Baukonzern für 2003 optimistischer
Bilfinger Berger geht bald auf Shopping-Tour

Das zugekaufte Geschäft mit Dienstleistungen soll Deutschlands zweitgrößtem Bauunternehmen Bilfinger Berger in diesem Jahr zu einem deutlich steigenden operativen Gewinn verhelfen. Für weitere Zukäufe will der Mannheimer Konzern zudem tief in die Tasche greifen.

Reuters MANNHEIM. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll 2003 deutlich, auf jeden Fall aber um mehr als 10 % im Vergleich zu den 74 Mill. € des Vorjahres steigen, sagte Vorstandschef Herbert Bodner am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Das Geschäft mit Bau- und Industriedienstleistungen werde auch die Gesamtleistung stärker als erwartet um zehn Prozent auf 5,4 Mrd. € nach oben treiben.

„In den Bau-Geschäftsfeldern halten wir uns der Konjunktur gemäß zurück“, erklärte Bodner mit Blick auf die Krise am Bau in Deutschland, von der Bilfinger dank seiner starken Auslandspräsenz aber deutlich weniger betroffen ist als manche Wettbewerber. Der Kurs der im Nebenwerteindex MDax notierten Bilfinger-Aktie stieg bis zum Nachmittag um rund sieben Prozent auf ein Jahreshoch von 27 €.

In den ersten sechs Monaten verdoppelte sich das Ebita auf zehn Mill. €. Die Leistung kletterte um 20 % auf 2,54 Mrd. €, weil sich das Dienstleistungsgeschäft nach den Zukäufen von Rheinhold & Mahla, der Holzmann-Tochter HSG und Wolfferts mehr als vervierfachte. Der Auftragseingang wuchs um sieben Prozent auf 2,92 Mrd. €. Der Auftragsbestand im Konzern legte bis Ende Juni um 13 % auf 5,55 Mrd. € zu. Er sei so hoch wie nie zuvor, hieß es.

Ein negatives Zinsergebnis bescherte Bilfinger Berger aber einen Rückgang im Gewinn nach Steuern auf acht (Vorjahr bereinigt: 13) Mill. €. Am Ende des Jahres soll der Überschuss jedoch deutlich höher ausfallen als 2002. Dafür sorgt schon der steuerfreie Ertrag von 235 Mill. € aus dem Verkauf der Buderus-Anteile an Bosch, der dem Konzern im dritten Quartal zufließt. Im vergangenen Jahr hatte Bilfinger Berger 161 Mill. € aus dem Verkauf seiner Dresdner-Bank-Aktien an die Allianz vereinnahmt.

Nach dem Buderus-Verkauf für 551 Mill. € sitzt Bodner nach eigenen Angaben auf 1,08 Mrd. € liquiden Mitteln, die für neue Zukäufe im Ausland und im Dienstleistungsgeschäft verwendet werden sollen. „Was freigesetzt worden ist, wollen wir mindestens wieder einsetzen“, sagte er mit Blick auf die Einnahmen aus dem Verkauf der Buderus-Anteile. Bodner wollte sich nicht festlegen, ob der Konzern noch 2003 oder erst 2004 Vollzug melden werde. „Wir bewegen uns zurzeit durch eine ganze Reihe von Projekten“, sagte er. Teilweise habe bereits die eingehende Unternehmensprüfung begonnen. Bilfinger Berger sieht sich jenseits der Landesgrenzen vor allem in Polen, Australien und den USA um. Die Zukäufe müssten sofort Gewinn abwerfen. Die noch immer zum Verkauf stehende Holzmann-US-Tochter J.A. Jones sei allerdings kein Thema mehr, betonte er.

Dienstleistungen sollen 2003 bis zu 50 % zum Ebita und ein Viertel zur Gesamtleistung des Konzerns beitragen. Im Hoch- und Industriebau sowie im Ingenieurbau will Bilfinger Berger die Leistung 2003 hingegen auf das Vorjahresniveau drosseln. Das Bau-Geschäft im Inland trägt schon jetzt nur noch ein Viertel zur Leistung bei.

„Die Zahlen zeigen, dass die Ausrichtung des Unternehmens richtig ist“, sagte Analyst Gerold Granzeuer von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Er erwarte einen Anstieg des Nettogewinns vor Firmenwertabschreibungen von 20 %. „Wichtig ist, dass mit dem hohen Bargeldbestand vorsichtig umgegangen wird“, mahnte er aber.

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