Bauindustrie
Heitkamp sucht Hilfe bei der Politik

Angesichts der drohenden Insolvenz des Herner Bau- und Bergbauunternehmens Heitkamp-Deilmann-Haniel (HDH) und Demonstrationen vor dem Düsseldorfer Landtag hat sich jetzt NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) in die Rettungsbemühungen eingeschaltet.

DÜSSELDORF. „Wir wollen keine Chance zur Sicherung der Arbeitsplätze in der Bergbausparte des Unternehmens verpassen“, sagte Thoben nach einem ersten Gespräch mit Managern der HDH und des einzigen deutschen Konkurrenten Thyssen Schachtbau. In den kommenden Tagen soll es weitere Verhandlungen unter Moderation der Wirtschaftsministerin mit allen Beteiligten, also auch der Deutschen Steinkohle AG (DSK) und der Gewerkschaft IGBCE zur Zukunft des Schachtbaus bei HDH geben.

HDH-Chef Jochen Rölfs ist mit dem ersten Gespräch zufrieden, wie er dem Handelsblatt sagte. Er habe keine Wunder erwartet. Doch seien bereits neue Lösungen angedeutet worden. Er bestätigte, dass die Bausparte von HDH, auf die rund die Hälfte des Umsatzes von 900 Mill. Euro entfällt, „im Moment außen vor“ sei. Die Sanierung laufe planmäßig, obwohl es keinen Anlass für Euphorie gebe.

An einer Kundgebung der IGBCE vor dem Wirtschaftsministerium in Düsseldorf nahmen nach Angaben der Gewerkschaft 2 000 Demonstranten teil, darunter auch Mitarbeiter von Thyssen Schachtbau und der DSK. Beide Unternehmen sind im Bergbaugeschäft abhängig von dem einzigen Auftraggeber DSK. Wegen der auslaufenden hochsubventionierten Kohleförderung hat der Wettbewerb um Aufträge zum Streckenvortrieb und Schachtbau an Schärfe gewonnen. HDH ist in Schwierigkeiten geraten, weil die Aufträge der DSK im Kohlebergbau drastisch zurückgegangen sind. Rölfs wirft der DSK vor, durch die Vergabe von Aufträgen an osteuropäische Billiganbieter den Schulterschluss mit den heimischen Partnern aufzukündigen.

DSK-Chef Bernd Tönjes wies dies allerdings zurück. Auch die Aufträge an externe Bergbauunternehmen seien rückläufig. Das Auftragsvolumen ist von 390 Mill. Euro im Jahr 1997 auf inzwischen 210 Mill. Euro gesunken. 2006 werden es noch 170 Mill. Euro sein. Rölfs sieht aber die DSK weiter in der Verantwortung und hatte verlangt, dass sie die deutsche Bergbausparte von HDH mit 1 500 Mitarbeitern zurücknimmt. Die RAG lehnt dies entschieden ab. Sie strebt an die Börse. Heitkamp hatte Deilmann Haniel vor Jahren von der Ruhrkohle (heute RAG), dem Mutterkonzern der DSK, übernommen.

Thoben setzt nach „Zuspitzungen in den öffentlichen Stellungnahmen auf Auftraggeber- und Auftragnehmerseite“ jetzt auf „Sachlichkeit und Zielorientierung“. Denn bereits seit mehreren Jahren wird – zuletzt unter Vermittlung von IGBCE-Chef Hubertus Schmoldt – über eine Lösung verhandelt – bisher allerdings ohne Erfolg. Neben einem geplanten Zusammengehen von Thyssen Schachtbau und HDH scheiterten auch Gespräche mit der DSK über eine Änderung des Vergabeverfahrens.

Die Situation sei durch eine Reihe von angekündigten Rechtsstreitigkeiten noch komplizierter geworden, meinte Thoben. Während die DSK zuletzt juristische Schritte gegen Rölfs androhte, hat der HDH-Chef Widerspruch gegen die milliardenschweren Subventionen der DSK eingelegt. Da nach seiner Auffassung auch HDH ein Recht habe, davon zu profitieren. Er hofft nun darauf, dass sich Thyssen Schachtbau der Klage anschließt, wie er dem Handelsblatt sagte. Die DSK müsste bei einem Erfolg der Klage dann beide Unternehmen bei Aufträgen bedenken. Als Nebenschauplätze bezeichnete Rölfs dagegen Nachforderungen in Millionenhöhe an die DSK und ein Verfahren gegen Thyssen Schachtbau, bei dem es um Dumpingvorwürfe geht.

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