar seine Kapazitäten zur Herstellung von Flüssiggas massiv aus. Bis 2011 will der weltgrößte Exporteur von Liquid Natural Gas die Produktion von 30 Mio. Tonnen pro Jahr auf 77 Mio. Tonnen hochfahren. Möglich werden soll dies durch den Bau der weltweit größten Flüssiggas-Anlage, die in zwei Jahren ans Netz gehen soll. Deutsche Unternehmen begrüßen das Vorhaben.

DUBAI. Der gerade eingeweihte erste Teil des mehrstufigen Projekts kostet rund 13 Mrd. Dollar. Ab 2011 soll ein zusätzliches Volumen von 47 Mio. Tonnen Flüssiggas pro Jahr erzielt werden. Der Zwergstaat, der 1,6 Mio. Einwohner hat, verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Erdgas-Reserven der Welt. Nach Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) nimmt Katar in den kommenden drei Jahren mehr als 153 Mrd. Dollar durch die Gas-Ausfuhren ein.

Katar gilt derzeit als einer der wenigen Hoffnungsschimmer im arabischen Raum, weil der Staat trotz Finanzkrise kräftig zulegen kann. Nach Schätzungen des Wirtschaftsdatendienstes "Economist Intelligence Unit" kann der Golf-Staat 2009 mit einem Wachstum von 10,8 Prozent und 2010 sogar von 21,8 Prozent rechnen. Im vorigen Jahr kletterte das Bruttoinlandsprodukt um 13,4 Prozent.

Deutsche Unternehmen sehen in der neuen Flüssiggas-Anlage eine weitere Aufwertung des Standorts Katar. "Da Flüssiggas nicht den Schwankungen des Ölmarktes unterliegt, können die Firmen wesentlich besser kalkulieren", sagt Michael Rau, Geschäftsführer der Süd-Chemie in Katar, die im Land Katalysatoren für die Umwandlung von Erdgas in Diesel herstellt. Der Löwenanteil des in Druckbehältern verschifften Flüssiggases wird über Verträge mit 25 Jahren Laufzeit verkauft. Die Export-Einnahmen des Emirats gehen daher deutlich weniger zurück als bei den Öl- und Gas-Förderern, die derzeit wegen des weltwirtschaftlichen Abschwungs stark unter dem Preisverfall leiden. Auch Siemens, Linde, die BASF-Tochter Wintershall sowie Eon Ruhrgas sind in Katar aktiv.

Der Gasversorger Eon Ruhrgas, der kürzlich ein Büro in der Hauptstadt Doha eröffnet hat, will stärker in der Region Fuß fassen. "Wir streben ein langfristiges Engagement im Mittleren Osten an", betont John Roper, Vize-Präsident für den Bereich Flüssiggas bei Eon Ruhrgas. "Wir müssen die Gas-Lieferungen auf lange Sicht sichern." Flüssiggas macht zwar weltweit nur sieben Prozent des gesamten Gas-Angebots aus, doch die Tendenz ist steigend. So nahm der klassische Gas-Handel über Pipelines 2007 nur um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, beim Flüssiggas betrug die Wachstumsrate dagegen 7,3 Prozent.

Mit der neuen Präsenz am Golf rennt Eon Ruhrgas in Doha offene Türen ein: Die katarische Regierung drängt deutsche Firmen bereits seit einiger Zeit zu einem Einstieg in den heimischen Gas-Sektor. So mahnte Energieminister Abdullah Al-Attiyah bei einem Besuch von Wirtschafts-Staatssekretär Bernd Pfaffenbach im Januar eine "strategische Partnerschaft" zwischen beiden Staaten an, um Deutschlands Abhängigkeit von Russland zu vermindern. Eon Ruhrgas bezieht den größten Teil seiner Lieferungen aus dem Osten.

Katar, das 1,1 Mio. Barrel Öl pro Tag fördert, verfügt auf Grund der Rohstoff-Einnahmen der vergangenen Jahre über prall gefüllte Staatskassen. Die Regierung will damit nicht nur die Gas-Industrie fördern, sondern auch die Infrastruktur kräftig aufpäppeln. So fließen in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Mrd. Dollar in den Bau eines neuen Finanz-Distrikts in Doha, eines Großflughafens sowie in diverse Immobilien-Vorhaben.

Eines der Vorzeige-Projekte ist der 14 Mrd. Dollar teure Luxuswohn-Komplex Pearl auf einer künstlich gebauten Insel. Ein weiteres Highlight besteht in der Anlage eines 45 Kilometer langen Damms, der eine 22 Kilometer lange Brücke zwischen Katar und Bahrain einschließt. Darin enthalten ist eine sechsspurige Schnellstraße sowie eine Eisenbahn für Passagier- und Frachtverkehr. Kostenpunkt: sieben Mrd. Dollar. Daran beteiligt ist auch der Essener Bau-Konzern Hochtief. "Katar ist neben dem Emirat Abu Dhabi und Saudi-Arabien einer der Lichtblicke am Golf", sagt Peter Göpfrich, Chef der Außenhandelskammer in Dubai.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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