Baubranche
Heidelcement steckt in der Klemme

Die mehrheitlich zur Merckle-Gruppe gehörende Baustoffkonzern Heidelberg Cement muss seine Finanzierung neu ordnen. Das Unternehmen versucht nun in Verhandlungen mit seinen mehr als 40 Gläubigerbanken, die Laufzeiten seiner Verbindlichkeiten zu verlängern.

FRANKFURT/STUTTGART. Geplant sind nach Angaben von Heidelcement ferner eine Stärkung des Eigenkapitals und der Verkauf von Randaktivitäten. Ähnlich wie zuvor schon Merckle, stehen damit auch Heidelcement-Chef Bernd Scheifele sehr schwierige Verhandlungen bevor. Von netto 12,3 Mrd. Euro Finanzschulden werden 900 Mio Euro in diesem Jahr und mehr als fünf Mrd. Euro 2010 fällig. Angesichts rückläufiger Cash-Flows ist der Konzern zudem in akuter Gefahr, seine Kreditbedingungen zu verletzen. Eine Refinanzierung über den Kapitalmarkt gilt angesichts der aktuellen Finanzmarktsituation zudem als nahezu ausgeschlossen.

Kreditexperten gehen daher davon aus, dass die Banken dem Unternehmen Zinsaufschläge von mehreren Hundert Basispunkten abverlangen werden. "Die Zinslast für den Konzern wird damit deutlich steigen", schätzt Kreditanalyst Jochen Schlachter von Unicredit. Die Aussicht auf höhere Finanzierungskosten und eine Kapitalerhöhung bescherte der Heidelberg Cement-Aktie gestern einen Kursverlust von zeitweise mehr als 14 Prozent.

Auf Bankenseite werden sich überwiegend die gleichen Adressen wieder treffen, die schon bei Merckle am Tisch saßen, darunter RBS, Deutsche Bank, Commerzbank und LBBW. Völlig unklar bleibt dagegen, wer eine Kapitalerhöhung zeichnen könnte. Die Firmengruppe des verstorbenen Adolf Merckle, die knapp 80 Prozent der Anteile hält, scheidet als Kapitalgeber aus. Sie hatte Anfang des Jahres nur mit Müh und Not einen Überbrückungskredit erhalten und soll zerschlagen werden. Nach Informationen aus Finanzkreisen planen die Banken dabei, Merckles Anteile an Heidelcement in einer Art Treuhandgesellschaft zu bündeln und später zu verkaufen.

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