Baubranche
Bau hofft auf Staatsaufträge am Golf

Große Baukonzerne auf der Arabischen Halbinsel ändern ihre Strategie: Statt auf den Bau neuer Wohn- und Büroimmobilien setzen sie auf Kraftwerke und Infrastrukturprojekte. Saudi-Arabien, Katar und Abu Dhabi stecken Milliarden in Straßen und Eisenbahnstrecken.

ABU DHABI. Große Baukonzerne auf der Arabischen Halbinsel ändern ihre Strategie: Statt auf den Bau neuer Wohn- und Büroimmobilien setzen sie auf Kraftwerke und Infrastrukturprojekte. In diesem Segment gebe es "neue Filetstücke", sagte Mark Prior, Chef des Mittelostbüros der Beratungsfirma EC Harris am Rande der Messe "Arabischer Bau-Gipfel" in Abu Dhabi. Angesichts sinkender Gewinnspannen im privaten Immobiliensektor hoffen nun viele Betriebe auf lukrative Staatsaufträge der Regierungen am Persischen Golf.

Grund für den Schwenk in der Branche sind die Liquiditätsengpässen regionaler Banken, die unter den Auswirkungen der globalen Finanzkrise leiden. Vor allem in Dubai kämpfen Bau-Entwicklungsgesellschaften mit einer Kettenreaktion: Banken knausern mit Hypothekendarlehen und vergeben keine Kredite mehr an Immobilienspekulanten. Wegen schrumpfender Nachfrage sinken die Preise. In der Folge finden viele Wohnungen kaum noch Käufer, Vertragsfirmen bleiben auf ihren Zahlungs-Forderungen sitzen.

"Das Jahr hat extrem schwierig begonnen: Wir müssen Projekte auf Eis legen", sagte Fatima Al Jaber, Chief Operating Officer des Bau-Unternehmens Al Jaber Group in Abu Dhabi. So hat die Entwicklungsgesellschaft Nakheel in Dubai ihren Plan für die Anlage eines ein Kilometer hohen Turms bereits auf die lange Bank geschoben.

Vor diesem Hintergrund hofft die Bauwirtschaft am Persischen Golf nun auf öffentliche Investitionen in Kraftwerke, Kläranlagen, Krankenhäuser, Schulen, Straßen und Brücken. Die Regierungen der sechs-Golf-Staaten haben Infrastruktur-Projekte in Höhe von einer Billion Dollar angekündigt.

Allein Saudi-Arabien, der weltgrößte Öl-Exporteur und die stärkste Volkswirtschaft in der Region, will in den kommenden Jahren 400 Mrd. Dollar lockermachen. Das Königreich hat für 2009 Ausgaben in Höhe von rund 127 Mrd. Dollar reserviert, ein Plus von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Eines der Mega-Vorhaben der Saudis ist die Schaffung von sechs Wirtschafts-Zentren in der Wüste. Die spektakulärste Stadt ist die "King Abdullah Economic City", ein 30 Mrd.-Dollar für mehr als zwei Millionen Einwohner.

Auch Katar, der größte Flüssiggas-Exporteur der Welt, will seine Schatullen öffnen. So plant die Regierung in Doha die Anlage eines 45 Kilometer langen Damms, der eine 22 Kilometer lange Brücke zwischen Katar und Bahrain einschließt. Das Projekt besteht aus einer sechsspurigen Schnellstraße sowie einer Eisenbahn für Passagier- und Frachtverkehr. Kostenpunkt: rund sieben Mrd. Dollar. Daran beteiligt ist auch der Essener Bau-Konzern Hochtief, der Niederlassungen in Katar, Bahrain und Abu Dhabi hat. "Wir müssen nach den rasanten Wachstumsjahren zur Substanz zurückkehren. Aber die Golf-Staaten sind alles in allem noch in einer komfortablen Situation", erläutert Eimert Los, Vorsitzender der Geschäftsleitung von Hochtief Construction.

Seite 1:

Bau hofft auf Staatsaufträge am Golf

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%